EU-Schreck

Athen: Erdrutsch- Sieg für Tsipras

Wahl als Beben für die Euro-Politik: Historischer Triumph für Syriza.

SYRIZA-Chef und EU-Schreck Alexis Tsipras (40) fuhr am Sonntag einen historischen Wahltriumph ein, erzielte einen Erdrutschsieg. Die Griechen wählten den Linksruck, ein Beben für die Euro-Politik, ein Alarm für Brüssel und Börsen.

Koalition mit Rechtspopulisten
Wie soeben bekannt wurde, konnte man sich bereits auf eine neue Regierung einigen. Die nationalistische Partei der Unabhängigen Griechen (ANEL) will zusammen mit der siegreichen Linkspartei Syriza regieren. Parteichef Panos Kammenos sagte am Montag nach einem Treffen mit Syriza-Chef Alexis Tsipras: "Von diesem Moment an gibt es eine Regierung." Seine Partei werde im Parlament für den "neuen Regierungschef Alexis Tspiras" stimmen. Wenig später bestätigte auch das Linksbündnis Syriza die Einigung: Wir haben uns geeinigt", sagte Syriza-Sprecher Panos Skourletis der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Athen.

© Reuters


Die beiden Parteien liegen an gegenüberliegenden Enden des politischen Spektrums. Sie verbindet die Kritik an dem internationalen Hilfsprogramm der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds. Die Unabhängigen machen sich zudem insbesondere für ein hartes Vorgehen gegen die illegale Einwanderung stark.

Präsident ernennt Tsipras zum Premier
Einen Tag nach seinem Wahlsieg in Griechenland wurde Syriza-Chef Alexis Tsipras von Präsident Karolos Papoulias als neuer Ministerpräsident angelobt.

Der Wahlsieg der Linkspartei steht fest. Für die absolute Mehrheit reicht es aber voraussichtlich nicht. Nach Auszählung knapp 97 Prozent der Stimmen ist die Partei auf Kurs, 36,3 Prozent der Stimmen und damit 149 der 300 Parlamentssitze für sich zu verbuchen. Mindestens 151 Mandate wären nötig, um sicher alleine regieren zu können. Samaras räumte seine Niederlage ein, gratulierte dem Wahlsieger.

In der Syriza-Parteizentrale wurde euphorisch gefeiert: „Die Hoffnung hat gewonnen“, jubelten Anhänger ausgelassen, Tausende versammelten sich in der Innenstadt, Autokorsos zogen hupend durch die Stadt. Die Linken haben die Wende in Griechenland geschafft.

Griechenland: Dagegen kämpft das Land 1/5
ARBEITSLOSIGKEIT
Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25,5 Prozent. Bei den unter 25-Jährigen ist sogar fast jeder zweite ohne Job. Nach jüngsten Erhebungen liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 48,4 Prozent. Der hohe Anteil kommt auch dadurch zustande, dass Schüler und Studenten ohne Job aus den Statistiken herausgerechnet werden.

Tsipras: "Wir haben heute Geschichte geschrieben"
Tsipras selbst sagte mit breiter Brust: „Wir haben heute Geschichte geschrieben.“ Und: „Griechenland lässt die desaströse Sparpolitik hinter sich.“ Er werde mit den Gläubigern eine für Griechenland und die EU „neue, machbare Lösung“ aushandeln.
240 Mrd. Euro Finanzhilfe erhielt Griechenland in den vergangenen Jahren von den Ländern der Eurozone. Österreich überwies 1,6 Mrd. in bar, übernahm Garantien für weitere 4,4 Mrd. Insgesamt ist Griechenland mit satten 320 Mrd. verschuldet. EU und Währungsfonds verordneten einen rigiden Sparkurs. Damit soll Schluss sein:

Tsipras fordert von EU und Gläubigern einen radikalen Schuldenschnitt. Er will auch ein klares Ende der Reformpolitik, versprach höhere Pensionen, Mindestlöhne (751 Euro), niedrigere Steuern. Was er nicht sagte: Das Land hängt am Tropf der EU.

Verfehlt Tsipras die Absolute, muss er nach Koalitionspartnern suchen. Athen braucht bis 1. März eine neue Regierung. Da soll die EU-Hilfstranche in der Höhe von 1,8 Mrd. überwiesen werden.

