Notre-Dame: Pannen-Serie bei Inferno

Die Bilder der Zerstörung

Notre-Dame: Pannen-Serie bei Inferno

Der Tag nach dem ­Inferno. Tausende Franzosen und Touristen stehen geschockt am Seine-Ufer, starren auf die Brandruine Notre-Dame. Um 9.51 Uhr kann am Dienstag die Pariser Feuerwehr letztlich „Brand aus“ melden. Der dramatische, 14 Stunden dauernde Kampf gegen das Feuer ist vorbei. Endlich. Die komplette Zerstörung der Kathedrale wurde verhindert.

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Aber das ganze Dach und ein Spitzturm sind zerstört und ins Kircheninnere gekracht. An mehreren Stellen ist das Gewölbe zerbrochen. Zwischenzeitlich hatte die Feuerwehr sogar befürchtet, die gesamte Kathedrale könnte einstürzen. Das ist nicht geschehen.

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Die Struktur der 850 Jahre alten gotischen Kirche und die Sandsteinfassade mit den beiden Haupttürmen hielten stand. Aufatmen bei den Rettern.

Ursache. Alle Experten fragen sich aber: Wie konnte sich das Feuer derart schnell über die gesamte Dachkonstruk­tion ausbreiten? Und wer hat Schuld an dem Inferno? 50 Experten sind seit Dienstagmittag im Einsatz, um die Brandursache zu ermitteln.

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50 Experten suchen in Trümmern nach Ursache

Fakt ist: Der Brand brach auf einem Gerüst am Dachboden der Kathedrale aus. Die erste Meldung erfolgte Montag um 18.20 Uhr. Sie wurde aber als Falschmeldung abgetan, weil keine Flammen entdeckt werden konnten.

Der Großalarm erfolgte erst um 18.43 Uhr. 20 Minuten hatte das Feuer somit Zeit, sich auszubreiten. Zusätzlich steckte die Feuerwehr im Stau. Erst 50 Minuten nach Ausbruch des Feuers war der volle Löscheinsatz im Gang. Zu diesem Zeitpunkt stieg bereits dichter schwarzer Rauch auf. Das Dach der Kathedrale war seit Monaten komplett eingerüstet. Möglich, dass gelagertes Material in Flammen aufgegangen ist. Das werden erst die Untersuchungen klären.

Notre Dame

Fest steht hingegen, weshalb sich die Flammen derart schnell durch das Gebälk fraßen: Zwischen dem mäch­tigen Gewölbe aus Sandstein und dem Dach waren 1.300 Eichenbäume verbaut. Das Holz ist 850 Jahre alt, staubtrocken. Über der Konstruk­tion lagen Zehntausende Bleiplatten, das 210 Tonnen schwere Dach. Als Teile der Konstruktion in Vollbrand standen, begann das Blei zu schmelzen. Den Helfern war klar, dass von der Dachkonstruktion nichts mehr übrig bleiben wird. Den Rettern gelang es aber, zumindest die beiden wuchtigen Glockentürme, weite Teile des Gewölbes sowie die Grundkon­struktion zu retten. Eine Menschenkette schaffte Kunstschätze ins Freie. Fast 90 Prozent wurden gerettet.

Notre Dame: Bilder von Innen zeigen Ausmaß der Zerstörung © APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Notre Dame: Bilder von Innen zeigen Ausmaß der Zerstörung © APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Notre Dame: Bilder von Innen zeigen Ausmaß der Zerstörung © APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Chaos

400 Feuerwehrmänner waren im Einsatz. Sie haben das Schlimmste verhindert. Wie zerstört Notre-Dame wirklich ist, werden erst die nächsten Tage zeigen. Ein erster Blick ins Innere des Domes zeigt: Der Altar zerstört, Teile des gotischen Gewölbes gebrochen, Glut und brennende Trümmer fielen auf die Besucherbänke. Was die Glut nicht zerstörte, vernichtete das Wasser.(wek)

Notre Dame: Bilder von Innen zeigen Ausmaß der Zerstörung © APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Austro-Botschafter Linhart in Paris: "Die Menschen waren den Tränen nahe"

oe24.TV erreichte Österreichs Botschafter Michael Linhart am Tag nach dem Brand in Paris.

oe24.TV: Wie erleben Sie die Stimmung in Paris?

Michael Linhart: Als ich erfahren habe, dass Notre-Dame brennt, bin ich Richtung Kathedrale gegangen. Die lodernden Flammen hat man aus weiter Entfernung ge­sehen. Auf dem Weg kamen immer mehr Menschen zusammen, es hat sich ein regelrechter Fluss dorthin ge­bildet. Tausende haben sich versammelt, davor gebetet und gesungen. Jeder hatte das Gefühl, dabei sein zu müssen – aus Solidarität. Die Menschen waren schockiert, teilweise den Tränen nahe.

oe24.TV: Und wie sieht es am Tag danach aus?

Linhart: Auch am nächsten Tag sind wieder Tausende hingeströmt. Nicht nur aus Schaulustigkeit, sie wollen ihre Betroffenheit ausdrücken. Darunter viele Touristen, die mit den Parisern gemeinsam trauern.

 

Milliardäre spenden: Bereits 700 Millionen für Wiederaufbau der Notre-Dame

„Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen“, versicherte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch am Abend des verheerenden Feuers. Bereits am Dienstag rief er eine Ministerrunde zusammen, um über einen Wiederaufbauplan zu beraten. Zwar konnte das Schlimmste verhindert werden: Sowohl die Grundstruktur als auch die Fassade mit den beiden Haupttürmen sind nicht eingestürzt. Doch der Wiederaufbau wird Jahrzehnte dauern und Millionen verschlingen.

Bislang wurden schon 700 Mio. Euro an Spendenzusagen von Privatpersonen gemacht:

  • Bernard Arnault, LVMH. Noch bevor der letzte Brandherd ­gelöscht wurde, erklärte der 70-jährige Bernard Arnault, er wolle 200 Mio. Euro zum Wiederaufbau beisteuern. Der Chef des Konzerns LVMH, zu dem die Luxusmarke Louis Vuitton gehört, gilt mit einem Vermögen von 76 Mrd. Euro als reichster Mann Europas.
  • François-Henri Pinault. 100 Mio. kommen von François-Henri Pinault (Vermögen: ca. 35 Mrd. Euro). Zum Firmenimperium des Gatten von Schauspielerin Salma Hayek gehört u. a. Gucci.
  • Familie Bettencourt, L’Oréal. Die Kosmetikgiganten zeigen sich „berührt vom Drama“ und geben 200 Mio. Euro.

Weitere 200 Mio. kommen u. a. durch Spenden der Stadt Paris oder eines amerikanischen Paares zusammen.

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