Wie das Wiener Gewerbequartier TwentyOne regionale Wertschöpfung, Qualität und Wirtschaftlichkeit verbindet
Große Immobilienprojekte stehen zunehmend unter Druck. Kosten, Finanzierungsvorgaben und internationale Konkurrenz treffen auf steigende Anforderungen an Qualität, Nachhaltigkeit und langfristigen Betrieb. Dass regionale Wertschöpfung unter diesen Bedingungen dennoch möglich ist, zeigt das Projekt TwentyOne in Wien-Floridsdorf. Auf rund 50.000 Quadratmetern Grundstücksfläche entsteht ein Gewerbequartier mit mehreren Hubs, Büro-, Labor-, Hotel- und Servicenutzungen sowie dem Central Hub mit rund 34.500 Quadratmetern Nutzfläche. Entwickelt von der Bondi Consult GmbH unter der Leitung von Anton Bondi de Antoni setzt TwentyOne bewusst auf ein österreichisches Gesamtmodell – von Eigentum und Finanzierung bis zur Planung und weiten Teilen der Ausführung.
Ein Projekt mit klarer Herkunft
TwentyOne ist als rein österreichisches Projekt konzipiert. „Es handelt sich um ein rein österreichisches Projekt – mit österreichischen Eigentümern, österreichischer Finanzierung und einem klaren Fokus auf heimische Wertschöpfung“, sagt Anton Bondi de Antoni, geschäftsführender Gesellschafter der Bondi Consult GmbH. Der Wertschöpfungsanteil in der Planungsphase liege bei 100 Prozent, in der Ausführung bei mehr als 80 Prozent. „Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung“, so Bondi de Antoni. Ziel sei es, regionale Kompetenz zu nutzen und Wertschöpfung dort zu halten, wo sie wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist.
Frühzeitige Integration statt später Korrekturen
Ein zentraler Erfolgsfaktor liegt in der Projektorganisation. „Wir haben von Anfang an darauf geachtet, alle an der Planung und Ausführung Beteiligten früh einzubinden und gemeinsam zu führen“, erklärt Bondi de Antoni. Dadurch lasse sich vermeiden, „dass Abstimmungs- und Qualitätsunterschiede erst während der Umsetzung sichtbar werden“. Die langjährige Zusammenarbeit vieler Partner erleichtere zudem die Kommunikation. „Wenn alle dieselbe Sprache sprechen und auf denselben Grundlagen arbeiten, gibt es keine Liefer- oder Ausführungsprobleme“, sagt Bondi de Antoni. Das zahle sich nicht nur in der Bauphase aus, sondern über den gesamten Lebenszyklus des Projekts.
Lebenszyklus im Blick
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der langfristigen Betreuung. Entscheidend sei nicht nur, „für den Bau eine günstige Variante zu finden“, sondern auch die weitere Betreuung des Projekts sicherzustellen. „Es geht um den gesamten Lebenszyklus – von der Gewährleistungsphase bis zum laufenden Betrieb“, betont Bondi de Antoni. Regionale Partner böten hier klare Vorteile, weil kurze Wege, schnelle Reaktionszeiten und persönliche Verantwortung eine verlässliche Nachbetreuung ermöglichen.
Herausforderungen bleiben
Der Anspruch an hohe regionale Wertschöpfung stößt jedoch auch an Grenzen. „Hohe Lohnkosten, die Verfügbarkeit von Fachpersonal und der Kostendruck durch günstigere Angebote aus dem Ausland sind reale Herausforderungen“, sagt Bondi de Antoni. Auch österreichische Unternehmen produzierten bestimmte Komponenten wie Fertigteile oder Fassadenelemente aus Kostengründen teilweise im Ausland. „Dort, wo wir aus Kosten- oder Kapazitätsgründen nicht auf lokale Anbieter zurückgreifen können, müssen Qualität und Kapazität, insbesondere für die spätere Betreuung, kritisch hinterfragt werden“, so Bondi de Antoni.
Qualität als Entscheidungskriterium
Für Bondi de Antoni ist dennoch klar, dass regionale Wertschöpfung kein Auslaufmodell ist. „Es ist möglich und muss von uns im Interesse unserer Wirtschaft auch angestrebt werden, einen möglichst hohen Wertschöpfungsanteil aus dem Inland zu generieren“, lautet für ihn die zentrale Schlussfolgerung. Dort, wo aus Kosten- oder Kapazitätsgründen nicht auf lokale Anbieter zurückgegriffen werden könne, müssten Qualität, Leistungsfähigkeit und die Möglichkeit zur Folgebetreuung besonders kritisch geprüft werden.
Das Quartier TwentyOne
Das TwentyOne-Projekt liegt in der Siemensstraße 84–95 in Wien-Floridsdorf und umfasst eine Grundstücksfläche von rund 50.000 Quadratmetern. Das Quartier folgt dem Konzept der produktiven Stadt und kombiniert Büros, Labors, Hotelnutzungen, Studentenwohnen und Dienstleistungen. Der Central Hub als Herzstück bietet rund 34.500 Quadratmeter Nutzfläche mit flexiblen Office-, Labor- und Konferenzstrukturen. Bereits 2020 erhielt das Projekt ein ÖGNI-Vorzertifikat in Gold, der Central Hub wurde 2025 mit ÖGNI Platin und dem Kristall-Zertifikat ausgezeichnet. Ziel ist die langfristige Belebung des Standorts durch einen ausgewogenen Nutzungsmix und nachhaltige Infrastruktur.