K. Wendl, J. Prüller

Fotos: Wahl-Impressionen aus Griechenland:

Diashow: Griechenland-Wahl: Zittern vor Tsipras

Griechenland-Wahl: Zittern vor Tsipras

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    OE24 berichtete LIVE vom großen Wahlsonntag in Griechenland:

     22:55

    Tsipras: "Wir haben heute Geschichte geschrieben"

    Der Sieger der griechischen Parlamentswahl, Alexis Tsipras, hat am Sonntag erklärt, Griechenland schlage eine neue Seite auf. "Wir haben heute Geschichte geschrieben", sagte der Linkspolitiker vor Tausenden jubelnden Wählern seiner Partei im Zentrum Athens. Griechenland "lässt die desaströse Sparpolitik hinter sich."

    Er werde mit den Gläubigern eine für Griechenland und die EU "neue, machbare Lösung" aushandeln, kündigte der 40-Jährige an. "Ab morgen beginnt die harte Arbeit", sagte Tsipras. Als Ziele nannte er einen ausgeglichenen Haushalt und ein eigenes Konsolidierungsprogramm für das hoch verschuldete Land.

     22:20

    EU-Konservative fordern Reformen ein

    Nach dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza in Griechenland fordern die Konservativen im Europaparlament die Erfüllung der Spar- und Reformzusagen des Landes. "Europa steht dann solidarisch zu Griechenland, wenn dort die geschlossenen Vereinbarungen eingehalten werden", sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, am Sonntagabend in Brüssel.

     21:42

    Samaras gratuliert Tsipras

    Wahlverlierer Antonis Samaras (ND) hat seine Niederlage eingestanden. Per Telefon gratulierte er seinem Widersacher Alexis Tsipras zum Sieg.

    samaras654.jpg © Reuters

     21:34

    Kogler: Korrupte Führungscliquen abgewählt

    "Die griechischen Wählerinnen und Wähler haben heute auch für die Zurückgewinnung ihrer Würde und mehr sozialen Zusammenhalt gestimmt", kommentiert Walter Kogler, Europasprecher der Grünen, den Wahlerfolg von Tsipras. "Bei allen Bedenken ist der heutige Tag mit Sicherheit eine große Chance für eine Änderung der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik." In Griechenland seien die "korrupten Führungscliquen" abgewählt worden, die das Land "jahrzehntelang mit brachialer Freunderlwirtschaft geschädigt haben", so Kogler.

     21:33

     21:24

    Hochrechnung: 148 Sitze für Syriza

    40 Prozent der Stimmen sind ausgezählt. Syriza kommt laut einer Hochrechnung des Innenministeriums auf 148 Sitze und würde damit die absolute Mehrheit knapp verfehlen.

     21:09

    Wähler strafen Sparpolitik ab

    In ersten Analysen heißt es, viele Griechen hätten die Lasten der in Friedenszeiten beispiellosen Sparmaßnahmen nicht mehr ertragen können. Hoffnung machte da das Linksbündnis, das ein Ende der drastischen Einschnitte versprach. In den vergangenen fünf Jahren mussten die Menschen in Griechenland im Durchschnitt Einkommenseinbußen von 30 Prozent verkraften.

     20:37

    Zwischenstand

    Etwas mehr als ein Viertel der Stimmen - 26,72 Prozent - sind ausgezählt. So steht es im Augenblick:

    BÜNDNIS DER RADIKALEN LINKEN (Syriza): 35,43%

    NEA DIMOKRATIA (ND): 28,87%

    GOLDENE MORGENRÖTE (XA): 6,35%

    DER FLUSS (To Potami): 5,69%

    KOMMUNISTISCHE PARTEI GRIECHENLANDS (KKE): 5,29%

    PANHELLENISCHE SOZIALISTISCHE BEWEGUNG (Pasok): 5,02%

    UNABHÄNGIGE GRIECHEN (AE): 4,69%

    BEWEGUNG DER DEMOKRATEN UND SOZIALISTEN (Kidiso): 2,48%

    Nach derzeitigem Auszählungsstand summieren sich die Stimmanteile der nicht im Parlament vertretenen Parteien auf 8,66 Prozent. Damit geht sich für Syriza eine absolute Mehrheit an Sitzen nicht aus.

