Edward Snowden

So lebt Snowden im Versteck

"Ich 
traf den Super-Spion in Moskau"

Abgemagert, aber fit: Ex-Geheimdienster will Asyl in Moskau, dann nach Südamerika.

US-Präsident Obama schaltet sich jetzt persönlich in den Agenten-Krimi um Super-Spion Ed Snowden ein. Freitagnacht griff Obama zum Telefon und rief Kremlchef Wladimir Putin an – ein Eiszeit-Gespräch.

Der US-Präsident wollte ­erreichen, dass Moskau den Enthüller an die USA ausliefert. Washington will Snowden wegen Hochverrats anklagen. Die Todesstrafe droht.
Russlands Präsident Wladimir Putin blieb hart. Enthüller Snowden wird temporäres Asyl in Russland erhalten, an eine Auslieferung an die USA sei nicht zu denken.

Putins Agenten
Freitag trat Ed Snowden am Moskauer Flughafen erstmals an die Öffentlichkeit, traf Vertreter von Amnesty (siehe Interview unten) und gab offiziell bekannt, dass er in Russland um vorübergehendes politisches Asyl ansuchen wird.

Diashow: Snowden zeigt sich in der Öffentlichkeit

Snowden will Asyl in Russland annehmen.

Tanya Lokshina von "Human Rights Watch".

Tanya Lokshina von "Human Rights Watch".

Vyacheslav Nikonov am Sheremetyevo Flughafen von Moskau.

Der russische Anwalt Genri Reznik antwortet auf Fragen der Journalisten.

Passagiere stoppen vor dem im TV sprechenden Snowden.

Der Daten-Spion hat das weltweite Späh-Programm des US-Geheimdienstes NSA enttarnt – Milliarden angezapfte E-Mails, Spy-Abkommen mit Facebook und Google, abgehörte EU-Behörden und EU-Staatschefs.

„Russland hat kein großes Interesse daran, Snowden langfristig Asyl zu gewähren, wir wollen die wichtigen Beziehungen zu den USA nicht belasten“, sagt Putins Menschenrechts-Berater Michail Fedotow. „Aber in den USA droht Snowden die Todesstrafe, er ist ein Bürgerrechtler und deshalb wird ihm Russland aus humanitären Gründen vorübergehend Asyl gewähren.“ Fedotow weiter: „Präsident Putin wird persönlich über den Asylantrag entscheiden. Noch ist kein Asyl-Antrag von Snowden bei uns eingelangt.“

Snowden längst im Visier
In Wahrheit haben auch Russlands Agenten brennendes Interesse an den Geheimnissen von Snowden. Seit der Enthüller im Moskauer Flughafen Scheremetjewo gelandet ist, wird er vom russischen Geheimdienst überwacht und „betreut“.

Snowdens Strategie ist klar: Er will Asyl in Russland, damit er sich in Moskau frei bewegen und ohne Verhaftung aus Russland abfliegen kann. „Ich kann nicht ewig am Flughafen sitzen“, sagt er.

Sein vorläufiges Endziel sei Lateinamerika. Noch lieber wäre ihm aber Asyl in ­Europa: „Ich ersuche die EU-Staaten, mich zu unterstützen und mir Asyl in Europa zu gewähren“, bat er.

Am Samstag erhielt Snowden Unterstützung von allerhöchster Stelle: Die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay forderte „internationalen Schutz“ für den Enthüller. Die UNO-Kommissarin: „Wer Informationen über mögliche Verstöße gegen die Menschenrechte offenlegt, hat das Recht auf Asyl für Verfolgte. Weltweit.“
 

"Ich 
traf den Super-Spion in Moskau"

Erst 24 Stunden vor dem Meeting erfuhr Sergey Nikitin, der Chef von Amnesty International in Russland, dass er Ed Snowden im Moskauer Flughafen Scheremetjewo besuchen kann: „Ich bekam eine kurze Mail von WikiLeaks“, sagt Nikitin zu ÖSTERREICH, „das war’s.“ Kamera, Aufnahmegerät oder Handy durfte Nikitin nicht zum Treffen mitnehmen.

© AFP
Sergei Nikitin

(c) Sergei Nikitin vor dem Meeting mit Snowden am Moskauer Flughafen.

ÖSTERREICH: Wie lebt Snowden auf dem Flughafen?
Sergey Nikitin: Er sitzt in einem Sondertrakt des neuen Airports, das ist fast wie ein Hotel. Er hat ein eigenes Bad mit Dusche, Schlafzimmer, Aufenthaltsraum. Zu normalen Transitpassagieren hat er keinen Kontakt, er ist völlig abgeschirmt.

ÖSTERREICH: Wie wirkte Snowden auf Sie?
Nikitin: Angespannt, konzentriert, aber körperlich topfit. Er wirkt auffallend dünn, sieht aus wie ein Schulkind, seine Stimme ist aber stark und klar.

ÖSTERREICH: Sie haben 45 Minuten mit ihm gesprochen, warum hat er sich letztendlich für ein temporäres Asyl in Russland entschieden?
Nikitin: Weil er um sein Leben fürchtet. Er hat Angst vor Amerika und der Rache der NSA. Er fühlt sich nicht als Verräter, das hat er mehrmals betont. Trotzdem werde er von den USA vorverurteilt, das sei ein eklatanter Verstoß gegen Menschenrechte. Das Asyl in Russland soll ihn so lange schützen, bis die Frage seines Letztaufenthaltes geklärt sein wird. Sein Ziel ist Lateinamerika.

ÖSTERREICH: Westliche Geheimdienste vermuten, dass er längst alles an Russland verraten hat …
Nikitin: Das sind Lügen, sagt er. Alles, was es zu sagen gegeben hat, hat er via Medien kommuniziert. Es gibt keine weiteren Details, die er jetzt noch gesondert Russland verraten könnte.

ÖSTERREICH: Wo wird er sich in Zukunft aufhalten?
Nikitin: Er bleibt im Flug­hafen, bis seine Asylfrage gelöst ist.
 

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