Angriff auf Ost-Ghouta

In Syrien droht das nächste Aleppo

UNICEF prangert Angriffe auf Ost-Ghouta an: "Uns fehlen Worte"

Mit einer ungewöhnlichen Erklärung hat das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF die heftigen Angriffe auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghouta angeprangert. Die Organisation veröffentlichte am Dienstag eine weitgehend leere Mitteilung. Darin wird UNICEF-Regionaldirektor Geert Cappelaere mit einem einzigen Satz zitiert:
 
"Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, ihren Vätern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren lassen."
 

"Leere Mitteilung"

Am Ende heißt es dann in einer Fußnote: "Wir geben diese leere Mitteilung heraus. Wir haben nicht länger die Worte, um das Leiden der Kinder und unsere Empörung zu beschreiben. Haben diejenigen, die dieses Leiden verursachen, noch Worte, um ihre barbarischen Taten zu rechtfertigen?" Bei den Angriffen auf Ost-Ghouta sind Aktivisten zufolge in weniger als 48 Stunden fast 200 Zivilisten getötet worden. damit könnten die Angriffe des Assad-Regimes auf die eingekesselte Region Ost-Ghouta die schlimmsten in der Geschichte Syriens sein.
 
© Abdul Moyeen Homs/Anadolu Agency/Getty Images
In Syrien droht das nächste Aleppo
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Angesichts der humanitären Tragödie sind die Worte aus Russland eine Schande – Am Montag erst sagte der russische Außenminister Lawrow: „Die Erfahrungen mit der Befreiung von Aleppo-Stadt von Militanten könnte in Ost-Ghouta genutzt werden. Die Vereinbarung, unter der die Militanten die Stadt verließen, könnte in Ost-Ghuta wiederholt werden.“
 
© AFP PHOTO / ABDULMONAM EASSA
Ost-ghouta
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Die UNO verurteilten bereits 2017 die Belagerung der Stadt Aleppo als "Kriegsverbrechen" Russlands und des Assad-Regimes. 
 

Menschen suchen verzweifelt nach Verwandten

Allein am Montag wurden laut Aktivisten mehr als 120 Menschen bei den Angriffen von Assads Truppen getötet. Die kleine Farah war eine von ihnen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war es damit der blutigste Tag in der Region seit 2015. Am Dienstag gingen die Attacken weiter, wieder kamen dutzende Menschen ums Leben.
 
© AFP PHOTO / Hamza Al-Ajweh
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Verzweiflung, Trauer Angst: Was sich an diesem Tag in der Leichenhalle von Duma abspielt, steht für das ganze unermessliche Leid der Zivilisten in der Region Ost-Ghouta. Seit Sonntag sind sie das Ziel massiver Luftangriffe syrischer Regierungstruppen. Die Region steht seit Jahren unter Kontrolle von Rebellen, die Streitkräfte von Präsident Bashar al-Assad bereiten nun die Rückeroberung vor. Rund 400.000 Zivilisten sitzen hier fest. Sie sind eingekesselt.
 

Lebensmittel und Medikamente gehen wegen Blockade aus 

Wegen der Blockade mangelt es in Ost-Ghouta an Lebensmitteln und Medikamenten, viele Einwohner leiden an Hunger, gerade Kinder sind teils stark unterernährt. Die Rebellen kontrollieren die Einfuhr von Waren und erheben beim Verkauf einen Aufpreis. Auch wird ihnen vorgeworfen, Lebensmittel für den eigenen Bedarf abzuzweigen und ihre Anhänger bei der Verteilung der seltenen Hilfslieferungen zu bevorzugen.
 
© EPA/MOHAMMED BADRA
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Es ist fraglich, wie lange die Rebellen noch aushalten können. Ein Ausweg wäre, dass die Regierung den Rebellen den Abzug ihrer Kämpfer in andere Rebellengebiete wie Idlib zusagt. So wurden bereits mehrere Rebellenhochburgen bei Damaskus evakuiert. Es ist aber offen, ob alle Aufständischen einem Abzug zustimmen würden, zumal Idlib seit Wochen einer Offensive der Regierungstruppen ausgesetzt ist.


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