     20:23

    Vor dem Syriza-Hauptquartier in Athen spielen Sympathisanten auf die Bedeutung des Wahlergebnisses für Europa an:

     20:16

    Zwischenstand

    20,46 Prozent der Stimmen sind ausgezählt. So steht es im Augenblick:

    BÜNDNIS DER RADIKALEN LINKEN (Syriza): 35,23%

    NEA DIMOKRATIA (ND): 29,12%

    GOLDENE MORGENRÖTE (XA): 6,28%

    DER FLUSS (To Potami): 5,65%

    KOMMUNISTISCHE PARTEI GRIECHENLANDS (KKE): 5,29%

    PANHELLENISCHE SOZIALISTISCHE BEWEGUNG (Pasok): 5,18%

    UNABHÄNGIGE GRIECHEN (AE): 4,63%

    BEWEGUNG DER DEMOKRATEN UND SOZIALISTEN (Kidiso): 2,49%

     20:02

    Faymann gratuliert Tsipras

    "Ich gratuliere Alexis Tsipras zum Wahlerfolg", meinte Bundeskanzler Werner Faymann in seiner ersten Reaktion nach den Wahlen in Griechenland. "Ich bin überzeugt, dass man in der Europäischen Union als Schicksalsgemeinschaft im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Armut eine gemeinsame Basis finden muss", betonte der Kanzler. Er fügte jedoch hinzu: "Ich gehe davon aus, dass sich auch die zukünftige griechische Regierung an die Vereinbarungen mit der EU halten wird."

     19:50

    Syriza-Fans feiern in Athen

    Vor und im Zelt der Syriza-Unterstützer in der Athener Innenstadt wird der lang ersehnte Sieg gefeiert. Zahlreiche Autokorsos ziehen durch die Hauptstadt.

    syr51.jpg © AFP

     19:40

    Exit Polls

    Neue Exit Polls grenzen die Bandbreite möglicher Ergebnisse ein:

    BÜNDNIS DER RADIKALEN LINKEN (Syriza): 36-38%

    NEA DIMOKRATIA (ND): 26-28%

    DER FLUSS (To Potami): 6-7%

    GOLDENE MORGENRÖTE (XA): 6-7%

    KOMMUNISTISCHE PARTEI GRIECHENLANDS (KKE): 5-6%

    PANHELLENISCHE SOZIALISTISCHE BEWEGUNG (Pasok): 4.2-5.2%

    UNABHÄNGIGE GRIECHEN (AE): 4-5%

    BEWEGUNG DER DEMOKRATEN UND SOZIALISTEN (Kidiso): 2,2-3,2%

     19:25

    Makis Voridis, Gesundheitsminister im Kabinett Samaras, gratulierte laut Nachrichtenagentur AP Syriza bereits zum Wahlsieg: "Wenn es nach den Exit Polls geht, dann hat Syriza gewonnen, und wir gratulieren."

     19:18

    Sozialisten wanderten zu Syriza ab

    Der frühere sozialistische Außenminister Theodoros Pangalos sagte dem Fernsehsender Mega, bisherige Wähler der Sozialisten seien in Scharen zu Syriza abgewandert. Die frühere Volkspartei "Pasok" steht damit vor dem Niedergang. Die bisher mitregierenden Sozialisten kommen laut Exit Polls auf 4,2 bis 5,2 Prozent (12 bis 15 Mandate).

     19:12

    Papandreou zittert

    Zittern muss derzeit noch die Partei des ehemaligen sozialistischen Regierungschefs Giorgos Papandreou, Kidiso. Sie liegt bei 2,2 bis 3,2 Prozent. Die Hürde für den Einzug ins Parlament beträgt 3 Prozent.

    papandreou26.jpg © EPA

     18:53

    Die Hoffnung hat gesiegt, heißt es in einer ersten Nachricht aus der Syriza-Zentrale nach Bekanntwerden der Exit Polls.

     18:34

    Der Sieg ist Syriza nicht zu nehmen. Spannend bleibt das Rennen um Platz 3 zwischen der rassistischen "Goldenen Morgenröte" und "To Potami" (Der Fluss).

