Regionale Fahrschulen sichern Mobilität und Ausbildung. Doch Bürokratie, Abgaben und steigende Kosten setzen die Betriebe unter Druck. Ulrich Flatnitzer, Inhaber der Fahrschule beim AKH (Wien), über den Fahrschulalltag und nötige Entlastungen.
Herr Flatnitzer, warum spielt die regionale Verankerung für Fahrschulen eine so große Rolle?
Ulrich Flatnitzer: Unsere regionale Präsenz schafft Vertrauen und Nähe zu den Kundinnen und Kunden. Wir kennen die Verkehrssituation vor Ort, wissen, wo typische Gefahrenstellen sind und können die Ausbildung darauf abstimmen. Das ist im Fahrschulalltag ein klarer Vorteil – gerade in einer Stadt wie Wien mit sehr unterschiedlichen Bezirksstrukturen.
Welche Bedeutung haben regionale Betriebe darüber hinaus für die Stadt?
Regionale Dienstleister sichern wohnortnahe Mobilität, schaffen Arbeitsplätze und halten die Wertschöpfung in der Stadt. Fahrschulen sind Teil der lokalen Infrastruktur. Wir bilden Menschen aus, die später täglich am Verkehr teilnehmen – das ist eine große Verantwortung, die man nicht anonym erledigen kann.
Wo liegen derzeit die größten Belastungen für Ihren Betrieb?
Ganz klar bei der Bürokratie. Die Dokumentationspflichten werden immer umfangreicher, dazu kommen laufend neue Auflagen. Das kostet Zeit und Geld – Ressourcen, die dann in der Ausbildung fehlen.
Was empfinden Sie dabei als besonders problematisch?
Viele Vorgaben sind extrem zeitintensiv, bringen aber kaum zusätzlichen Qualitätsgewinn. Mehrfachmeldungen, komplexe Nachweispflichten und sehr detaillierte Verwaltungsvorgaben binden Kapazitäten, ohne dass die Ausbildung dadurch besser oder sicherer wird.
Neben Bürokratie spielen auch Kosten eine große Rolle. Wie stark spüren Sie das?
Sehr stark. Hohe Abgaben und Fixkosten schränken Investitionen deutlich ein. Es wird schwieriger, Personal aufzubauen, moderne Fahrzeuge anzuschaffen oder das Angebot leistbar zu halten. Der Spielraum wird immer kleiner.
Wo würden Entlastungen aus Ihrer Sicht am schnellsten wirken?
Beim Bürokratieabbau, bei vereinfachten Meldepflichten und bei geringeren Lohnnebenkosten. Das wären Maßnahmen, die sofort Wirkung zeigen würden – nicht irgendwann, sondern direkt im Alltag der Betriebe.
Welche Leistungen regionaler Betriebe werden Ihrer Meinung nach unterschätzt?
Unser Beitrag zu Verkehrssicherheit, Ausbildung und sozialer Verantwortung wird oft zu wenig gesehen. Dazu kommt die persönliche Betreuung: Wir kennen unsere Fahrschülerinnen und Fahrschüler, begleiten sie individuell und übernehmen Verantwortung über die reine Prüfungsvorbereitung hinaus.
Ihr Fazit zur Offensive Rot Weiß Rot?
Wenn man regionale Betriebe wirklich stärken will, muss man ihnen das Arbeiten erleichtern. Weniger Bürokratie, fairere Kostenstrukturen und mehr Vertrauen würden nicht nur den Unternehmen helfen, sondern letztlich auch der Mobilität und Sicherheit in der Stadt.