Epochenwechsel

In Chile regieren wieder die Rechten

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Die letzten Jahrzehnte regierte in Santiago immer ein Mitte-Links-Bündnis. Jetzt siegten die Rechten.

Nach seinem Sieg bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Chile hat der rechtsgerichtete Milliardär Sebastián Piñera eine Regierung der Einheit angekündigt. "Wir werden eine Regierung der nationalen Einheit bilden, um die Mauern einzureißen, die uns spalten", sagte Piñera am Sonntag vor tausenden Anhängern, die sich auf einem Platz im Zentrum von Santiago versammelt hatten. Die Wahl der Chilenen für den historischen Richtungswechsel wertete der 60-Jährige als Zeichen für die "Reife der Demokratie" 20 Jahre nach dem Ende der Pinochet-Diktatur.

52 Prozent der Stimmen
Piñera erhielt bei der Stichwahl am Sonntag nach der Auszählung fast aller Stimmzettel knapp 52 Prozent der Stimmen, sein Rivale von der Mitte-Links-Koalition, Eduardo Frei, kam entsprechend auf gut 48 Prozent. Damit kommt die politische Rechte erstmals seit dem Ende der Pinochet-Diktatur wieder an die Macht in Chile. Frei gestand seine Niederlage ein.

Die amtierende chilenische Präsidentin Michelle Bachelet gratulierte dem konservativen Politiker zu seinem Sieg bei der Präsidentenwahl. "Die Menschen haben Sie demokratisch zum Präsidenten gewählt", sagte die Sozialistin in einem im Fernsehen übertragenen Anruf bei dem Milliardär. Der bisherige Oppositionsführer und gewählte Staatschef antwortete versöhnlich, er werde "den Rat und die Hilfe" Bachelets benötigen.

"Ihre Erfahrung der vergangenen vier (Amts-)Jahre werden sehr wichtig sein, um die guten Vorhaben ihrer Regierungszeit fortzuführen und selbstverständlich auch neue Herausforderungen zu meistern", fügte Pinera im Gespräch mit Bachelet hinzu. Die Staatschefin, die sich einer Popularität von mehr als 80 Prozent erfreut, betonte die Bedeutung der Kontinuität. "Ich hoffe, dass Chile den Weg zu Gerechtigkeit und sozialer Entwicklung fortsetzen wird", betonte sie.

Opposition zeigt sich kooperativ
Anschließend traten Pinera und Frei gemeinsam vor die Kameras und demonstrierten den Willen zur Einheit. Auch Frei gratulierte Pinera zum Wahlsieg und wünschte ihm allen Erfolg als Präsident. Der Wahlsieger antwortete, Chile brauche nicht nur eine gute Regierung, sondern auch eine gute Opposition. "Und ich bin mir sicher, dass die Opposition eine kooperative und konstruktive Rolle spielen wird", sagte der gewählte Staatschef. Chile sei jetzt mehr denn je auf Einigkeit angewiesen.

Auf den Straßen der Hauptstadt Santiago und zahlreicher anderer Städte des südamerikanischen Landes feierten Anhänger Pineras ihren Sieg.

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