     18:26

    Riesenjubel herrscht bei Syriza-Fans nach dem Bekanntwerden der Exit Polls in Athen:

    tsi2.jpg © Reuters

     18:21

    Absolute Mehrheit für Tsipras möglich

    Exit Polls umgerechnet auf Sitze im Parlament:

    SYRIZA 148–154

    ND 70-78

    Goldene Morgenröte 16-20

    To Potami 16-19

    KKE 15-17

    PASOK 12-14

     18:03

    Syriza deutlich voran

    Laut Exit Polls liegt Syriza mit 35,5-39,5 Prozent deutlich vorne!

    ND 23-27%

    Potami 6.4-8%

    GD 6.4-8%

    KKE 4.7-5.7%

    PASOK 4.2-5.2%

     18:02

    Die Wahllokale haben geschlossen. Nun werden die TV-Sender ihre ersten Exit Polls veröffentlichen.

     17:31

    Um 18.00 Uhr schließen die 19.449 Wahllokale. Unmittelbar danach wird es erste Prognosen geben.

    In Athen strömen immer noch Menschen in die als Wahllokale dienenden Schulen. Die Beteiligung an der Wahl soll höher sein als zuletzt 2012.

    gre0.jpg © AFP

     17:13

    Wieviel Prozent braucht Tsipras für eine absolute Mehrheit?

    Das Wahlrecht hält einen besonderen Bonus für den Sieger bereit. 250 der 300 Sitze werden in einfacher Verhältniswahl vergeben. Die stärkste Partei erhält einen Zuschlag von 50 Sitzen.

    Für den Einzug ins Parlament gilt eine Drei-Prozent-Hürde. Die Stimmen jener Parteien, die die Drei-Prozent-Hürde verfehlen, werden zusammengerechnet. Je höher dieser Anteil ist, desto weniger Prozent benötigt die stimmenstärkste Partei für eine absolute Mehrheit von 151 Sitzen - siehe Grafik:

     16:39

    Absolute für Tsipras möglich

    Neue Gerüchte machen in Athen die Runde: Das Linksbündnis Syriza soll bis zu 12 Prozent vor der konservativen Nea Dimokratia (ND) von Regierungschef Antonis Samaras liegen. Die Stimmung innerhalb der ND soll laut griechischen Medien sehr schlecht sein.

     16:37

    Mit ein Grund für die enorme Popularität von Alexis Tsipras (40) im eigenen Land ist dessen Volksnähe. Der Spitzenpolitiker wohnt mit seiner Familie - eine Frau und zwei Kinder - in einem schmucklosen Appartement im Athener Arbeiterbezirk Kypseli.

     16:11

    Erzbischof: "Die Politiker müssen die Wahrheit sagen"

    Starke Worte des katholischen Erzbischofs von Athen: "Wir als Kirche sagen eines: Die Politiker müssen die Wahrheit sagen! Die moralische Krise, die die bisherigen Regierungen ausgelöst haben, ist bei den Leuten angekommen. Deshalb befinden wir uns jetzt in dieser Situation", sagte Sevastianos Rossolatos gegenüber "Radio Vatikan". Die Katholiken sind in Griechenland eine Minderheit. Nach vatikanischen Angaben sind von den rund 11,3 Millionen Einwohnern 140.000 Katholiken.

     16:01

    Tspiras siegessicher

    Syriza-Chef Alexis Tsipras ist siegesgewiss. "Der Teufelskreis der Sparpolitik ist vorbei", sagt er. Die Zukunft Europas sei "Demokratie, Solidarität und Zusammenarbeit." Eine von Syriza geführte Regierung werde den Griechen "sozialen Zusammenhalt und Würde" zurückgeben.

