Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa weilt derzeit in Berlin. Während er politisch hofiert wird, sorgen Jubelszenen in Luxushotels für Diskussionen.
Ahmed al-Sharaa, der syrische Übergangspräsident, wurde am Montag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue empfangen. Der Staatsbesuch des 43-Jährigen gilt als einer der umstrittensten Termine des Jahres in Deutschland. Bevor es zu den offiziellen Gesprächen kam, wurde al-Sharaa von vielen in Deutschland lebenden Syrern wie ein Popstar gefeiert. Besonders die Vorkommnisse in einem Berliner Luxushotel sorgen für Aufsehen.
"Allahu Akbar"-Chöre für Ex-Terrorist in Berliner Hotel
Vertreter der syrischen Gemeinde empfingen den früheren Dschihad-Kämpfer im Ritz-Carlton mit lautstarken "Allahu Akbar"-Rufen. Bei der Veranstaltung im Festsaal wurde der Übergangspräsident mit dem Gottes-Schlachtruf beklatscht, wie Videos auf der Plattform X und Berichte der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana belegen, berichtet "Bild". Al-Sharaa betonte vor Ort, er sei stolz auf die Syrer im Ausland, die an ihrer nationalen Identität festhalten. Laut seiner Aussage seien sie wichtig, um ein "authentisches" Bild Syriens zu vermitteln.
Obwohl der Übergangs-Machthaber, der früher unter dem Kampfname al-Dscholani (als früheree Anführer der Terrororganisation al-Nusra-Front) bekannt war, derzeit vom Westen hofiert wird, bleibt seine Rolle höchst umstritten. Die USA hatten einst ein Kopfgeld von 10 Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt. Er verspricht zwar, die Einheit Syriens nach dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 zu wahren, doch Berichte über Massaker an Drusen, sowie an Kurden und Übergriffe auf Christen lassen an diesen Worten zweifeln.
Treffen mit Steinmeier und Merz
Zum Auftakt des Staatsbesuchs in Berlin wurde al-Sharaa vom deutschen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an dessen Amtssitz, dem Schloss Bellevue, empfangen. Der Besuch, der eigentlich schon im Jänner stattfinden sollte, wird von Protesten begleitet. Es sind mehrere Demonstrationen mit insgesamt rund 5.000 Teilnehmern angemeldet.
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa ist zu Besuch in Berlin. Zum Auftakt wurde er vom deutschen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an dessen Amtssitz, dem Schloss Bellevue, empfangen.
Auf dem Programm von al-Sharaa steht auch ein Gespräch mit Kanzler Friedrich Merz. Außerdem will er an einem Runden Tisch mit Unternehmern teilnehmen. Zu den Hauptthemen seiner politischen Gespräche sollen die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des im jahrelangen Bürgerkrieg schwer zerstörten Landes gehören.
Die von al-Sharaa angeführte Islamistenmiliz HTS (Anm. Nachfolger der al-Nusra-Front) hatte Ende 2024 nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg den langjährigen Machthaber Bashar al-Assad gestürzt. Anschließend wurde al-Sharaa zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen.