Tschechischer Ex-Premier besteht Jus-Prüfung nicht

Prag

Tschechischer Ex-Premier besteht Jus-Prüfung nicht

Stanislav Gross muss weiter als Konzipient arbeiten. Der ehemalige Premier Tschechiens bestand nicht die Anwaltsprüfung. Umstritten ist auch seine Diplomarbeit: Sie umfasst nur 33 Seiten.

Der ehemalige tschechische sozialdemokratische Regierungschef Stanislav Gross (38), der 2005 wegen Korruptionsverdacht zurücktreten musste und seitdem in einem Prager Anwaltbüro als Konzipient tätig war, ist bei seiner Anwaltsprüfung gescheitert. Deswegen darf er zunächst nicht, wie geplant, seine eigene Anwaltskanzlei gründen, sondern muss weiterhin auf seinem bisherigen Posten arbeiten. Einen neuen Versuch kann er frühestens in einem halben Jahr unternehmen, berichteten die tschechischen Zeitungen am Mittwoch.

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Bei dem Examen fiel Gross in zwei von insgesamt fünf Bereichen durch: Beim Handelsrecht sowie beim bürgerlichen, Familien- und Arbeitsrecht. In den Bereichen des Verfassungsrechtes, des Strafrechtes und Verwaltungsrechtes konnte er die Prüfung absolvieren. "Ich respektiere das Ergebnis des Examens. Einige Fragen konnte ich einfach nicht beantworten", gestand Gross ein.

Probleme hatte Gross beispielsweise mit der Antwort auf die Frage, was die grundlegende Pflicht der Anwälte sei. "Die Vorschriften kennen?" und "Die Ethik einhalten?", antwortete er. Erst ein Mitglied der Kommission half ihm: "Die Schweigepflicht."

Diplomarbeit mit 33 Seiten
Gross, der Premier in den Jahren 2004-2005 gewesen war, ist seit Jahren umstritten, was seine Ausbildung angeht. Sein Jus-Studium hatte der einstige Eisenbahner mit Maturazeugnis extern in 90er Jahren an der Prager Karlsuniversität absolviert, als er bereits als Parlamentsabgeordneter und Funktionär der Sozialdemokratischen Partei (CSSD) war. 1999 schloss er dann das Studium mit einer Diplomarbeit ab, die nur 33 Seiten hatte und die - wie die Medien berichteten - "auffallend den Berichten der Tschechischen Nationalbank" ähnelte, die er als Politiker auf den Tisch bekommen hätte.

Umstritten war auch seine Deutsch-Abschlussprüfung. Er absolvierte sie zwar, allerdings wurde nirgendwo - nicht einmal in seinen offiziellen Lebensläufen - erwähnt, dass er über derartige Sprachkenntnisse verfügte.

Gross war 2005 als Premier und später auch als CSSD-Chef zum Rücktritt gezwungen worden, nachdem er wegen des Kaufs seiner Luxuswohnung in Prag unter starken Druck geraten war. Er konnte bis heute nicht glaubwürdig erläutern, woher er damals das Geld dafür genommen hatte.

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