     15:07

    Exit Polls: Tsipras klar voran

    Laut Exit Polls der russischen Nachrichtagentur RIA Novosti kommt Syriza (Tsipras) auf 33,5 bis 35,5 Prozent der Stimmen. Die Nia Dimokratia (Samaras) erreicht zwischen 25,5 und 27,6 Prozent. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den dritten Platz liefern sich die rassistische "Goldene Morgenröte" und die kommunistische Partei, die jeweils auf knapp über 6 Prozent der Stimmen hoffen können. Dahinter liegen die Sozialisten (Pasok) mit 4,5 Prozent. Um den Einzug ins Parlament zittern muss die neu gegründete Partei des ehemaligen Pasok-Präsidenten Giorgos Papandreou (Kidiso): Mit 2,9 Prozent liegt die Bewegung unter der Drei-Prozent-Hürde.

     14:38

    Zeitplan

    Die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr. Unmittelbar danach werden erste Prognosen erwartet. Erste Hochrechnungen soll es ab ca. 20.30 Uhr geben.

     14:25

    Die beiden großen Parteien - Syriza und Nea Dimokratia - haben im Zentrum Athens Zelte für ihre Anhänger aufgebaut. Dort werden Live-Übertragungen von den Ergebnissen gezeigt. Bisher hält sich der Andrang in den Zelten allerdings in Grenzen.

     13:53

    Thema Schuldenschnitt

    Bei einem Schuldenschnitt wird einem Land ein Teil seiner Schulden erlassen. Die Geldgeber verzichten auf die Rückzahlung von Krediten und damit auf Forderungen. Im Falle Griechenlands schrieben im Frühjahr 2012 die Privatgläubiger - Banken, Versicherungen, Hedgefonds - freiwillig die Hälfte ihres Geldes ab.

    Athen wurden somit gut 100 Milliarden Euro erlassen. Zwei Drittel der Rest-Schulden werden von öffentlichen Geldgebern gehalten. Alexis Tsipras, Chef des Linksbündnisses Syriza, hat für den Fall eines Wahlsieges Verhandlungen mit den Geldgebern über einen weiteren Schuldenschnitt angekündigt. Die jedoch pochen auf die Einhaltung der Reformzusagen. Einen Schuldenschnitt, der zulasten der öffentlichen Geldgeber gehen würde, lehnt auch Berlin strikt ab: Die deutsche Staatskasse würde er Milliarden kosten.

    Verluste würden aber auch bei einem Austritt Griechenlands ("Grexit") aus der Euro-Zone und einer Staatspleite drohen. Das Risiko Deutschlands beläuft sich auf 70 bis 80 Milliarden Euro. Wie viel verloren ginge, kann niemand sagen. Genauso wenig sind die Folgekosten insgesamt abzuschätzen, wenn die Euro-Zone in starke Turbulenzen geriete

     13:23

    Das Zünglein an der Waage

    Drittstärkste Kraft könnte die Partei "To Potami" des früheren Fernsehmoderators Stavros Theodorakis werden. Sie ist sehr proeuropäisch und kommt aus dem Mitte-links-Spektrum. "To Potami" könnte theoretisch sowohl Syriza als auch der Nea Dimokratia die nötige Mehrheit im Parlament verschaffen.

    potami.jpg © APA

    (c) APA, "To Potami"-Chef Stavros Theodorakis bei der Wahl

     13:20

    Euro-Finanzminister beraten die Wahl am Montag

    Nach den Parlamentswahlen in Griechenland am heutigen Sonntag wollen die Euro-Finanzminister am morgigen Montag über den weiteren Weg des Krisenlandes sprechen. Konkrete Beschlüsse sind nicht geplant, da die Minister eine neue Regierung in Athen abwarten.

    Spannungen zwischen Brüssel und Griechenland sind zu erwarten, denn das in den Umfragen führende Links-Bündnis Syriza will mit der harten Sparpolitik brechen und fordert einen Schuldenschnitt.

    EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatte gefordert, Athen müsse zu seinen Verpflichtungen stehen. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte "Spiegel-Online": "Jede griechische Regierung wird weiter Unterstützung von der Eurozone brauchen." Diese Hilfe sei aber nicht ohne Bedingungen zu haben.

     12:58

    Staatspräsident der Griechen warnt

    Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias warnte, Griechenland stünden harte Jahre bevor. Er rief das griechische Volk auf, kühlen Kopf zu bewahren. Papoulias' Amtszeit endet Anfang März. Das neue Parlament wird auch die Aufgabe haben, einen neuen Staatspräsidenten zu wählen. Ende 2014 war die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts gescheitert. Aus diesem Grund wurde die vorgezogene Parlamentswahl notwendig.

