Kogler wurde bereits am Freitag

Das Geheimprotokoll des Anschober-Rücktritts

Das Geheimprotokoll des Anschober-Rücktritts
© APA/ROLAND SCHLAGER
Das Protokoll des Anschober-Rücktritts. Freunde rieten ihm, aufzuhören.
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Wien. Heute, um 9.30, wurde es offiziell. „Ich lasse mich nicht kaputtmachen“, erklärte der bisherige Gesundheitsminister Rudolf Anschober seinen Rücktritt. Der Grüne gab dabei unumwunden zu, dass es ihm gesundheitlich nicht gut gehe.

Freitag: Sein Freundeskreis rät ihm zum Adieu

➔Privater Kreis: Bereits am Freitagnachmittag machten erste Gerüchte – jenseits von Politikkreisen – die Runde. Rudolf Anschober könnte am „Montag oder Dienstag seinen Rücktritt bekannt geben“. Tatsächlich war der grüne Gesundheitsminister gerade im Krankenstand. Und über seinen Zustand wurde wenig bis nichts kommuniziert. Freunde wussten da aber bereits, dass es der „Kreislauf“ sei. Und: sie rieten ihm da alle dazu, „sich das nicht mehr anzutun“. Praktisch sein gesamtes Umfeld bestärkte ihn, zu gehen.
ÖSTERREICH berichtet am Wochenende von diesen Gerüchten. Die ÖVP beobachtet das genau, scheint aber keinerlei direkte Informationen zu haben.

Samstag: Die Grünen wissen Bescheid & schweigen

➔ Verschwiegen: Der langjährige Grüne informiert am Freitag Werner Kogler. Er dürfte zu einem Experten als Nachfolger raten. Seit Freitag dürfte auch klar gewesen sein, dass „ein Arzt übernehmen“ soll. Anschober hat seine Grenzen erkannt. Auch der grüne Vizekanzler will einen Mediziner. Zum ersten Mal fällt still und heimlich – im ganz verschworenen Kreis – der Name Wolfgang Mückstein. Er gilt als „hands on“, als ­einer, der sich für einen ­früheren „Lockdown“ für Wien ausgesprochen hatte, und einer, der bereits in den vergangenen Monaten den Austausch mit Anschober und Kogler gepflegt hatte.

Sonntag: Die ÖVP weiß nichts von Anschober

➔ Kein Kontakt: Anschober hält seine Pläne geheim. Offiziell lässt er verkünden, dass er kommende Woche – am Freitag – am Gipfel von Bund und Ländern teilnehmen werde. Das ist nicht falsch. Sein Nachfolger – der Allgemeinmediziner Mückstein – wird erst kommenden Montag angelobt. Das heißt, dass Anschober noch Gesundheitsminister sein wird. Das wechselseitige Misstrauen zwischen ihm und Kanzler Sebastian Kurz ist seit Monaten groß. Er will sichtlich nicht, dass das Kanzleramt vorzeitig etwas von seinem Rücktritt erfährt. Er will die Erzählung unter Kontrolle haben. Die ÖVP kennt weiter nur Gerüchte. Vom potenziellen Nachfolger hat sie noch keine Ahnung.

Montag steht bereits Arzt Mückstein als Minister fest

➔ Linie: In den vergangenen Wochen haben Kurz und Anschober die Rollen völlig getauscht. Während der Türkise noch bis in den Herbst hinein als Verfechter von Lockdowns gegen die Pandemiewellen galt, stand er die vergangenen Wochen auf der Bremse. Anschober, der die zweite Welle unterschätzt hatte, kämpfte hingegen für Verschärfungen. Mitunter „allein auf weiter Flur“. Auch das hatte an ihm gezehrt. In den vergangenen Wochen fand er aber zunehmend einen Draht zu Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Dass dieser nun für Lockdowns eintrat und diesen auch durchzog, war in Anschobers, aber auch Mücksteins Sinn.
Auch Kogler teilt diese ­Linie. Er wird Mückstein als „Mann aus der Praxis, der das kann“, vorstellen. Mückstein selbst sagte gestern bei seiner Präsentation, dass er „auch unpopuläre Entscheidungen treffen“ werde. Ähnliches hatte bereits Ludwig am Montag erklärt.

SPÖ wusste vor ÖVP, wer Anschober nachfolgt

➔ Zeichen: Dienstagfrüh ventilieren hohe ÖVP-Kreise Stefan Wallner – Koglers ­Kabinettschef – als Gesundheitsminister. Zur selben Zeit sagen rote Zirkel „Mückstein wird Gesundheitsminister“. Die Türkisen wussten es schlicht nicht. Erst, um 8.30 Uhr am Dienstag ­informiert Anschober Kurz von seinem Rücktritt. In seiner Abschiedsrede wird er den Kanzler mit keinem Wort erwähnen. Und sagt damit mehr als tausend Worte. Jetzt will Anschober einen „politischen Roman“ schreiben.

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