"Wasser marsch!" gegen den Super-GAU

Rettungsversuche in Fukushima

"Wasser marsch!" gegen den Super-GAU

Helikopter und Wasserwerfer sollen das Blatt noch wenden.

Das japanische Militär hat mit Wasser-Abwürfen aus der Luft und Spritzkanonen am Boden Block 3 am Katastrophen-AKW zu kühlen versucht. Der Betreiber Tepco wertete den Einsatz am Donnerstag als Erfolg, weil Wasserdampf aus dem überhitzten Meiler aufgestiegen sei. Man habe offenbar das Kühlbecken getroffen.

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Kernschmelze soll verhindert werden
Die Behörden gaben aber keine Entwarnung. Seit dem Erdbeben vom Freitag versuchen Einsatzkräfte verzweifelt, eine komplette Kernschmelze im AKW zu verhindern. Die Strahlung blieb hoch. An Block 4 könnten die nächsten zwei Tage entscheidend sein.

Über Block 2 in Fukushima stieg erneut Rauch auf. Dies zeigten Satellitenfotos, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Bei einer Explosion und einem schweren Brand war dort am Dienstag auch die innere Hülle des Reaktors (Containment) beschädigt worden. Das verschärfte die Gefahr durch diesen Block.

Diashow: So funktioniert der Heli-Einsatz

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So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz
So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz

Militärhubschrauber schütten Meereswasser über dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins in Japan aus. Die Brennstäbe in den beschädigten Reaktoren sollen damit gekühlt und eine Kernschmelze verhindert werden.

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So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz
So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz

Die Hubschrauber fliegen in 90 Meter Höhe über den Reaktor. Aus dieser Höhe ist die Trefferwahrscheinlichkeit noch hoch und die Strahlenbelastung relativ gering. Wegen der starken Radioaktivität dürfen die Piloten nicht über dem Kraftwerk kreisen.

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So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz
So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz

Japanische Soldaten dürfen laut Gesetz einer Strahlenbelastung von höchstens 100 Millisievert pro Stunde ausgesetzt sein. Am Mittwoch durfte nicht geflogen werden, da 250 Millisievert über dem Reaktor gemessen worden waren. Am Donnerstag sank die Belastung auf 87 Millisievert in einer Höhe von 90 Metern.

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So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz
So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz

Ein Einsatz soll nicht länger als 40 Minuten dauern, damit die Strahlenbelastung für die Einsatzkräfte nicht zu groß wird.

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So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz
So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz

Der Boden der Hubschrauber ist mit einer Bleiplatte verstärkt, um die Besatzung vor der Strahlung zu schützen. Pro Ladung können 7,5 Tonnen Wasser transportiert werden. Das Kühlbecken eines Reaktors fasst 2.000 Tonnen.

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So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz
So funktioniert der Heli-Rettungseinsatz

Das japanische Militär setzt zwei Transport-Helikopter des Typs Ch-47 Chinook vom US-Hersteller Boeing ein. Die Hubschrauber mit Tandem-Rotor transportieren normalerweise schwere Lasten für Militäreinsätze. Die Maschinen werden auch für Evakuierungen, Brandbekämpfung und Katastrophenhilfe eingesetzt.



Problem-Reaktoren 3 und 4
Große Sorge bereitet der AKW-Notbesatzung auch der Zustand des Meilers Nummer 4. Dort liegen die Kernbrennstäbe außerhalb der stählernen Schutzhülle offen in einem Abklingbecken, dessen Wasser verdampft.

"Am wichtigsten ist jetzt, große Wassermengen auf die Reaktorblöcke 3 und 4 zu schütten, vor allem um die Kühlbecken zu füllen", sagte Hidehiko Nishiyama, Sprecher der nationalen Agentur für Atomsicherheit der Agentur Kyodo.

Brennstäbe liegen frei
Die Brennelemente in Reaktor 3 enthalten hochgiftiges Plutonium und liegen teilweise frei. Die wichtige innere Reaktorhülle des Blocks 3 sei möglicherweise beschädigt, hatte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch berichtet. Später hieß es, die Hülle sei intakt. Die Angaben der Behörden sind seit Tagen oft widersprüchlich.

Wenigstens das Wetter spielt mit
Zumindest die Wettervorhersage sorgte für Erleichterung. Auch am Freitag soll der Wind von Fukushima in Richtung Osten wehen und damit giftige Strahlenpartikel auf den Pazifik hinaus tragen, meldete der Fernsehsender NHK. Die Millionen-Metropole Tokio - etwa 230 Kilometer davon entfernt - dürfte auch in den kommenden Tagen keine Strahlenwolken abbekommen.

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