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Lokalaugenschein in Italien

Quarantäne: 'Bei uns ist es wie in Wuhan'

Codogna ist abgeriegelt: "Wie in China", sagen Bewohner. Lokalaugenschein.

Geschlossene Geschäfte und Restaurants, kaum ein Mensch auf der Straße: Codogno, die 60 Kilometer von Mailand entfernte Kleinstadt mit ihren rund 15.000 Einwohnern, ist Opfer des Coronavirus aus China geworden. "Das ist eine Geisterstadt, die Menschen haben sich verbarrikadiert, es ist schrecklich", sagt Paola, die sich als eine der wenigen nach draußen gewagt hat.
 

"Wie in Wuhan"

"Es ist unglaublich: Jetzt ist das China, das wir im Fernsehen sehen, bei uns", sagt die Inhaberin einer Bäckerei, bevor sie ihr Geschäft schließt. Italien ist das erste europäische Land, in dem Einheimische an dem Virus gestorben sind und - mit inzwischen mehr als 130 Fällen - das Land mit den meisten Infizierten in Europa. Viele von ihnen stammen aus Codogno und der benachbarten Gemeinde Casalpusterlengo in der nördlichen Region Lombardei.
 
Ein 38 Jahre alter Wissenschafter der Firma Unilever liegt auf der Intensivstation. Seine schwangere Frau, ein Freund, mit dem er Fußball spielte, mehrere Stammgäste eines Beisls, das der Familie des Freundes gehört, sowie Ärzte und Patienten des Krankenhauses von Codogno, in dem der Mann bis Samstag behandelt wurde, haben sich bei ihm angesteckt. Wer aber das Virus eingeschleppt hat, war am Sonntag weiter unklar.
 
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Noch bevor Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend elf Städte im Norden Italiens in die Isolation schickte, hatten Codogno und andere Orte bereits selbst drastische Schutzmaßnahmen ergriffen. Der Bahnhof von Codogno blieb bereits tagsüber geschlossen, nur die Lautsprecher warnten unbeirrt weiter vor durchfahrenden Zügen.
© AFP
 

Straßen sind leer

Im Ortskern waren alle Geschäfte und Gasthäuser verrammelt. Gegen 20.00 Uhr funktionierten nur noch ein Automat für Zigaretten und ein weiterer für Getränke und Snacks. Vor dem Zigarettenautomaten stehen zwei Paare - sie gehen auf Abstand voneinander.
 
Die Straßen sind leer, die wenigen, die sich noch hinaustrauen, müssen mit ihren Hunden Gassi gehen oder zu einer der wenigen Apotheken, die geöffnet haben. Kaum einer trägt eine Atemschutzmaske. "Die Leute kommen zu uns, um ihre gewöhnlichen Medikamente zu holen, und dabei fragen sie auch nach Schutzmasken", erzählt Rosa Cavalli, die Besitzerin einer Apotheke im Zentrum von Codogno. "Leider haben wir keine mehr, weil sie vorwiegend aus China kommen und dort dringender gebraucht werden."
 
© AFP
 
Während die meisten Bewohner von Codogno am Samstag noch Ruhe bewahrten, sah die Lage nach Inkrafttreten der Quarantäne-Maßnahmen einen Tag später anders aus. Besonders im zehn Autominuten entfernten Casalpusterlengo, dem Sitz des Unilever-Werks von "Patient Nr.1", liegen die Nerven am Sonntag blank. Vor einem Supermarkt warten Dutzende Menschen auf Einlass. Sie würden nur in Gruppen à 40 Kunden eingelassen, sagt ihnen ein Manager. "Jeder kommt dran, wir wollen nur Chaos vermeiden und für ausreichenden Schutz sorgen", versucht er zu beruhigen. "Das ist unmenschlich" ereifert sich daraufhin ein Kunde. "Sich um vier belegte Brote prügeln zu müssen, ist einfach widerlich." "Ich habe große Angst", sagt Emanuela, eine Krankenschwester aus der Region, während sie darauf wartet, an die Reihe zu kommen. "Die Situation ist ganz schön belastend."
 
Obwohl Codogno und Casalpusterlengo von den Abschottungsmaßnahmen der Regierung betroffen sind, fahren die Autos am Sonntag zunächst noch ungehindert aus den Orten heraus und hinein. Drei Polizeiwagen stehen am Eingang von Codogno. "Wir richten gerade die ersten Kontrollpunkte für die Sperrzonen ein", sagt die Leiterin des Polizeiteams. Sie und ihre Kollegen wurden zur Verstärkung aus Bologna, Turin und Genua abberufen, berichtet die junge Frau. "Wir sind von der Kriminalpolizei, sind also mit einer Situation wie hier normalerweise gar nicht befasst."

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