Umfrage vor Wahl

Polit-Beben in der Steiermark

Die Steiermark steht vor einem Polit-Beben: Die ÖVP dürfte Wahl haushoch gewinnen.
Wien. Die Steiermark wählt zwar erst am 24. November, also in drei Wochen, trotzdem kündigt sich schon jetzt ein Polit-Beben der Sonderklasse an, wie die brandaktuelle ÖSTERREICH-Umfrage zeigt (Research Affairs, 400 Befragte, 26.–31. 10., maximale Schwankungsbreite 5 %).
 

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Wen wählen Sie?
 
Die ÖVP von Landeshauptmann Schützenhöfer legt demnach um gleich 7,5 % auf 36 % zu, damit käme die ÖVP fast wieder auf die alte Stärke von 2010. Schützenhöfer profitiert natürlich von dem Trend auf Bundesebene, erst am 29. September konnte ja die ÖVP in der Steiermark eindrucksvoll stärkste Partei werden.
 
SPÖ stürzt ab. Ganz anders die SPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten Michael Schickhofer: Ihr droht heuer das zweite Debakel – und im Vergleich zu 2015 ein neuerlicher Absturz. Laut Umfrage fällt sie um acht Prozentpunkte auf 21 %. In weniger als zehn Jahren hätte sie damit mehr als 17 Prozentpunkte eingebüßt.
 

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Welche Koalition wollen Sie? Knappe Mehrheit für Türkis-Grün
 
Der FPÖ geht es nicht viel besser: Auch sie verliert in der Umfrage, konkret ist es ein Minus von 5,8 Prozentpunkten. Mit 21 % läge sie damit mit der SPÖ ex aequo auf Platz 2. Allerdings: Die Umfrage wurde vor der Liederbuch-Affäre rund um den steirischen Nationalratsabgeordneten Wolfgang Zanger gemacht. Gut möglich, dass die FPÖ jetzt unter 20 % fällt, und die ÖVP noch höher steigt (siehe Seite 16). Die Neos werden mit 5 %(plus 2,4 %) stärker und voraussichtlich neu in den Landtag einziehen. Die KPÖ dürfte sich in ihrem besten Bundesland mit 4 % halten.
 
Doch von wem wollen die Steirer regiert werden? Hier spricht sich eine Mehrheit von 29 % für Türkis-Grün aus. Die geht sich aber nur aus, wenn die KPÖ den Einzug in den Landtag verfehlt.
 

Schützenhöfer: "Ich schließe keine Partei von vornherein aus"

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Interview mit dem ÖVP-Landeshauptmann.
 
oe24: Die ÖVP hat bei der Nationalratswahl auch in der Steiermark sehr gut abgeschnitten. Gibt Ihnen das Rückenwind bei der Wahl?
 
Hermann Schützenhöfer: Man muss Bund und Land unterscheiden. Mir ist es natürlich lieber, dass alle sagen, es läuft gut, – und dass die Momentaufnahmen für uns gut sind.
 
oe24: Ihr Ziel ist es, Nummer 1 zu werden. Sie sind 67 – wollen Sie dann noch die vollen fünf Jahre absolvieren?
 
Schützenhöfer: Ja, das will ich. Ich wäre für fünf Jahre gewählt, wenn ich es schaffe. Ich bin kein Teilzeit-Landeshauptmann.
 
oe24: Jetzt wirft Ihnen die SPÖ vor, Sie hätten die Koalition aufgekündigt, weil die Umfragen eben gerade so gut waren.

Schützenhöfer: Nein, ich habe einfach gesehen, dass die anderen Parteien schon längst im Wahlkampf sind. Wir wollen rasch wieder gemeinsam fürs Land arbeiten anstatt monatelang wahlzukämpfen.
 
oe24: Alles spricht derzeit von Türkis-Grün. Wie laufen die Sondierungen in Wien aus Ihrer Sicht?
 
Schützenhöfer: Bei uns geht es immer zuerst um das Land, und das ist Weiß-Grün. Die Sondierungen in Wien laufen offensichtlich in einer guten Atmosphäre. Ich habe aber keine Ahnung, was am Ende herauskommt.
 
oe24: Aber wären die Grünen für Sie auch im Land ein Partner?
 
Schützenhöfer: Alle Landtagsparteien sind nicht durch einen Putsch, sondern bei Wahlen gewählt worden. Ich habe mein ganzes politisches Dasein gesagt, ich bin nicht so übermütig, von vornherein jemanden als besonders geeignet oder als gar nicht geeignet einzustufen.
 
oe24: Ist für Sie die 
FPÖ nach dem Liederbuch-Eklat noch ein Partner im Land?

Schützenhöfer: Es wäre übermütig, eine ganze Partei auszuschließen. Aber das, was sich da seit einigen Wochen abspielt, ist keine Empfehlung für eine Zusammenarbeit.(gü)
 

Schickhofer: "Ein Rückenwind aus Wien schaut anders aus"

© Land Steiermark

 
Interview mit dem Chef der Steirer-SPÖ
 
oe24: Was sagen Sie zur Liederbuch-Affäre der FPÖ?
 
Michael Schickhofer: Mir wird schlecht, wenn ich das lese, Nazitexte, Frauenfeindlichkeit pur. Der Rücktritt von FP-Mandatar Zanger wäre logisch.
 
oe24: Wird das die Wahl beeinflussen?

Schickhofer: Ich rechne mit massiven Auswirkungen. Es ist eine Fortsetzung der Skandale bei der FPÖ, erst Identitäre, dann Ibiza und der Spesen-Selbstbedienungsskandal.
 
oe24: Schützenhöfer schließt die FPÖ aber nicht aus.
 
Schickhofer: Ich erwarte mir sehr klare Worte von ihm, mit dieser FPÖ kann es keine Zusammenarbeit in der Steiermark geben. Ja, es gibt viele engagierte FP-Gemeinderäte und -Funktionäre. Ich hoffe, dass Kunasek nichts damit am Hut hat. Es wäre aber seine Aufgabe, klar Schiff zu machen.
 
oe24: Also keine Koalition mit der FPÖ?
 
Schickhofer: Ich bin mit so etwas an sich vorsichtig, aber solange die Zangers die FPÖ dominieren, ja. Mit dieser Zugangsweise ist kein Staat zu machen.
 
oe24: Sie kämpfen mit der FPÖ aber um Platz 2. Trifft Sie nicht auch der Negativtrend der Bundes-SPÖ?

Schickhofer: Rückenwind schaut anders aus – und das hat ja die steirische ÖVP auch ausgenutzt. Es geht aber jetzt nicht um ein Match Kurz gegen Rendi. Ich erlebe im Wahlkampf aber eine gute Stimmung.(gü)
 

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