Traiskirchen-Insasse: Drogen im Lager

Politik

Traiskirchen-Insasse: Drogen im Lager

Video zeigt Zustände im Asylzentrum Traiskirchen - heute prüft Amnesty.

Im Internet tauchte am Dienstag ein neues Video aus dem Asylzentrum Traiskirchen auf, erstellt von "Art Bliss". Es zeigt schreckliche Bilder aus der Erstaufnahmestelle, wie Flüchtlinge und Kinder am Boden schlafen müssen oder wie die Schutzsuchenden vor dem Regen in ihre Billigzelte auf den Wiesen flüchten.

Zudem berichten Flüchtlinge in Interviews über skandalöse Zustände innerhalb des Lagers: Einer berichtet über Drogenhandel und Diebstahl im Asylzentrum, eine Frau erzählt von Infektionen und der Bevorzugung von Afghanen.

Sami Othman im Video über Drogenhandel: "Ein Problem sind Drogenhandel und Diebstahl. Sie verkaufen das Zeug in aller Öffentlichkeit. Der Manager aus Afghanistan bevorzugt seine Landsleute."

Video zum Thema: Traiskirchen: Drogen im Lager

Chaos auch nach Aufnahme-Stopp
"We are not allowed to be in the camp" - "Es ist uns nicht erlaubt, im Lager zu sein", klagt Farshad Zaheri (30) aus dem Iran gegenüber ÖSTERREICH.

Es ist Mittwochmittag, die Sonne knallt vom Himmel und Zaheri steht mit zwei Freunden vor dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen -seiner ersten Anlaufstelle in Österreich. Seit Mitternacht ist hier der Aufnahmestopp von Innenministerium und Land Niederösterreich in Kraft, zuletzt beherbergte das Asylzentrum 4.000 Flüchtlinge, 1.500 davon waren obdachlos. "Die Erstuntersuchung und erste Verfahrensschritte werden weiterhin durchgeführt, neue Flüchtlinge werden aber nicht mehr in die Versorgung übernommen", heißt es dazu aus dem Innenministerium.

Asylwerber: "Wollen nicht abgeschoben werden"
Zaheri und seine Freunde sind, wie viele andere Flüchtlinge, die Leidtragenden einer schier unendlichen Asylmisere. "Dieser Aufnahmestopp ist sehr schlecht für uns, wir wollen nicht abgeschoben werden. Ich habe Angst, nach Ungarn zu kommen", sagen Zaheri und seine Freunde. Ein paar Meter weiter steht Ali (17) aus Afghanistan, der 4.000 Euro für die Fahrt nach Österreich zahlte: "Ich glaube nicht, dass der Aufnahmestopp an der Lage etwas ändert. Es ist nach wie vor überfüllt und die hygienischen Zustände sind schrecklich."

Mikl-Leitner: Traglufthallen für Flüchtlinge in Ländern
Mehr als 30 Frauen treffen sich gerade zu einer Solidaritätsaktion für weibliche Flüchtlinge und verteilen Hilfsgüter. Die Männer, die sich sofort sammeln, werden weggedrängt. Gut zwei Dutzend Polizisten sichern die Lage, es bleibt ruhig. Irritierend: Nur vereinzelt verlassen Busse mit Flüchtlingen das Asylzentrum, die Übernahme durch die Länder dürfte weiterhin schleppend sein. Wöchentlich stellen 1.600 neue Flüchtlinge Asyl, dem stehen 1.100 neue Überbrückungsquartiere durch den Bund gegenüber.

Im Hintergrund tobt der politische Streit: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) empfahl den Ländern Traglufthallen als Asylquartiere. Wie schlimm es um Traiskirchen steht, will heute Amnesty International bei einem Kontrollgang aufdecken.

Amnesty-Chef Patzelt über Kontrolle: Sorge, dass es schlechter wird
Heute ab 10.30 Uhr wird die Menschenrechtsorganisation Amnesty International das Asylzentrum Traiskirchen einer Prüfung unterziehen. Heinz Patzelt, Generalsekretär vom Amnesty Österreich, im Interview über die Kontrolle, Ziele der Überprüfung und mögliche Folgen.

ÖSTERREICH: Herr Generalsekretär, wie läuft die heutige Prüfung von Amnesty International ab?
HeInz Patzelt: Die Kontrolle wird von österreichischem Personal durchgeführt, die Vorgaben kommen aus London. Etwa acht unabhängige Personen, darunter ein Arzt, werden sich ein Bild machen. Das Hauptziel sind ungestörte und unbeobachtete Gespräche mit Betroffenen und Personal. Wir werden mit wachem Blick durchgehen und die Situation umfassend dokumentieren. Sozial, medizinisch, die Unterbringungsmöglichkei ten, alles nach einer klaren menschenrechtlichen Grundnorm. Die Prüfung heißt nicht Alarmstufe Rot, sondern große Sorge, dass es schlechter wird.

ÖSTERREICH: Wie wird das Ergebnis festgehalten?
Patzelt: Es wird ein Treffen im Innenministerium über strukturelle Fragen geben und nach etwa einer Woche den Endbericht aus London. Der wird etwa vier Seiten umfassen und auch Empfehlungen abgeben.

ÖSTERREICH: Wie kann die Amnesty-Kontrolle helfen, die Lage zu verbessern?
Patzelt: Es gab rasch einen Termin und wird rasch einen Bericht geben. Das zeigt, dass die Londoner Ebene Traiskirchen als dramatisch einstuft. Die Erfahrung zeigt, dass die Berichte ein hohes Ansehen bei Regierungen haben.

(prj, lae, aha)