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Unsere Tiere

Spaltenboden: So sieht die neue Schweinehaltung aus

Ein neues Video aus Dänemark zeigt, wie Schweine in einem Haltungssystem leben, das auch in Österreich künftig als „neuer Mindeststandard“ gelten soll. 

Zu sehen ist eine Schweinefabrik mit der sogenannten „Gruppenhaltung Neu“. Dieses System basiert weiterhin auf Vollspaltenböden und ist in Dänemark bereits seit 2015 verpflichtend. In Österreich soll eine vergleichbare Form ab 2034, in Ausnahmefällen ab 2038, eingeführt werden.

Bei dem Besuch wird deutlich: Auch in diesem System werden weiterhin routinemäßig Schwänze kupiert.

Warum? Wenn Schweine auf Vollspaltenböden leben und keinerlei Möglichkeit haben zu wühlen und sich zu beschäftigen, bleibt für sie nur mehr das Schwänzchen der Artgenossen zum Spielen. Sie knabbern dann solange daran, bis es blutig ist. Das führt häufig zu Infektionen, ganz abgesehen von den Schmerzen. Daher werden diese Schwänzchen der Schweine von vorn herein abgeschnitten.

Auch in diesem dänischen Betrieb mit dem vermeintlich artgerechten Haltungssystem, das auch in Österreich gelten soll, ist also das Schwanzkubieren nötig. Und trotzdem beißen die Schweinchen noch an dem kubierten Stümmelchen herum. Das weist darauf hin, dass die Tiere auch in diesem System erheblichen Stress erleben. Die Einführung der „Gruppenhaltung Neu“ wurde von Regierung und Schweineindustrie als wichtiger Fortschritt in der Debatte um den Vollspaltenboden bezeichnet. Die Schweinehaltung in Dänemark zeigt hiermit, wie es künftig den Schweinen in Österreich gehen wird.

Wo die groß debattierten Verbesserungen für unsere Schweine liegen sollen, ist nicht klar. Der sogenannte „strukturierte Vollspaltenboden“ wird der Bevölkerung als Verbesserung in der Schweinehaltung verkauft. Doch der Vergleich zeigt kaum eine Änderung. Dieser dänische Betrieb zeigt, dass auch für die Schweine keine Verbesserung spürbar ist. „weder in der Bauweise, noch in den Auswirkungen“, so der VGT.

VGT-Obmann DDr. Martin Balluch erklärt:
„Das routinemäßige Kupieren von Schwänzen ist EU-weit verboten. Ziel ist, dass die Haltungsbedingungen so gestaltet werden, dass Verhaltensstörungen wie Schwanz- oder Ohrenbeißen gar nicht erst auftreten. Wissenschaftlich belegt ist: Schwanzbeißen zeigt, dass ein Haltungssystem den Bedürfnissen der Schweine nicht gerecht wird.“

Der Besuch in Dänemark verdeutlicht: Auch der zukünftige Mindeststandard in Österreich wird das Problem nicht lösen. Die grundlegenden Herausforderungen des Vollspaltenbodens bleiben bestehen.
Welche Haltungsform würden sich Schweine also wünschen?

Schweine sind sehr soziale und intelligente Tiere. Sie leben am liebsten in überschaubaren Gruppen. Zu große Gruppen führen zu Rangkämpfen und Stress, besonders wenn kein Platz zum Ausweichen vorhanden ist.
Platz ist wichtig, damit sie spielen, rennen und ihre Lebensfreude zeigen können. Sie brauchen frische Luft, Tageslicht, Schatten und – besonders im Sommer – Schlamm, um sich abzukühlen und ihre Haut zu schützen.
Ein natürlicher Boden mit Stroh, Erde oder Wiese ermöglicht es ihnen, zu wühlen, zu schnüffeln und zu fressen – Verhalten, das für ihr Wohlbefinden entscheidend ist. Beschäftigung verhindert Langeweile und Aggressionen und macht die Tiere ausgeglichener und gesünder.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 25.01.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 01.02.2026, 18:30 Uhr      

Schweine sind von Natur aus reinlich. Sie wälzen sich im Schlamm nicht nur zum Spaß, sondern auch zur Hautpflege, zum Parasitenabbau und zum Schutz vor Sonnenbrand. Schlamm hilft ihnen, Stress abzubauen und die Körpertemperatur zu regulieren.

Die Schweinehaltung Hubmann in Oberösterreich zeigt, wie es funktioniert: Frische Luft, Stroh, Gras, viel Platz und Schatten sorgen für gesunde, ausgeglichene Schweine. Im Gegensatz dazu zeigen große Masthallen, egal ob herkömmlicher oder neuer Vollspaltenboden, sofort, dass die Tiere leiden.

Wer auf Schweinefleisch nicht verzichten kann, sollte daher auf die Haltungsform achten. Schweine können, wie auch wir Menschen Freude und Schmerz empfinden. Artgerechte Haltung bedeutet nicht nur gesündere Tiere – sie bedeutet auch, dass wir Verantwortung für das Leben dieser Tiere übernehmen. Ein paar Euro mehr für ein Stück Fleisch, bedeutet für ein Schwein ein völlig anderes Leben.

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