     12:26

    Besonderes Wahlrecht in Griechenland

    In Griechenland hält das Wahlrecht einen besonderen Bonus für den Sieger bereit. 250 der 300 Sitze werden in einfacher Verhältniswahl vergeben. Die stärkste Partei erhält einen Zuschlag von 50 Sitzen. Damit sollen die Chancen für die Bildung einer starken Regierung erhöht werden. Für den Einzug ins Parlament gilt eine Drei-Prozent-Hürde.

    Im Land herrscht Wahlpflicht. Es wird jedoch nicht kontrolliert, ob die Menschen ihre Stimme abgeben.

    Die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr (MEZ). Unmittelbar danach werden erste Prognosen erwartet. Mit Hochrechungen wird etwa zweieinhalb Stunden später gerechnet.

     12:05

    Amtierender Minsterpräsident hat gewählt

    Antonis Samaras bei der Stimmabgabe in Pylos in Süd-Griechenland:

    samaras.jpg © Reuters

    (c) Reuters

    Vom Ergebnis der Wahl hänge es ab, ob das Land "seinen europäischen Kurs fortsetzt", sagte er. Viele unentschlossene Wähler würden seiner Nea Dimokratia ihre Stimme geben, zeigte sich Samaras zuversichtlich.

     11:42

    SYRIZA: Die wichtigsten Forderungen

    Das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) will in Griechenland die harte Sparpolitik beenden - und das sofort. Nach Ansicht der Linkspartei haben die Griechen den Gürtel zu lange zu eng schnallen müssen. Deshalb sollen die Mindestlöhne im Privatsektor auf das Niveau vor der Krise steigen, von 586 auf 751 Euro.

    Niedrige Renten sollen angehoben, Privatisierungen sofort gestoppt werden. Mindestens 9.500 entlassene Staatsbedienstete sollen zurück an ihren Arbeitsplatz. Die wichtigste Forderung des Linksbündnisses ist jedoch ein Schuldenschnitt für das Land, über den eine internationale Konferenz entscheiden soll. Parteichef Alexis Tsipras will zudem eine Allianz der Südstaaten Europas schmieden, die gegen den Sparkurs und für Wachstum in der EU kämpfen soll.

     11:26

    Rückblick: Das Ergebnis der Parlamentswahl 2012

    Aus der Parlamentswahl in Griechenland am 17. Juni 2012 ist die konservative Nea Dimokratia (ND) von Ministerpräsident Antonis Samaras als stärkste Kraft hervorgegangen. Sie bildete eine Koalition mit der Panhellenische Sozialistischen Bewegung (Pasok) unter ihrem heutigen Chef Evangelos Venizelos. Das Ergebnis im Detail:

    Nea Dimokratia (ND) 29,7 % - 129 Mandate

    Bündnis der radikalen Linken (Syriza) 26,9 % - 71 Mandate

    Panhellenische Sozialistische Bewegung 12,3 % - 33 Mandate

    (Pasok)

    Unabhängige Griechen (AE) 7,5 % - 20 Mandate

    Goldene Morgenröte (XA) 6,9 % - 18 Mandate

    Demokratische Linke 6,3 % - 17 Mandate

    Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) 4,5 % 12 Mandate

    Von den knapp 9,95 Millionen Wahlberechtigten beteiligten sich 62,5 Prozent an der Abstimmung. Rund ein Prozent der Stimmen war ungültig. Knapp sechs Prozent der Stimmen entfielen auf Parteien, die den Sprung über die in Griechenland geltende Drei-Prozent-Hürde nicht schafften.

     10:35

    Riesen-Andrang in Athen vor Wahllokal von Tsipras

    Wegen des riesigen Presseandrangs hatte Tsipras Schwierigkeiten, ins Wahllokal zu gelangen. Im Athener Stadtteil Kypseli blockierten mehrere Dutzend Journalisten und Kamerateams minutenlang den Eingang zu der Grundschule, in der Tsipras wählen sollte. "Meine Geduld ist endlos, ich habe fünf Jahre lang auf diesen Moment gewartet", meinte der SYRIZA-Chef gelassen.

    tsipras4.jpg © Reuters

    (c) Reuters

     10:33

    Tsipras: "Neuanfang"

    "Heute entscheidet das griechische Volk, ob die harte Sparpolitik fortgesetzt wird oder ob das Land einen Neuanfang startet, damit die Menschen in Würde leben können", sagte Tsipras nach der Stimmabgabe in Athen am Sonntag.

