Erstes Interview nach Krankheit
Kurz: "Lockdown ist der falsche Weg"
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oe24.TV: Sie mussten jetzt einige Termine wegen einer Erkrankung absagen. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Sebastian Kurz: Es war nichts Dramatisches. Mich hat einfach eine Sommergrippe erwischt, bin dann wie leider Gottes oft üblich viel zu schnell wieder in die Amtsgeschäfte eingestiegen und dann hat es mich noch einmal erwischt. Aber es ist alles gut und ich bin seit ein paar Tagen wieder zurück im Büro und ganz normal bei der Arbeit.
oe24.TV: Sie haben vor Kurzem bekannt gegeben, dass Sie zum ersten Mal Vater werden. Gibt es schon einen Hochzeitstermin?
Kurz: Wenn es den gibt, dann wird das zu Hause besprochen und nicht in einem Interview mit Ihnen. Ich bitte um Verständnis, aber ich habe mein Privatleben immer privat gehalten und ich möchte das auch weiter so handhaben.
oe24.TV: Sie haben angekündigt, dass im Herbst mit der dritten Corona-Impfung gestartet wird. Wie läuft das ab?
Kurz: Wir wissen, dass es bei der Corona-Impfung eine Auffrischung braucht. Die Wissenschaft geht im Moment davon aus, dass das ungefähr neun Monate nach der Erstimpfung ist. Darauf sind wir in Österreich vorbereitet. Auch wir rechnen mit neun Monaten. Das heißt, dass wir Anfang Herbst mit den ersten Auffrischungsimpfungen beginnen werden. Und zwar bei den älteren Menschen und den Pflegeheimbewohnern.
oe24.TV: Haben wir genügend Impfstoff für diesen 3. Stich?
Kurz: Wir sind hier gut vorbereitet, haben genügend Impfstoff und es wird in weiterer Folge dann auch wieder zusätzlicher Impfstoff geliefert.
oe24.TV: Generell haben wir derzeit das Problem, dass die Impfbereitschaft nachlässt …
Kurz: Das sehe ich anders. Es ist nicht so, dass die Impfbereitschaft nachlässt, wir haben in Österreich eine sehr hohe Impfbereitschaft. Zwei Drittel der impfbaren Bevölkerung haben sich impfen lassen. Bei den über 65-Jährigen sind es schon über 80 Prozent. Aber womit Sie recht haben, ist, dass bei den jüngeren Menschen die Bereitschaft nicht so hoch ist, sich impfen zu lassen, wie bei den älteren.
oe24.TV: Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer hat einen 100-Euro-Gutschein für unter 25-Jährige gefordert, damit sie sich impfen lassen.
Kurz: Es gibt es viele Vorschläge, die wir auch genau analysieren und prüfen. Wir kommen jetzt in die Phase, wo es mehr Impfstoff gibt als Menschen, die sich impfen lassen wollen. Aber ich glaube, viele werden noch bereit sein, sich impfen zu lassen, wenn der Herbst näher rückt, die Zahlen wieder steigen und sich wieder sehr, sehr viele Menschen tagtäglich anstecken werden.
oe24.TV: Es wird derzeit sehr intensiv über eine Impfpflicht in gewissen Bereichen – etwa in Gesundheitsberufen – diskutiert. Was halten Sie von einer solchen Impfpflicht beispielsweise im Gesundheitswesen?
Kurz: Das ist nichts Unübliches. Das wird jetzt sehr emotional diskutiert. Es gab aber schon immer in gewissen Branchen und für Berufsgruppen Verpflichtungen. Das ist auch legitim, dass gewisse Bundesländer das so für ihre Mitarbeiter regeln.
oe24.TV: Wie lange wird es noch Gratistests in Österreich geben?
Kurz: Das kann ich Ihnen jetzt nicht beantworten, da gibt es auch unterschiedliche Vorschläge, die derzeit am Tisch liegen, die analysiert werden und wo dann gemeinsam in der Bundesregierung über das weitere Vorgehen entschieden wird.
oe24.TV: Müssen wir uns Sorgen machen vor einem weiteren Lockdown im Herbst?
Kurz: Das hoffe ich nicht, denn mein Ziel ist, dass wir in Freiheit und Normalität leben können. Ich halte die Impfung für den richtigen Weg und nicht den Lockdown. Das heißt, ich hoffe doch darauf, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, dass möglichst viele Menschen geschützt sind und wir somit normal unser Leben weiterführen können, so wie es jetzt auch der Fall ist.
oe24.TV: Sie haben vergangene Woche beim Sommerministerrat die ökosoziale Steuerreform angekündigt. Wann kommt die?
Kurz: Wir wollen uns im Herbst in der Regierung auf eine ökosoziale Steuerreform festlegen. Der Fokus wird hier sein, dass wir neben ökologischen Aspekten vor allem die Entlastung weiter vorantreiben. Wir werden den Familienbonus erhöhen, die Lohn- und Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen senken. Es ist mir wichtig, dass arbeitenden Menschen mehr überbleibt. Arbeiten muss sich auszahlen und den Weg werden wir weiter vorangehen. Und dafür werden wir auch diese Steuerreform auf den Weg bringen. Der Weg der Entlastung für Familien, mittlere und kleine Einkommen geht weiter.
oe24.TV: Das Koalitionsklima mit den Grünen war zuletzt aufgrund der Klimadiskussion angespannt. Es gab viel Aufregung um Ihren „Steinzeit-Sager“.
Kurz: Ich glaube nicht, dass dieser Weg des Verbots und der Einschränkung der richtige Ansatz ist. Die Menschen am Land haben eine ganz andere Lebenssituation als jene in der Stadt.
oe24.TV: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat mehrere Abschiebungen nach Afghanistan gestoppt. Wird Österreich weiter nach Afghanistan abschieben?
Kurz: Ja! Es muss nach Afghanistan abgeschoben werden, denn es kann nicht sein, dass, wenn jemand illegal zu uns kommt, dass er dann einfach bei uns bleibt. Das ist inakzeptabel.
Interview: Niki Fellner
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