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Landwirtschaft in systemischem Dilemma

Die Landwirtschaft reibt sich zwischen Politik und Markt existenziell auf.

Horst Wagenhofer, Landwirt in Ruhe, aus Leonding in Oberösterreich, war Gast von Sebastian Bohrn Mena und zeigte auf, dass die heimische Landwirtschaft in einem existenziellen Dilemma steckt und in einen tiefen Abgrund zwischen EU-Förderungen, den damit verbundenen Regularien, dem Wunsch und der Verpflichtung zu artgerechter Tierhaltung, um Bio-Produkte zu produzieren sowie den konsumentenseitigen Entscheidungen für Produkt-Qualität blickt.

Der Landwirt stellt fest, dass es der "Landwirtschaft in Österreich nicht gut geht". Da sind einmal die EU-Förderungen, die mit einzuhaltenden Produktionsrichtlinien verknüpft sind, die auch kontrolliert werden. Wagenhofer: "Der Eine wird mehr kontrolliert als der Andere." Weiters wirkt sich die produktionsbedingte Administration mitunter unangenehm auf die Tierhaltung aus. Wagenhofer liefert dazu ein Beispiel aus eigener Erfahrung. Der Landwirt hält Zebu-Rinder auf seinem Hof. Diese können sich mit den Hinterläufen an ihren Ohren kratzen. Dort sind, wie üblich und notwendigerweise, die Marken, die als Identitäts- und Herkunftsnachweis des jeweiligen Rindes dienen, angebracht. Beim Kratz, so Wagenhofer, reißen sich die Rinder oft diese Marken aus und die Ohren zerfrasen in einem Ausmaß, dass den Tieren keine Marke mehr anzubringen ist. Fehlt die Marke bei einer Kontrolle durch die staatliche Agrarmarkt Austria (AMA) folgen Sanktionen. Das Nachmarkieren, so Wagenhofer weiter, stresst die Rinder ungemein, was sich wiederum auf die Fleischqualität auswirkt.

Ein weiteres Problem stellt für den Landwirt die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge dar. Für das jährliche Volumen dieser Pflichtbeiträge muss ein Bauer, rechnet Wagenhofer vor, ungefähr 800 Schweine halten. Darüber hinaus sollen alle Nutztiere artgerecht gehalten werden, um die Produkt-Qualität für die Nachfrage auch hoch zu halten. Im Handel selbst, entscheidet sich Konsumenten dann für jene Produkte für die das Geld ausreicht. Und das ist nicht unbedingt jenes landwirtschaftliche Produkt, dass den höchsten Qualitätsansprüchen in der Produktion entspricht.

Die Landwirtschaft hat also ein systemisches Problem mit einem Zwang zur Größe und der Notwendigkeit gewisse Produktionsbedingungen einzugehen, um als Betrieb langfristig zu überleben. Denn tagtäglich geben Bauern und Landwirte ihre Betriebe unter der Last und Komplexität der Anforderungen auf.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 22. November 2020, hier in voller Länge sehen.

Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 29. November, 18:30 Uhr.
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