Wiedereingliederung

Petraeus will sich mit Taliban versöhnen

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Der Afghanistan-Kommandant kündigte eine entsprechende Strategie an. Uneinigkeit gibt es über den US-Truppenabzug.

Zwischen der US-Militärführung und dem Pentagon herrscht offenbar Uneinigkeit über den Termin für einen Abzug der Truppen aus Afghanistan. Während Verteidigungsminister Robert Gates am Montag auf den Juli 2011 als Datum für den Beginn des Abzugs pochte, sagte der Afghanistan-Kommandant der NATO, David Petraeus, der Termin sei flexibel.

Die neue Afghanistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama sieht den Beginn des Truppenabzugs für Juli 2011 vor. Petraeus sagte indes in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender NBC, der angekündigte Beginn des Rückzugs sei ein "Prozess und kein Ereignis" und zudem "an bestimmte Bedingungen gebunden". Er betrachte dieses Datum daher nicht als zwingend.

2.002 tote NATO-Soldaten seit 2001
Dagegen sagte Gates der "Los Angeles Times", niemand stelle den Beginn des Abzugs im Juli 2011 in Frage. Bereits im Frühjahr kommenden Jahres könne möglicherweise mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen begonnen werden. Diese könnten dann zunächst in "weniger gewaltsamen Gebieten" die Kontrolle übernehmen.

Nach Angaben der unabhängigen Website icasualties.org starben seit der US-geführten Invasion Ende 2001 insgesamt 2.002 NATO-Soldaten, darunter allein 1.226 US-Soldaten und 331 Soldaten des zweitgrößten Truppenstellers Großbritannien. Allein in diesem Jahr starben demnach bisher 434 Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF, im bisher blutigsten Jahr 2009 waren es insgesamt 521. Derzeit sind am Hindukusch mehr als 140.000 ausländische Soldaten im Einsatz.

Strategie zur Versöhnung mit Taliban
Petraeus kündigte auf NBC auch eine neue Strategie für die Versöhnung mit und Wiedereingliederung von Taliban an. Dieses stehe "unmittelbar bevor". Dagegen lehnte die ISAF ein Angebot der Taliban für eine gemeinsame Untersuchung zu zivilen Opfern ab. Die UNO hatte Aufständische für fast drei Viertel der getöteten und verletzten Zivilisten verantwortlich gemacht.

Ein ranghohes Mitglied der Extremistenorganisation Al-Kaida ist der NATO zufolge im Einsatzgebiet der deutschen Bundeswehr in Afghanistan getötet worden. Wie die NATO-geführte Schutztruppe ISAF am Montag mitteilte, soll Abu Bakir Selbstmordattentäter trainiert haben. Er sei am Wochenende in der nördlichen Provinz Kunduz bei einem Luftangriff getötet worden.

Liebespaar gesteinigt
Im Einsatzgebiet der Bundeswehr in der nordafghanischen Provinz Kunduz wurden eine 23 Jahre alte verlobte Frau und ein 28 Jahre alter verheirateter Mann gesteinigt, denen die Taliban eine außereheliche Affäre vorgeworfen hatten. Die beiden seien in dem von Taliban kontrollierten Dorf Mullah Kuli getötet worden, sagten der Gouverneur des Distrikts, Mohammed Ajob, und ein Dorfbewohner. Ein Talibanführer bestätigten die Steinigung.

Das islamische Recht der Scharia sieht die Todesstrafe für außereheliche Affären vor. Erst vor kurzem hatten die Taliban in der westafghanischen Provinz Badghis eine schwangere Witwe wegen angeblichen Ehebruchs erst öffentlich ausgepeitscht und dann erschossen.

Karzai will Sicherheitsfirmen auflösen
Afghanistans Präsident Hamid Karzai kündigte inzwischen an, die 52 im Land tätigen internationalen und afghanischen Sicherheitsfirmen binnen vier Monaten auflösen zu wollen. Karzai wollte noch am Montag ein entsprechendes Dekret unterschreiben, wie sein Sprecher in Kabul sagte.

Karzai hatte die Entscheidung bereits vor einer Woche angekündigt, ohne aber einen Zeitplan zu nennen. Etwa 40.000 Menschen arbeiten in Afghanistan für private Sicherheitsdienstleister. Oft arbeiten die Firmen auch mit den internationalen Truppen zusammen.

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