"Leid der Tiere macht uns sprachlos"

Österreicher im Inferno:

"Leid der Tiere macht uns sprachlos"

Eingeschlossen von Flammen auf einer Farm: Kerstin Pichler und ihr Freund Gregor Turecek.

Sydney. Sie sehen Zerstörung, Tragödien, unendliches Leid: „Die Menschen stehen vor dem Ruin. Wir sahen ganze Herden toter Rinder und Schafe, verkohlte Kängurus“, schildert Kerstin Pichler, Fotografin aus Fohnsdorf: „Das Leid der Tiere macht sprachlos.“

Mehr als eine Milliarde Tiere sind in den Flammen umgekommen, allein auf der Känguru-Insel 32.000 Schafe. 27 Menschen starben, zuletzt ein 60-jähriger Feuerwehrmann. Er wurde von einem brennenden Baum erschlagen.

Kerstin Pichler lebt mit ihrem Freund Gregor Turecek aus Wien auf der Ranch eines Freundes in Tumbarumba in New South Wales. Im Katastrophengebiet.

Atemschutz. Dreiviertel ihrer 63 Hektar großen Ranch sind verbrannt: „Eine Nachbarin hatte 45 Kühe, nur drei überlebten.“ Täglich dichter Rauch, Atemschutzmasken. Zwar ließ die mörderische Hitze nach: „Sie sank von 44 Grad auf 30“, sagt Pichler. Aber das Inferno ist nicht ­vorbei. An den Grenzen von New South Wales und Victoria vereinten sich drei Buschfeuer zu einem „Megabrand“. Warum Kerstin Pichler und ihr Freund trotz der immensen Gefahr bleiben: „Weil wir den Menschen helfen wollen“, sagen sie: „Es ist eine großartige, starke Gemeinschaft hier. Jeder hilft jedem. Bitte spendet.“

»Unbeschreiblich, das ist wie ein Apokalypse-Film«

ÖSTERREICH: Eure Ranch liegt zwischen Sydney und Melbourne, direkt im Kata­strophengebiet …

Kerstin Pichler: Es ist einfach unbeschreiblich. Dreiviertel der Ranch, auf der wir seit Oktober wohnen, sind verbrannt, vernichtet, nur das Haupthaus steht noch. Den ganzen Tag ist alles von Rauch eingenebelt – wie ein apokalyptischer Film, eine Katastrophe. Viele Menschen stehen vor dem Nichts. Es sind Häuser verbrannt, die Felder glühen, selbst die Wurzeln. Wir haben die Feuer nicht nur gesehen, wir haben sie auch gespürt, sie gehört. Immer wenn der Wind bläst, fängt wieder alles an zu brennen.

ÖSTERREICH: Angst?

Pichler: Nein, mein Freund und ich bleiben hier, um unseren Freunden zu helfen. Sie brauchen jede Unterstützung. Wenn das Feuer wieder in unsere Richtung dreht, flüchten wir auf Wiesen, die schon abgebrannt sind. Das, was hier passiert, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Wir haben tote Rinder, Schafe, verkohlte Kängurus gesehen. Das ist so heftig.

ÖSTERREICH: Wie kommentieren Sie das RTL-Dschungelcamp, in dem sich gerade Promis tummeln?

Pichler: Am besten wäre es wohl gewesen, das Ganze einfach abzublasen. Vielleicht könnten sie den Bekanntheitsgrad der Promis dazu nützen, um Spenden zu sammeln. Das bräuchten die Betroffenen in Australien mehr als alles andere.

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