Machtwechsel in Senegal

Wahlsieger Macky Sall verspricht "neue Ära"

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Nach 12 Jahren Präsidentschaft muss Abdoulaye Wade (85) seinen Hut nehmen.

Nach zwölf Jahren bekommt die westafrikanische Republik Senegal einen neuen Präsidenten. Ex-Premierminister Macky Sall (50) setzte sich am Sonntag in der Stichwahl gegen den langjährigen Amtsinhaber Abdoulaye Wade (85) durch. Gleich nach Bekanntwerden erster Ergebnisse hatte dieser seine Niederlage eingestanden und seinem Herausforderer zum Sieg gratuliert. International wurden der Verlauf der Abstimmung und der Sieg Salls begrüßt. Wahlsieger Sall erklärte, das senegalesische Volk sei der "wahre Sieger" der Wahl, mit der eine "neue Ära" beginne. Er werde "der Präsident aller Senegalesen sein."

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy gratulierte Sall und sagte, das westafrikanische Land sei "ein Modell der Demokratie". Er lobte auch die Reaktion Wades, der seine Niederlage mit Würde akzeptiert habe. Die ehemalige französische Kolonie war 1960 unabhängig geworden. In dem Land hat es noch keinen Putsch gegeben. Seit 1976 wird die Mehrparteiendemokratie praktiziert.

Amtseid am 1. April
Sall, der als Geologe in der Bergbauindustrie gearbeitet hatte, ehe er vor 19 Jahren in die Politik ging, wird der vierte Präsident Senegals nach Leopold Senghor, Abdou Diouf und Wade. Am 1. April wird er den Amtseid ablegen. Seine Frau Mareme ist die erste First Lady, die im Senegal geboren wurde. Wade und seine Amtsvorgänger waren mit Französinnen verheiratet, die später die senegalesische Staatsbürgerschaft annahmen.

In der ersten Runde Ende Februar hatte kein Kandidat die absolute Mehrheit erhalten. Sall war anschließend von den übrigen Oppositionskandidaten und dem Weltmusik-Star Youssou N'Dour unterstützt worden. Er hatte während des Wahlkampfs damit geworben, sich für mehr Jobs in ländlichen Gebieten und gegen steigende Lebensmittelpreise einsetzen zu wollen.

Wades Kandidatur war hingegen von Anfang an umstritten, da er nach zwei Amtszeiten laut Verfassung eigentlich nicht mehr antreten durfte. Das Oberste Gericht hatte aber ein juristisches Schlupfloch für den Präsidenten gefunden. Da er im April 2000 - ein Jahr vor der Verabschiedung der neuen Verfassung - das erste Mal zum Staatsoberhaupt gewählt worden war, wurde er erneut zur Wahl zugelassen. Der Wahlkampf wurde daraufhin von gewalttätigen Protesten überschattet, bei denen mehrere Menschen starben.

Für Unmut hatte außerdem im Vorfeld des Urnengangs die Nichtzulassung Youssou N'Dours gesorgt. Der populäre Musiker ("Seven Seconds") hatte angeblich zu wenig Unterstützerunterschriften gesammelt, um als Präsidentschaftkandidat antreten zu können. N'Dour kündigte ein Gratis-Konzert zu Ehren Salls in Dakar an.

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