Ist Rendi-Wagner an der SPÖ-Spitze noch tragbar?

Das Kommentar-Duell:

Ist Rendi-Wagner an der SPÖ-Spitze noch tragbar?

Pro & Contra von ÖSTERREICH-Chefredakteur Werner Schima und  oe24.at- & oe24.TV-Chefredakteur Richard Schmitt. 

Richard Schmitt: "Pro Pam - die Neue hat eine zweite Chance verdient"

© TZOe Artner

"Die Powerfrau kann's, sie wird das schaffen" - das sagen immer mehr in der SPÖ. Auch jene, die bisher wenig von Pamela Rendi-Wagner hielten und in altgewohnter roter Treue einen recht emotionslosen Wahlkampf für die Bundesvorsitzende abgespult haben.
 
Die Stimmen, dass "genau jetzt" zu Rendi-Wagner gehalten werden muss, also jetzt in der härtesten Krise der SPÖ, werden nicht leiser, sondern lauter: Zu oft wurden in den vergangenen fünf Jahren die Parteichefs ausgetauscht, zu oft ihre Arbeit noch vor einer ersten positiven Auswirkung wieder vernichtet. Aus vielen Gründen, aber die meisten davon waren persönliche.
 

Rot gegen Rot - und keine Rückholaktion aus der FPÖ

 
Ganz gut hat Pamela Rendi-Wagner den ersten knallharten Putschversuch abgeschmettert: Die sympathische junge Frau kann also auch anders. Diese Härte haben ihr ihre Gegner nicht zugetraut. Sie machten einen der schwersten Fehler der Kriegsgeschichte: Ihren Gegner zu unterschätzen.
 
In Kürze, am Mittwoch, kommt schon der nächste Anlauf ihrer Kritiker, sie zur Aufgabe zu drängen: Mit einem "Putsch-Punsch"-Besäufnis soll gegen die Parteispitze, gegen Rendi-Wagner und Christian Deutsch demonstriert werden.
 

Setzt sich die SPÖ-Chefin gegen Intriganten durch?

 
Eine Demo der SPÖ gegen die SPÖ. Rot gegen Rot - statt nun die Katastrophen beim langjährigen Hauptfeind FPÖ auszunutzen und diesen zu attackieren, statt die zu den Blauen abgewanderten Wähler jetzt wieder einzufangen und sie zurück zur (halbwegs) skandalfreien Sozialdemokratie zu leiten. Die Genossen sind leider mit dem gegenseitigen Anpatzen zu sehr ausgelastet.
 
Apropos Intrigen: Ein Hauptakteur in der roten Österreich-Edition von "Game of Thrones" hätte bereits längst aus der Partei ausgeschlossen werden sollen. Warum kann sich ein SPÖ-Landesparteichef, der sich von einem übel beleumundeten Ex-Agenten einen Privatjet-Flug auf eine Mittelmeerinsel zahlen ließ und dies nicht versteuert hat, noch immer in dieser Position halten?
 
Rendi-Wagner wird auch in St. Pölten durchgreifen müssen. Und nicht nur dort, wenn sie sich länger halten will. Sie hat jedenfalls noch eine zweite Chance verdient.
 

Werner Schima: »Die gesamte SPÖ-Spitze muss ausgetauscht werden«

© TZOe Artner

Pamela Rendi-Wagner ist eine intelligente und sympathische Frau. Sie vertritt ihre politischen Grundsätze glaubwürdig, ist eine standfeste Sozialdemokratin und hat bewiesen, dass sie Gegenwind aushalten kann. Sie wäre für viele politische Spitzenpositionen gut vorstellbar, hat als Gesundheitsministerin eine gute Figur gemacht.
 
Nur: Mit ihr als SPÖ-Vorsitzender und Kanzlerkandidatin wird das nichts mehr.
 

Intriganten und Feiglinge gaben ihr keine Chance

 
Alle Argumente, die jetzt zu ihrer Verteidigung vorgebracht werden, sind stichhaltig und schwer zu widerlegen. Es ist richtig, dass sie keine Zeit hatte, in ihren Job hineinzuwachsen. Es ist ehrenvoll, dass sie in einer Situation, in der die meisten anderen gekniffen hätten, Verantwortung übernommen hat. Und es ist offensichtlich, dass der Haufen an Quer-Schützen, Intriganten und Feiglingen in ihrer Partei ihr keine Chance zu geben bereit war.
 
Aber genau das ist ihr Problem. Will die SPÖ wiederauferstehen und wieder die Rolle in Österreichs Politik einnehmen, die ihr aufgrund ihrer historischen Verdienste und ihrer staatstragenden Stellung eigentlich zustehen würde, braucht sie den kompletten Neustart. Inhaltlich und organisatorisch sowieso, aber natürlich auch personell.
 

SPÖ muss durch Junge wiederbelebt werden

 
Die gesamte Parteispitze ist auszutauschen. Das ist keine primitive Forderung nach einem blutigen Köpferollen, sondern nur logische Konsequenz. Es wäre nicht argumentierbar, Rendi-Wagner an der Spitze zu belassen, zumal sie noch dazu massive Fehler zu verantworten hat. Stichwort: die Ankündigung, an die zwei Dutzend Parteiangestellte rauszuschmeißen. Der Neustart muss wirklich allumfassend sein.
 
Jetzt könnte jemand einwenden, die SPÖ hätte gar nicht genug Ressourcen für ein derart großf lächiges Revirement. Wenn dem so ist, bleibt nur mehr die Einsicht: Dann hat sie es nicht verdient, weiter zu existieren.
 
In den Ländern und in der Gewerkschaft gibt es sicher ausreichend junge Kräfte, die Österreichs Sozialdemokratie erneuern und wiederbeleben können. Sie müssen nur in Ruhe aufgebaut werden. Dazu benötigen sie mehr Zeit, als Rendi-Wagner gegönnt war.

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