"Die Schmuggler sagten, die Route sei sicher"

39 tote Migranten in Lkw gefunden

"Die Schmuggler sagten, die Route sei sicher"

Ein Opfer schrieb noch Twitter-Nachrichten: 'Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland wird nicht erfolgreich sein. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann ...'

London. Nach der unfassbaren Tragödie im englischen Essex, wo 39 Migranten in einem Kühl-Transporter bei Minus 25 Grad tot gefunden wurden, meldeten sich nun die trauernden und schockierten Eltern eines Opfers in der Öffentlichkeit. Pham Thi Tra My schrieb noch bedrückende letzte Worte mit dem Handy aus dem Todes-Truck an ihre Mutter: "Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland wird nicht erfolgreich sein. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann ..." Die Eltern jenes Opfers aus Vietnam erklärten nun in den Medien, dass die Schmuggler versicherten, dass es sich um eine sichere Fahrt und Route handle. 

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Die Familie von Pham Thi Tra My, 26, sagte, sie habe den Menschenschmugglern 30.000 Pfund gezahlt, um über China nach Großbritannien zu reisen, "auf der Suche nach einem besseren Leben."

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Ihr Vater Pham Van Thin, sag, es sei "sehr schmerzhaft" gewesen, den Text zu erhalten.

Nguyen Thi Phong und Pham Van Thin sagten gegenüber "CNN", es sei "sehr schmerzhaft" gewesen, als sie den Text ihrer Tochter erhalten hatten – sie müsse gewusst haben, dass sie sterben würde, als sie ihn abschickte. Sie schickten ihr 26-jähriges Kind über China nach England für "die Suche nach einem besseren Leben", wie die Eltern berichten.    

"Ich habe sowohl meine geliebte Tochter als auch mein Geld verloren", sagte ihr Vater Pham und behauptete, er und sein Partner hätten das Geld zusammengekratzt, um die Reise ihrer Tochter nach Großbritannien zu bezahlen. Das Paar, das ungefähr 400 Dollar im Monat verdient, sagte, die Schmuggler hätten ihnen nicht mitgeteilt, wie ihre Tochter nach Großbritannien transportiert werden würde.
 

Weiteres Opfer ist aus Vietnam

Unter den in einem Lkw in Großbritannien gefundenen 39 Leichen könnte es mindestens ein weiteres Opfer aus Vietnam geben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Bereits am Freitag war der Fall einer jungen Vietnamesin bekannt geworden, die von ihren Angehörigen vermisst und unter den Toten von Grays vermutet wird. Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass alle Opfer aus China stammten.

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Bei einem weiteren mutmaßlichen Opfer handelt es sich um Nguyen Dinh Luong (20).

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unterdessen, dass womöglich sogar die Mehrheit der Toten aus Vietnam gekommen sein könnte. Reuters berief sich dabei auf Angaben eines Gemeindeoberhaupts aus der bitterarmen Nghe An Provinz im Nordosten des Landes. "Der ganze Bezirk trauert", wurde der katholische Priester Anthony Dang Huu Nam aus der abgelegenen Ortschaft Yen Thanh zitiert. Der Priester sagte, er stehe in Verbindung mit Angehörigen der Toten. Sie hätten ihm berichtet, dass Verwandte zur fraglichen Zeit nach Großbritannien gelangen wollten und dass sie nun vergeblich versuchten, Kontakt zu ihnen aufzunehmen.

Die britische Polizei hatte die Leichen in einem Lkw in einem Industriegebiet östlich von London entdeckt und bald bekanntgegeben, es handle sich wohl um chinesische Staatsbürger. Das wurde von chinesischen Behörden noch nicht bestätigt, berichtete Reuters. Das vietnamesische Außenministerium veröffentlichte am Samstag ein Statement, wonach seine Londoner Botschaft instruiert sei, der britischen Polizei bei der Identifizierung zu helfen. Weitere Angaben zu den Nationalitäten der Opfer wurden von behördlicher Seite zunächst nicht gemacht.

 

20-jähriger Sohn habe sich illegal in Frankreich aufgehalten

Er habe einen Anruf von einem Vietnamesen erhalten, der ihn über den Tod seines Sohnes auf dem Weg nach Großbritannien informiert habe, sagte Nguyen Dinh Gia am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Sein 20-jähriger Sohn habe sich seit 2018 illegal in Frankreich aufgehalten und wollte um rund 12.600 Euro nach Großbritannien weiterreisen, um dort in einem Nagelstudio zu arbeiten. Vor einigen Tagen habe der Vater dann einen Anruf von einem Vietnamesen erhalten, der ihn um "Verständnis" bat und sagte, dass etwas "Unerwartetes passiert" sei.

Nguyen bat die vietnamesischen Behörden um Hilfe bei der Identifizierung seines Sohns. Von Kontaktpersonen in Großbritannien erfuhr er, dass der 20-Jährige Paris am Nachmittag des 21. Oktobers verlassen habe - zwei Tage vor dem Fund der Leichen nahe London.

Am Freitag hatte bereits der Vietnamese Pham Manh Cuong davon berichtet, dass seine Schwester unter den Toten sein könnte. Nach seinen Angaben war die 26-Jährige Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen. Am Dienstagabend habe sie dann ihrer Mutter eine verzweifelte SMS geschickt. "Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama, ich liebe Dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann."

 

Pham: "SMS ist echt"

Pham sagte AFP, die SMS sei echt und wenige Stunden vor dem Leichenfund am Mittwochmorgen abgeschickt worden. Auch aus vietnamesischen Sicherheitskreisen hieß es, unter den 39 Toten könnten vietnamesische Staatsangehörige sein. Ein Sprecher der vietnamesischen Botschaft in London sagte zudem, die diplomatische Vertretung sei von einer vietnamesischen Familie kontaktiert worden, die ihre Tochter seit der Entdeckung des Lastwagens vermisse.

Die beiden mutmaßlichen Opfer könnten bei der Reise nach Großbritannien gefälschte chinesische Pässe bei sich getragen haben. Sie stammen aus der verarmten Provinz Ha Tinh im Zentrum des Landes, aus der viele illegale Migranten kommen. Viele zahlten für ihre Reise mit gefälschten Dokumenten zehntausende Euro - in der Hoffnung, vor allem in Großbritannien in Nagelstudios oder auf Cannabisfarmen arbeiten zu können.

Die 39 Leichen waren Mittwochfrüh in einem Industriegebiet östlich von London in einem Lkw-Kühlcontainer entdeckt worden. Die Polizei ermittelt wegen Mordes bzw. Totschlags und Menschenhandels, vier Verdächtige wurden bisher festgenommen.


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