Das sind die rechtsradikalen "Proud Boys"

Nach Trumps Skandal-Sager

Das sind die rechtsradikalen "Proud Boys"

Im ersten TV-Duell rief Trump die rechtsextreme Gruppierung auf, sich bereitzuhalten. Dieser Sager sorgte für viel Aufsehen, woraufhin der US-Präsident kurze Zeit später zurückruderte. Aber wer sind die "Proud Boys" eigentlich? Zuletzt sorgten sie mit Gewalt-Exzessen für Schlagzeilen.

US-Präsident Donald Trump ist nach seinem scharf kritisierten Aufruf an eine rechtsradikale Gruppe, sich "bereit zu halten", zurückgerudert. "Sie müssen sich zurückziehen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen", sagte Trump am Mittwoch in Washington. Zugleich beteuerte der Präsident, er kenne die gewaltbereite Gruppierung Proud Boys nicht, die er noch am Vorabend namentlich erwähnt hatte: "Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind."

Trump hatte sich am Dienstagabend beim TV-Duell mit seinem Wahl-Herausforderer Joe Biden direkt an die rechtsradikale Gruppe gewandt: "Proud Boys - haltet euch zurück und haltet euch bereit." Der Präsident reagierte damit auf die Frage des Moderators, ob er bereit sei, sich von rassistischen Gruppen zu distanzieren - und löste empörte Reaktionen unter anderem von Bürgerrechtsaktivisten aus. Wofür sich die Proud Boys (Deutsch etwa stolze Burschen) genau "bereit" halten sollten, ließ Trump offen.

Die am Dienstagabend geäußerten Worte ("stand back and stand by") sind auf Englisch sehr ähnlich zu dem Ausdruck, den Trump am Mittwoch verwendete ("stand down"), um rechte Gruppierungen aufzufordern, sich zurückzuziehen und die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen.

Das sind die "Proud Boys"

Aber wer sind diese "Proud Boys" eigentlich? Bei der rechtsextremen Gruppierung handelt es sich um einen Männerclub, der sich kurz vor den US-Wahlen 2016 gegründet hat. Sie sagten Donald Trump bereits damals ihre bedingungslose Unterstützung zu. Die "Proud Boys" beschreiben sich selbst als "westliche Chauvinisten, sie sich weigern, sich für die Schaffung der Welt zu entschuldigen". 2018 wurden sie vom FBI als "extremistische Gruppe" eingestuft. Laut "Forbes" sollen mittlerweile schon 20.000 Männer der Bewegung angehören.

Sie wollen sich bewusst von den "Rednecks" in den Südstaaten, den Hardlinern, abgrenzen. So will sich "Proud Boys"-Gründer Gavin McInnes selbst nicht als Rassist bezeichnen. Allerdings betont er immer wieder, dass er "bestimmte Verhaltensmuster bei Schwarzen" entdeckt haben will. Auch im Bezug auf den Islam will er von Abneigung nichts wissen. McInnes habe nichts gegen des Islam, sagt er und behauptet gleichzeitig, "dass in muslimischen Gemeinden ein überproportionales Maß an Intoleranz herrscht". Auch für Frauenrechte haben sie nichts über. Die "MeToo"-Bewegung taten sie als "Mikro-Aggressionen" ab.

Doch all die Beschwichtigungsversuche helfen eben im Hinblick auf ihre Taten nichts. Die Sozialen Netzwerke Facebook und Instagram sperrten aufgrund von diversen Hassbotschaften bereits die Seiten dieser Rechtsextremen. Zuletzt fielen sie immer wieder durch Gewalt-Exzesse auf politischen Veranstaltungen oder Kundgebungen auf. Am Rande von Anti-Rassismus-Demos verbündeten sich ihre Schlägertrupps mit anderen Neonazi-Gruppen und es kam daraufhin zu Ausschreitungen mit der Polizei und linken Demonstranten, darunter unter anderem die Antifa.



Trump hat es in den vergangenen Jahren immer wieder abgelehnt, sich klar von rassistischen Gruppierungen zu distanzieren. Am Mittwoch sagte der rechtspopulistische Präsident auf eine entsprechende Journalistenfrage, er habe immer "jede Form davon verurteilt". Er kritisierte dann aber umgehend wieder die Antifa, die er in den vergangenen Monaten regelmäßig für Gewalt am Rande der Black-Lives-Matter-Proteste verantwortlich gemacht hat.

Kritiker werfen Trump vor, vor der Präsidentschaftswahl am 3. November gezielt die Spannungen in dem Land zu schüren. Beobachter warnen vor möglicher Gewalt durch rechtsradikale bewaffnete Milizen, sollte der Amtsinhaber die Wahl verlieren und eine Niederlage nicht anerkennen. In Umfragen liegt Trump seit Monaten hinter seinem Herausforderer Biden von den oppositionellen Demokraten.
 

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