Explodiert jetzt der Nahe Osten?

Eskalation nach Raketenbeschuss

Explodiert jetzt der Nahe Osten?

Höchste Anspannung: Nur ein Funke genügt, und ein weiterer Krieg ist realistisch.

Jerusalem/Teheran. Die Lage ist höchst explosiv, 
die Auswirkungen betreffen uns alle (siehe unten). Der Iran griff am Donnerstag erstmals israelische Ziele auf den Golanhöhen an. 20 Raketen wurden abgefeuert. Sie alle verfehlten ihre Ziele. Israel reagierte mit Vergeltungsschlägen auf iranische Militäreinrichtungen in Syrien. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman: „Ich hoffe, dass die Episode nun vorbei ist.“ Die Opferbilanz: 23 Tote. Die iranische Militärinfrastruktur ist stark geschwächt.

Militärstratege Gerald Karner zu ÖSTERREICH: „Die Reaktion Israels ist verständlich, es konnte die Verstärkung der iranischen Kräfte in Syrien nicht hinnehmen, sonst wäre die Bedrohung zu hoch“.

Jetzt herrscht weltweit Alarmstimmung: Die Es­kalation kam nur einen Tag nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Atomdeal mit dem Iran auszusteigen. Schlägt der Iran erneut gegen Israel zu, könnte es den Bemühungen um die Rettung des Atomabkommens schwer schaden.

Angela Merkel: »Es geht 
um Krieg und Frieden«

Warnung. Staatschefs aus allen Lagern warnen vor einem drohenden Krieg. Deutsch­lands Kanzlerin Angela Merkel: „Die Eskalationen der vergangenen Stunden zeigen uns, dass es wahrlich um Krieg und Frieden geht.“ Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ruft zur „Deeskalation“ auf, und auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow sieht die Spannungen als äußerst „beunruhigend“.

Iranische Stellungen an der Grenze zu Israel aufgebaut

Krieg. Hintergrund: Der Iran verstärkt seine Präsenz in Syrien. Die Zahl der Milizionäre wird auf 70.000 geschätzt. Sie wollen ihre Stellungen unweit der israelischen Grenze aufbauen und den Staat von dort aus bekämpfen. Jetzt droht Teheran mit einem weiteren Vergeltungsschlag – die Kriegsgefahr steigt.
 

Experte: "Das wäre die massivste Eskalation"

 
© TZ OesterreichKernmayer Johannes
 
ÖSTERREICH: Was müssen wir jetzt befürchten?
 
Gerald Karner: Das sind Anzeichen einer potenziellen Eskalation. Israel hat ein Zeichen ausgesandt: „Das war unser Schlag, das war’s jetzt.“ Die Frage ist, ob der Iran noch eine Aktion setzt, denn dann dreht sich die Spirale der Gewalt noch schneller. Die Raketen waren aber eine sehr verständliche Reaktion vonseiten Israels, weil es die Verstärkung der iranfreundlichen Kräfte in Syrien nicht einfach so hinnehmen kann, sonst wäre die Bedrohung für Israel hoch.
 
ÖSTERREICH: Ist der Iran militärisch noch stark genug?
 
Karner: Israel hat militärisch Fakten geschaffen: eine Schwächung der iranischen Kräfte in Syrien. Von dort aus ist ein massiver Schlag jetzt unwahrscheinlich. Militärische Aktionen müssten aus anderen Gegenden kommen, zum Beispiel aus dem Libanon oder aus dem iranischen Territorium. Das wäre die massivste Eskalation. Denkbar wären natürlich auch Angriffe mit den restlichen Kapazitäten aus Syrien – das sind aber kleine Nadelstiche.
 
ÖSTERREICH: Was sollte der Iran jetzt machen?
 
Karner: Der Iran sollte aus seiner Isolation herauskommen, sich an die Abmachungen des Atomabkommens halten. Hier gab es Anzeichen, dass dem nicht so ist.
 

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