Ägypten: Islamisten warnen vor Blutbad

Schüsse auf Muslimbruder

Ägypten: Islamisten warnen vor Blutbad

42 Todesopfer: Radikale wollten Mursi befreien.

Ägyptens abgesetzter Präsident Mohammed Mursi wird seit seinem Sturz am vergangenen Mittwoch in einer Kaserne am Stadtrand von Kairo festgehalten. Montag, kurz nach dem Morgengebet, versuchten zwischen aufgebrachte Muslimbrüder die Kaserne zu stürmen. Schusswaffen wurden verwendet, Brandsätze geschleudert. Ein Offizier soll getötet worden sein und vierzig Soldaten verletzt.
Als die Lage eskalierte, eröffnete die Armee das Feuer. Mindestens 42 Muslimbrüder wurden dabei getötet, ein Massaker.

© APA

Radikale Islamisten stemmen sich gegen Lösung
Eskalation. Der Chef der Muslimbrüder warnt bereits vor einem Bürgerkrieg wie in Syrien. Die islamistische Nour-Partei (Salafisten) zog sich aus allen Verhandlungen über eine neue Regierung zurück. Sie haben zuletzt auch Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei als Chef einer Übergangsregierung abgelehnt.

81 Millionen Menschen und keine Polit-Führung
Macht. Wie es jetzt weitergehen in Ägypten (81 Mio. Einwohner) ist völlig offen. Geht es nach dem Militärs, soll innerhalb von sechs Monaten gewählt werden. Dabei könnten abermals die Muslimbrüder stärkste Kraft werden: Mursis-Partei ist die am besten organisierte Kraft des politischen Islam, erhielt zuletzt 45,7 %. Zweite wurden die radikalen Salafisten mit 24,6 %. Jene zersplitterten Oppositionsgruppen, die am Tahrir-Platz demonstrierten, erzielten jeweils nie mehr als 10 Prozent.

ÖSTERREICH-Interview mit Hussein Barakat, der vor einem Jahr bei den ägyptischen Präsidentschaftswahlen antrat:

ÖSTERREICH: Sie sind Austro-Ägypter, Unternehmer in Wien, traten bei den Präsidentschaftswahlen vor einem Jahr gegen Mohammed Mursi an.
Hussein Barakat: Ja, im ersten Wahlgang erhielt ich fast 20 Prozent. Leider schaffte ich es nicht in die entscheidende Stichwahl, die Mursi gewann.

ÖSTERREICH: Jetzt wurde Mursi abgesetzt, sitzt in Armee-Arrest, wieder fließt Blut in Ihrer Heimat.
Barakat: Die Muslimbrüder werden es nie akzeptieren, dass ihr Präsident in Haft ist. Die Armee muss Mursi rasch auf freien Fuß setzen, Neuwahlen organisieren. Sonst droht Ägypten ein Bürgerkrieg.

ÖSTERREICH: Welche Möglichkeiten gäbe es jetzt?
Barakat: Das Land ist in Geiselhaft einer Polit-Mafia, deren Marionette Mursi war. Es gibt Muslimbrüder, radikale Islamisten, Ehemalige-Mubarak-Leute, Armee und Opposition. Letztere hat zwar ein großes Herz, aber wenig im Hirn. Jeder verfolgt sein eigenes Ziel. (wek)

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