Militärexperte: Kampfjets entbehren "jeder Logik"

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Militärexperte: Kampfjets entbehren "jeder Logik"

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Wichtiger als polnische Jets wären Luftabwehrsysteme  

Die Debatte um die Lieferung von MiG-29-Kampfjets an die Ukraine entbehrt nach Ansicht des Militärexperten Franz-Stefan Gady "jeder militärischen Logik". Die Lieferung an die Ukraine sei "irrsinnig schwierig" und es sei auch "extrem gefährlich", auf eine direkte Konfrontation mit Russland zu gehen, so der Experte vom Londoner Internationalen Institut für Strategische Studien am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal. Wichtiger wären für die ukrainischen Streitkräfte Luftabwehrsysteme.

Die Flugzeuge hätten "geringen militärischen Wert", so Gady weiter. Die MiG-Kampfjets seien für den Luftkampf geeignet. Aber die letzten zwölf Tagen hätten gezeigt: "Hier finden nicht die großen Luftkämpfe statt". Über die Kampfkraft des russischen Militärs sagte Gady: "Die russische Armee ist eine gute zweite Halbzeit-Mannschaft - militär-historisch gesehen." Es habe so gut wie keinen Krieg gegeben, bei dem Russland am Anfang nicht Niederlagen hätte einstecken müssen bzw. es nicht nach Plan lief. "Die russischen Streitkräfte sind aber fähig, sich schnell zu adaptieren". Sie seien in den Krieg mit der Ukraine "komplett unvorbereitet" gegangen. Eine "kleine Clique" habe dies geplant und den Soldaten nur kurz vorher, teilweise nur wenige Stunden davor mitgeteilt.

Die Russen fürchteten den Kampf im urbanen Gelände, weil die Streitkräftestruktur nicht darauf konzipiert sei, ergänzte Gady. Der Experte erwartet, dass Russland nun mehr auf Artillerie, Mehrfachraketenwerfer und Luftangriffe setzen werde, um Städte zu bombardieren und Zivilsten zur Flucht zu zwingen. Auch humanitäre Korridore hätten diese militärischen Gründe. "Das Hauptziel der gesamten Operation bleibt Kiew", sagte Gady. Das zweite Ziel sei die Zerschlagung der militärischen Streitkräfte der Ukraine. Gady kann sich nach eigenen Angaben nicht vorstellen, dass Russland "jede einzelne Stadt" einnehmen wolle. Dazu hätte Moskau "nicht genug Mannstärke in der Ukraine".

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