Dubai-Opfer : 
"Urteil ein Schlag ins Gesicht"

Im Hotel vergewaltigt

Dubai-Opfer : 
"Urteil ein Schlag ins Gesicht"

Sie wurde vergewaltigt und muss nun 16 Monate in Haft.

Marte Deborah Dalelv, 24, hat sich nach dem Haft-Urteil in die norwegische Kirche in Dubai geflüchtet. Sie hat keinen Reisepass, darf das Land nicht verlassen, in der Mission wartet sie ab, ob das Urteil rechtskräftig wird, oder nicht: „Nie hätte ich mit einem so harten Urteil gerechnet“, sagt sie der norwegischen Zeitung „VG“, „es war wie ein Schlag ins Gesicht, ich bin das Opfer, nicht die Täterin“.

Was war geschehen? Anfang März nahm die Norwegerin einen Job in Dubai an, als Design-Beraterin in einem exklusivem Möbelgeschäft. Besitzer ist Wissan al-Wana, Ehemann von Michael Jacksons Schwester Janet. An einem der ersten Abende feierte die junge Frau mit Arbeitskollegen, es floß Alkohol. Spätnachts lockte sie ein Kollege in sein Hotelzimmer: „Er hat mich vergewaltigt“, sagt Marte.

Noch in der Nacht zeigte sie den Arbeitskollegen an, einen Araber. Die erste Frage, die Polizisten der Norwegerin stellten: „Hast du die Polizei gerufen, weil es Dir nicht gefallen hat?“.

Unfassbar. Marte wurde in U-Haft genommen. Weil sie Sex außerhalb der Ehe gehabt hat. Und betrunken war: „ Sie nahmen mein Geld, steckten mich in eine Gefängniszelle. Es war kalt“. Nur das Telefon ließen sie ihr. Marte rief ihren Vater daheim in Norwegen an: „Papa, ich wurde vergewaltigt, sitze im Gefängnis“.
Jetzt wurde Marte zu 16 Monaten Haft verurteilt. Nach dem Urteil folgte der nächste Tiefschlag: die 24jährige wurde von ihrem Arbeitgeber fristlos gefeuert. Multi-Milliardär Wissan al-Wana aus Qatar unterschrieb ihr kurzes Entlassungsschreiben höchstpersönlich.

Arzt und Dubai-Opfer Eugen Adelsmayr über Absurd-Urteil:

"Sie bräuchte 4 Männer als Zeugen"

ÖSTERREICH: Sie haben dieses absurde Rechtssystem in Dubai persönlich kennengelernt…
Adelsmayr: ...ja, aber mein Fall ist mit diesem nicht zu vergleichen. Einzige Parallele ist: Beide standen wir unschuldig vor Gericht. In diesen Gegenden kann man sich nicht auf ein geordnetes Rechtssystem verlassen. Unter dem Deckmantel eines Rechtssystems wird willkürlich entschieden, man ist dem völlig ausgeliefert.

ÖSTERREICH: Die junge Norwegerin wurde vergewaltigt, hat das angezeigt, wurde selbst verurteilt – wie absurd ist das?
Eugen Adelsmayr: Das Urteil überrascht mich nicht, das hat doch System. Erst kürzlich ist eine Australierin verurteilt worden, sie wurde mehrfach vergewaltigt und landete im Gefängnis. Das Scharia-Gericht haltet sich streng an islamische Rechtsvorschriften, für uns ist dieses System unverständlich. In Wahrheit geht es meist nur um Korruption, Dummheit und reiner Bösartigkeit.

ÖSTERREICH: Welche Chancen hat die Norwegerin?
Adelsmayr: Eine Vergewaltigung in Dubai wird nur dann als solche anerkannt, wenn vier männliche, moslemische Zeugen die Vergewaltigung bestätigten, oder der Täter eindeutig gesteht. So gesehen hätte die Frau wissen müssen, dass die Anzeige zu nichts führen kann.

ÖSTERREICH: Im Fall der Norwegerin wurde auch der Täter verurteilt, ein Araber..
Adelsmayr: Ja, aber nicht wegen Vergewaltigung, sondern wegen Sex außerhalb der Ehe, das ist doch nicht nachvollziehbar.

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