Politik

Richtungsstreit bei den Freiheitlichen

Bei den Freiheitlichen rumort es. Viele wünschen sich Hofer, die BP-Wahlen werden für die Blauen jetzt zukunftsweisend. 

Ein TV-Interview brachte das Fass zum Überlaufen: In der ZiB am 28. Dezember verteidigte FPÖ-Chef Herbert Kickl seine Haltung zum umstrittenen Pferdewurmmittel Ivermectin zur Corona-Behandlung. Man solle eine Studie dazu machen, forderte der Kärntner - ungeachtet der Erkenntnisse, dass dieses Mittel für die Corona-Behandlung ungeeignet ist und selbst der Hersteller klar davon abrät.

Aufregung. Für diese Sager bei dem TV-Auftritt sah NR-Präsident Wolfgang Sobotka "rote Linien überschritten". Auch innerhalb der Blauen eckt FPÖ-Chef Kickl mit seiner Anti-Coronamaßnahmen-Politik immer mehr an: Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer betonte, "keine medizinischen Ratschläge" geben zu wollen. Ein klarer Schlag in Richtung Kickl und seiner Pferdewurmmittel-Empfehlung.

Widerstand. Der Kickl-Kurs in Sachen Corona, der als Fundamentalopposition jenseits von Fakten und Wissenschaft steht, lässt den Kärntner an der FPÖ-Spitze zunehmend unbeliebter werden: Vor allem in den blauen Landesparteien in Wien und Oberösterreich regt man sich über seinen Kurs und seine radikalen Sager auf. Rufe nach einer gemäßigteren Parteilinie werden dort immer lauter. Dabei fällt vor allem ein Name: Norbert Hofer. Unter der Führung des Burgenländers konnten auch ruhigere Töne angestimmt werden.

Hofburg-Kandidat. Das gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich. Einen erneuten Antritt bei der Bundespräsidentschaftswahl im Herbst trauen ihm aber viele zu. Nur: Selbst da soll ihm Kickl einen Strich durch die Rechnung machen. Hartnäckigen Gerüchten zufolge will Kickl auch hier seinen Impfgegner-Kurs durchsetzen und einen radikaleren Kopf als FP-Spitzenkandidat aufstellen. Dieses Szenario findet auch FPÖ-Politiker Andreas Mölzer am plausibelsten. Im INSIDER- Interview (siehe rechts) rät er seinem Ex-Parteichef Norbert Hofer, nicht noch einmal bei den BP-Wahlen anzutreten.

Comeback. Hinter den Kulissen soll Hofer selbst bereits wieder auf den blauen Chefsessel schielen. Parteiinsidern zufolge kokettiert er vermehrt mit seiner Rückkehr als FPÖ-Obmann. Für Mölzer sitzt Kickl jedoch fest im Sattel, vor allem weil es laut ihm "keine Alternative" zu dem Kärntner gibt. Ohne BP-Wahlkampf hätte Hofer zumindest genug Zeit für die große Kickl-Revanche. 

Mölzer: »Im Moment gibt es zu Herbert Kickl keine Alternative« 

Insider: Vielen in der FPÖ ist ihr Corona-Kurs derzeit zu hart. Hat sich FPÖ-Chef Kickl beim Corona-Thema verrannt?

Andreas Mölzer: Viele meiner Parteifreunde sagen, dass Kickl zu 80 %Recht hat und 20 %, dass er übertreibt. Da geht die Kritik oft nicht um die Inhalte, sondern um die Tonalität. Bei Auftritten auf Großdemonstrationen auf der Straße herrscht eben ein anderer Ton. Man lässt sich da in Bereiche hineintreiben, die eine Partei eigentlich nichts angehen, wie Pharmakologie: Inwieweit Impfstoffe, Medikamente und Ähnliches wirken. Das ist nicht klug, weil man dann auf einmal auf der wissenschaftsfeindlichen Seite aufwacht.

Insider : Kickl sorgt immer wieder mit Ivermectin-Sagern für Aufregung. Warum hat die blaue Parteispitze die Sprache der radikalen Corona-Leugner übernommen?

Mölzer: Das ist eben die Frage. Wenn man sich den Plan B, den Herbert Kickl präsentiert hat, sachlich anschaut, ist der weitestgehend vernünftig. Beim Ivermectin hat sich Kickl da in etwas hineintreiben lassen und dann den Fehler gemacht, sich darauf zu versteifen und das bei seinem TV-Auftritt in der ZiB noch zu verteidigen.

Insider: Ist im Kickl-Kurs zu wenig Platz für gemäßigtere Stimmen in der FPÖ?

Mölzer: Da haben Sie schon Recht. Die Freiheitliche Partei ist ja keine linke Kaderpartei, in der irgendein Zentralkomitee jeden Inhalt und jede Wortmeldung vorgibt. Und auch keine türkise ÖVP mit der Message Control. Die freiheitliche DNA hat ihr Fundament im freien Wort. Dass man die Corona-Kritik als Alleinstellungsmerkmal unter den etablierten Parteien nicht durch einen internen Streit konterkarieren will, verstehe ich.

Insider : Wäre ein Wechsel an der Parteispitze zu Norbert Hofer für Sie denkbar?

Mölzer: In der Boxersprache heißt es "They never come back" - ich glaube das nicht. Natürlich hat Hofer eine konziliantere Linie vertreten, vor allem war man gegenüber der ÖVP offener. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich das durchsetzen könnte und er genügend Rückhalt innerhalb der Partei hätte. Im Moment gibt es zu Herbert Kickl keine Alternative.

Insider: Sollte Hofer dann erneut ins Rennen um die Hofburg gehen?

Mölzer: Norbert Hofer hat als Einzelkandidat fast die Hälfte aller Österreicher überzeugt, das war ein historisches Ergebnis für die FPÖ. Jetzt wären die Chancen allerdings ganz andere. Er hätte nicht viel zu gewinnen bei einem Antritt. Es sei denn, VdB tritt nicht mehr an. Einen impf kritischeren FPÖ-Kandidaten in die BP-Wahl zu schicken, würde aber auf jeden Fall Sinn machen. Auch um die impfskeptischen Wähler zu binden, falls ein MFG-Kandidat antreten sollte.

Insider: Welche Veränderungen im Kurs Ihrer Freiheitlichen wünschen Sie sich?

Mölzer: Ich wünsche mir, dass die FPÖ eine harte, aber konstruktive Oppositionspolitik betreibt. Man muss aber mit allen reden können, auch mit den politischen Gegnern.