37 Tote

Tunesien: Schießerei in Touristenhotels

Die Stadt Sousse, im Osten des Landes, ist ein beliebter Urlaubsort.

Blutbad im tunesischen Urlaubsort Sousse: Auf einem Strand vor zwei Hotels hat ein Angreifer am Freitag mindestens 37 Menschen erschossen, darunter ausländische Touristen. Der Mann sei nach dem "Terroranschlag" selbst getötet worden, teilte das Innenministerium mit.



Nach Angaben von Sicherheitsstaatssekretär Rafik Chelly handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Studenten, der seine Waffe in einem Sonnenschirm versteckte.

Unter den Toten sollen sich Deutsche, Briten, Belgier und Tunesier befinden. Die Behörden in Dublin bestätigten indes den Tod einer Irin. Laut tunesischem Gesundheitsministerium wurden 36 Menschen verletzt. Einige schwebten in Lebensgefahr.

Es gebe keine Hinweise, dass sich Österreicher unter den Opfern des Terroranschlags befinden, sagte Weiss. Allerdings seien noch nicht alle Opfer identifiziert, schränkte er ein. Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich vier Österreicher in dem hauptbetroffenen Hotel Imperial Marhaba auf.

Nach Angaben des Marhaba-Hotels befanden sich 565 Gäste in der Fünf-Sterne-Anlage. Die meisten stammten demnach aus Großbritannien und "mitteleuropäischen Ländern". Das Hotel machte zunächst keine Angaben zur Nationalität der Opfer.

Panik unter den Touristen
Der Konditor des Hotels berichtete AFP, der Attentäter habe auf die Gäste am Strand und an den Pools gezielt. "Ich sah jemanden auf ältere Touristen schießen, sie sind tot", sagte er. Anschließend habe der Täter eine Handgranate am Pool geworfen. Eine AFP-Journalistin sah auf dem Hotelparkplatz zwei Leichen in Blutlachen sowie drei weitere Leichen am Rand des Pools.

Ein britischer Tourist, der sich am Strand eines Nachbarhotels befand, berichtete von "Panik" unter den Badegästen. "Plötzlich haben wir hundert Meter weiter links ein Geräusch wie von Böllern gehört", sagte Gary Pine. Die mehreren hundert Menschen am Strand hätten aber schnell begriffen, dass es sich um Schüsse handelte und seien geflohen.

Attentäter als Tourist verkleidet
Bei dem mutmaßlichen Attentäter handelt es sich Chelly zufolge um einen bisher nicht polizeibekannten Mann aus der Region von Kairouan, der vierten heiligen Stätte des Islams. Chelly sagte dem Radiosender Mosaique FM, der Attentäter habe ausgesehen, als sei er unterwegs zum Baden.

Frankreichs Präsident François Hollande und Tunesiens Staatschef Béji Caïd Essebsi sprachen sich ihre Solidarität "angesichts des Terrorismus'" aus. Nahe der ostfranzösischen Stadt Lyon hatte ebenfalls am Freitag ein Angreifer ein Gaslager attackiert. Am Anschlagsort wurde die Leiche eines enthaupteten Mannes gefunden. Auch in Kuwait gab es am Freitag einen Anschlag, bei dem 25 Menschen getötet wurden.

© EPA
Tunesien: Schießerei in Touristenhotels
× Tunesien: Schießerei in Touristenhotels

Die Hotelanlage in Sousse ist bei Touristen beliebt; EPA

Beliebter Badeort
Sousse ist einer der beliebtesten Badeorte in Tunesien und wird häufig von Urlaubern aus Europa und nordafrikanischen Nachbarländern besucht.

Anschlag auf Museum
Im März waren bei einem Anschlag auf das Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis mehr als 20 ausländische Touristen getötet worden. Die Islamisten-Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat, doch es finden sich auch Hinweise auf einen tunesischen Al-Kaida-Ableger. Es war der schwerste Anschlag in Tunesien seit mehr als einem Jahrzehnt.

Urlauber als Ziel von Terroristen 1/9
Mit Attacken auf ausländische Urlauber wollen Extremisten häufig dem Tourismus und der Wirtschaft eines Landes schaden. Einige Fälle aus Nordafrika:

Anders als in Ländern wie Libyen, Syrien oder Ägypten blieb es in Tunesien nach den Volksaufständen des "Arabischen Frühlings" lange Zeit ruhig. Allerdings gibt es mehrere islamistische Extremistengruppen in dem Land, etwa die Ansar al-Scharia. Im Nachbarland Libyen versucht zudem die IS-Miliz an Boden zu gewinnen. Nach Schätzungen der Behörden haben sich 3.000 Tunesier dem IS in Syrien oder dem Irak angeschlossen. Die tunesische Regierung ist in Sorge, dass Rückkehrer im Land Anschläge verüben könnten.



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