Kernkraftwerk Tschernobyl

35 Jahre später

Tschernobyl: Droht eine neue Katastrophe?

35 Jahre liegt die Katastrophe in Tschernobyl zurück. Jetzt zeigen Messungen aber, dass es offenbar zu einer nuklearen Kettenreaktion kommt.  Ursache dafür könnte ausgerechnet die neue, gigantische Schutzhülle sein. 

Am 26. April 1986 geschah der Reaktorunfall von Tschernobyl. Die Zahl der Todesopfer der Atomkatastrophe wird auf 93.000 geschätzt. Jetzt werden allerdings beunruhigende Nachrichten aus dem Atomkraftwerk laut: Die Intensität der Neutronenstrahlen wächst. 

Nukleare Kettenreaktion 

Allem Anschein nach kommt es in einem nicht mehr zugänglichen Kellerraum des früheren Kernkraftwerkes zu einer nuklearen Kettenreaktion. Die guten Nachrichten: Die Reaktion geschieht bis dato auf sehr niedrigem Niveau. Wenn Uran gespaltet wird, werden Neutronen freigesetzt, die dann weiterhin Uranatomkerne spalten. In diesem Prozess ist grundsätzlich die Möglichkeit zu einem exponentiellen Wachstum angelegt. Und genau das passiert in einer Atombombe, bei der dann innerhalb kürzester Zeit sehr viele Urankerne gespalten und entsprechend große Mengen an Energie freigesetzt werden.

Dampfexplosion 

Diese Gefahr droht in Tschernobyl aber definitiv nicht. Das schlimmste denkbare Szenario wäre gleichwohl, dass es in dem besagten Kellerraum mit der Nummer „305/2“ zu einer Dampfexplosion kommt. Dadurch könnte die erst vor wenigen Jahren fertiggestellte Schutzhülle über der Reaktorruine zum Einsturz gebracht werden. Das wieder würde die Wahrscheinlichkeit für die Freisetzung radioaktiver Substanzen in die Umwelt dramatisch erhöhen.

Wenig bekannt 

Bislang ist erst recht wenig über die genaue Lage in Tschernobyl bekannt. Im Kernkraftwerk befinden sich immer noch viele Tonnen sogenannten Coriums. Das ist eine einzigartige Mixtur aus geschmolzen Brennstäben, Steuerstäben und Graphit. Damit es im Corium zu einer Kettenreaktion kommen kann, wird auf jeden Fall Wasser benötigt. Die bei der Kernspaltung von Uran freigesetzten Neutronen sind nämlich zu schnell, als dass sie vom nächsten Atomkern eingefangen werden können. Sie müssen zunächst auf sogenannten thermische Geschwindigkeiten abgebremst werden, bevor sie zur Stimulation weiterer Nuklearreaktionen taugen. 

Was passiert? 

Was geschehen wird, können bisher auch Experten nicht so genau sagen. Im ungünstigsten Fall könnte dadurch die Kettenreaktion so stark beschleunigt werden, dass durch die entstehende Wärme Wasser schlagartig verdampft. Eine solche Dampfexplosion wäre das schlimmste derzeit mögliche Szenario. Die Experten gehen allerdings davon aus, dass ein solches Unglück keinesfalls akut droht. Dafür sind die gemessenen Strahlungswerte nun doch zu klein.



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