    In jüngsten Umfragen lag sein Linksbündnis rund sieben Prozentpunkte vor der konservativen Nea Dimokratia von Regierungschef Antonis Samaras. Die Wahllokale werden um 18.00 Uhr (MEZ) schließen. Unmittelbar danach werden erste Prognosen erwartet.

     10:23

    Tsipras gibt sich siegessicher

    Nach seiner Stimmabgabe gibt Alexis Tsipras im Blitzlichtgewitter der Fotografen ein erstes Interview am heutigen Wahlsonntag.

    tsipras1.jpg © Reuters

    (c) Reuters

     10:05

    Kurz-Biografie: Wer ist Alexis Tsipras

    Der 40-Jährige aus Athen studierte Bauingenieurwesen und Stadtplanung. Schon während der Schule und auf der Uni engagierte er sich für die Linke. 2006 wurde er Stadtrat in Athen, später Chef von SYRIZA. Parteiintern nennen sie ihn nur „Cool Alexis“, er ist eine linke Ikone in Europa, seit 2010 Vizechef der Europäischen Linken. Er lächelt viel, versprüht Vertrauen. Experten nennen in „Mamas Liebling“. Tsipras lebt mit Jugendliebe Peristera Baziana, sie haben zwei Kinder.

    Foto: Alexis Tsipras heute bei der Stimmabgabe in Athen:

    tsipras2.jpg © Reuters

     09:37

    Das bedeutet die Wahl für Europa

    Das Wahlergebnis ist richtungsweisend für Europa: Gewinnt SYRIZA, beeinflusst das die Fortsetzung des Sparkurses im mit 320 Mrd. Euro hoch verschuldeten Krisenland. Tsipras fordert einen Schuldenschnitt der Gläubiger, die Eurozone soll den Großteil der Ausstände erlassen. Zwar butterte die EU 240 Mrd. Euro in Griechenland, die Reform- und Sparauflagen sind aber in Griechenland verhasst. Experten prognostizieren in einem „Worst-Case“-Szenario die Rückkehr Athens zur Drachme sowie ein Straucheln krisengebeutelter EU-Länder wie Italien. Tsipras sagt aber: "Vielleicht ist dies die letzte Chance für Griechenland.“

     08:59

    Amtierender Regierungschef siegessicher

    Der griechische Regierungschef Antonis Samaras hat die Wahl in Griechenland als entscheidend für die Zukunft Griechenlands bezeichnet. Vom Ergebnis hänge es ab, ob das Land "seinen europäischen Kurs fortsetzt", sagte der konservative Politiker nach der Stimmabgabe in der kleinen Touristen-Hafenstadt Pylos auf der Halbinsel Peloponnes.

    "Wir werden siegen", sagte Samaras. Viele unentschlossene Wähler würden seiner Nea Dimokratia ihre Stimme geben, meinte er weiter.

    Die Wahllokale werden um 18.00 Uhr (MEZ) schließen. Unmittelbar danach werden erste Prognosen erwartet. In Umfragen vor der Wahl lag das Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras vorn. (siehe Grafik weiter unten)

     08:41

    Letzte Umfrage vor der Wahl heute:

    Umfrage_Griechenland.jpg

     08:32

    Wahllokale schon seit 6 Uhr offen

    In Griechenland hat die mit Spannung erwartete Parlamentswahl begonnen. Seit 6.00 Uhr (MEZ) sind die Wahllokale geöffnet. Knapp zehn Millionen Bürger sind an die Urnen gerufen. Die Wahl gilt als richtungsweisend für die künftige Spar-und Sozialpolitik des hoch verschuldeten Landes.

    Als Favorit geht das Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras ins Rennen. Umfragen zufolge lag Syriza zuletzt mit etwa sieben Prozentpunkten vor der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia.