Interview

Kurz zu Iran-Krieg: "Es ist positiv, dass Khamenei weg ist"

Ex-Kanzler Sebastian Kurz ist skeptisch, ob der Schlag gegen die iranische Führung alleine zu einem Regimewechsel führt.

Der frühere Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) macht Geschäfte in Israel und den Emiraten. Für oe24 bewertet er die Situation nach den US-israelischen Angriffen. 

Lesen Sie das Interview mit Sebastian Kurz;

oe24: Wie bewerten Sie den Angriff der USA und von Israel auf Iran? Warum ist das gerade jetzt passiert?

SEBASTIAN KURZ: Das iranische Regime hat seit Jahren eine rote Linie nach der anderen überschritten – Terrorismusfinanzierung, Raketenangriffe auf Nachbarstaaten, die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung. Dieses Regime hat Zehntausende Menschen gezielt bei Demonstrationen getötet – es ist ein grauenvolles Regime, das die Menschen im Iran seit Jahrzehnten brutal unterdrückt. Dazu kam die Tatsache, dass der Iran trotz aller internationalen Warnungen und Sanktionen nie aufgehört hat, heimlich Atomwaffen zu entwickeln – das war für Israel und die USA eine absolute Grenze. Irgendwann war klar, dass die westliche Welt und Israel nicht ewig zusehen können. Der Zeitpunkt hat wohl damit zu tun, dass die militärischen und politischen Voraussetzungen jetzt gegeben waren. Es war eine strategische Entscheidung, keine spontane.

oe24: Khamenei und andere Schlächter des Regimes sind tot. Kann so ein Enthauptungsschlag klappen? Was kommt danach?

KURZ: Eines ist klar: Dass Khamenei und andere Schlächter dieses Regimes weg sind, ist positiv – für den Iran, für die Region und für die Welt. Die Geschichte zeigt aber, dass solche Schläge allein selten ausreichen. Entscheidend ist, was danach passiert. Gibt es gemäßigte Kräfte im Iran, die jetzt die Initiative ergreifen können? Gibt es internationale Unterstützung für einen geordneten Übergang? Das sind die entscheidenden Fragen. Die Chance auf einen Neuanfang ist da – aber sie muss auch genutzt werden. Sonst entsteht ein Machtvakuum, das neue Probleme schafft.

oe24: Das iranische Regime greift jetzt u. a. Dubai an, das Sie gut kennen. Sind jetzt Status und Reichtum der Emirate gefährdet – und was hören Sie aus Dubai?

KURZ: Dubai und Abu Dhabi sind mit ihrer Offenheit und ihrer westlichen Orientierung natürlich ein Feindbild für diese Radikalen – das war schon immer so. Die Emirate sind über Jahrzehnte zu einem Symbol für Stabilität und wirtschaftlichen Erfolg in der Region geworden, und genau das ist diesen Kräften ein Dorn im Auge. Was ich höre, ist, dass man dort zwar die Lage sehr ernst nimmt, aber gleichzeitig ruhig und besonnen agiert. Die Emirate haben in den letzten Jahren massiv in ihre Sicherheitsarchitektur investiert. ich glaube, dass die Führung dort weiß, was sie tut.

oe24: Wie sieht es jetzt in Israel aus? Sie haben ja dort Unternehmungen.

KURZ: Wir sind mit unserem Unternehmen Dream, das mittlerweile über 250 Mitarbeiter hat, sehr stark in Israel verankert und ich stehe derzeit in engem Austausch mit unseren Geschäftspartnern und Mitarbeitern vor Ort. Dank des Iron Dome ist Israel grundsätzlich sehr sicher – und wir hoffen, dass das auch diesmal so funktioniert und Israel gut durch diese Phase kommt. Die Menschen dort sind resilient, und wir stehen fest an ihrer Seite.

oe24: Wann waren Sie zuletzt in der Region? Mussten Sie Reisen absagen?

KURZ: Ich war diese Woche noch in der Region – am Montag in Israel und die Folgetage in Abu Dhabi und Dubai. Ich bin erst Donnerstag zurückgekehrt und bin derzeit in Österreich. Reisen verschieben wir derzeit keine, aber wir schauen natürlich, wie schnell die Staaten in der Region zur Normalität zurückfinden können.​​​​​​​​​​​​​​​​

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