Sarkozy hat die politische Bühne nie ganz verlassen

Frankreich

Sarkozy hat die politische Bühne nie ganz verlassen

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Trotz vieler Justizaffären hat der 66-Jährige im rechten Lager noch Gewicht. 

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist eine politische Ausnahmeerscheinung in Frankreich. Der 66-Jährige hat zahlreiche Justizaffären am Hals, wurde soeben zum zweiten Mal zu einer Haftstrafe verurteilt und ist dennoch ein politisches Schwergewicht bei den Konservativen. Potenzielle Präsidentschaftskandidaten seines Lagers suchen seine Nähe.

Diverse Affären 

"Von mir wird man nichts mehr hören", hatte er nach seiner demütigenden Wahlniederlage 2012 gegen den Sozialisten François Hollande beleidigt verkündet. Aber der Abschied aus dem politischen Rampenlicht war nur von kurzer Dauer. Es begann die Zeit der juristischen Aufarbeitung diverser Affären aus seiner Amtszeit, in denen es unter anderem um illegale Finanzierung seiner beiden Wahlkämpfe ging.

Im Ausland und auf EU-Ebene ist Sarkozy vor allem als der hyperaktive Präsident in Erinnerung, der teils an den französischen Filmkomiker Louis de Funès erinnerte, und Kollegen mit seinen Vorschlägen zu einer Mittelmeerunion geradezu bedrängte.

Carla Bruni 

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit 2007 lieferte "Sarko", wie er von den Franzosen genannt wird, der Klatschpresse Futter mit seinem Urlaub auf der Jacht eines befreundeten Unternehmers und der Heirat mit dem französisch-italienischen Ex-Model Carla Bruni. Sarkozy war auch der erste Präsident Frankreichs, der im Amt Vater wurde.

Innenpolitisch setzte der frühere Anwalt eine Pensionsreform um und fuhr vor allem einen harten Kurs bei Einwanderungspolitik und innerer Sicherheit. Zudem war seine Amtszeit von der Finanzkrise 2008 geprägt, in der er trotz aller inhaltlichen Unterschiede ein solides Tandem mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel bildete, die er anfangs mit seinen Wangenküssen einigermaßen irritierte.

Elitehochschule ENA  

Anders als die meisten französischen Spitzenpolitiker hat Sarkozy nicht die Elitehochschule ENA besucht. Er stammte auch nicht aus einer der alteingesessenen bürgerlichen Familien, sondern ist Sohn eines ungarischen Einwanderers.

Seine politische Karriere begann mit seiner Wahl zum Bürgermeister des Pariser Nobel-Vorortes Neuilly, als er gerade einmal 28 Jahre alt war. Zehn Jahre später hatte er seinen ersten Ministerposten. 2007 setzte er sich bei der Präsidentschaftswahl gegen die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal durch.

Amtszeit

Im rechten Lager ist Sarkozy trotz seiner Probleme mit der Justiz noch immer ein gefragter Unterstützer und Berater. Wenn er seine Bücher signiert, stehen seine Fans Schlange. Sein Rückblick auf seine Amtszeit trägt den Titel "Die Zeit der Stürme": "Stürme liegen in meiner Natur und gehören zu meiner Identität", schreibt Sarkozy dort.

Auch nach dem jüngsten Urteil reagierten konservative Politiker mitfühlend. Es sei eine "schwere Prüfung", die er durchmachen müsse, meinte etwa der Fraktionschef im Senat, Gérard Lacher.

Berufung

Auch wenn Sarkozy gegen beide Urteile in Berufung geht, scheint es nun aber ausgeschlossen, dass er selber noch einmal für die Präsidentschaftswahl antritt - so wie es einige seiner Unterstützer wohl gehofft haben. Der Ex-Präsident hat sich bisher nicht hinter einen der potenziellen Kandidaten gestellt.

Manche rechnen damit, dass er sich am Ende sogar für den amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron aussprechen könnte. Dem hatte er kürzlich bescheinigt, in der U-Boot-Krise mit Australien und den USA mit der angemessenen Härte reagiert zu haben. Manche halten seine Einmischungen aber auch für unangemessen. Ein Abgeordneter meint: "Er will immer noch die Fäden ziehen. Aber diese Zeiten sind vorbei."
 

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