Kritik am Newcomer

Wie schwarz ist Obama?

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Schafft Obama den Sprung ins Weiße Haus? Die Chancen stehen gut, doch Kritiker in den eigenen Reihen werfen ihm vor, kein "echter" Schwarzer zu sein.

Die Vorstellung beflügelt die Fantasie vieler US-Bürger, die auf einen politischen Wechsel hoffen: Könnte 2008 erstmals ein Politiker mit dunkler Hautfarbe zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden? Die Kommentatoren sind sich weit gehend einig: Wenn es überhaupt einen afroamerikanischen Politiker gibt, der das Zeug zu einem solchen Erfolg hätte, dann ist es der junge demokratische Hoffnungsträger Barack Obama. Das könnte als Triumph der schwarzen Bürgerrechtsbewegung angesehen werden. Allerdings stößt die Kandidaturabsicht des Senators bisher vor allem bei Afroamerikanern auf Skepsis. Manche zweifeln daran, dass Obama tatsächlich einer von ihnen ist.

Vorfahren Obamas waren keine Sklaven
"Obama hat einen anderen Hintergrund als die meisten schwarzen Amerikaner, die von Plantagen-Sklaven abstammen", urteilt der afroamerikanische Zeitungskolumnist Stanley Crouch. Barack Obama wurde 1961 in Hawaii als Sohn einer US-Bürgerin und eines Kenianers geboren, der als Student in die USA gekommen war. Für die von der Bürgerrechtsbewegung geprägten Afroamerikaner macht dies einen Unterschied: Obamas Vorfahren waren nie Opfer der grausamen Sklavenverschleppung von Afrika über den Atlantik hinweg nach Amerika geworden. "Obama ist nicht schwarz wie ich", resümiert Crouch.

Anders als viele dunkelhäutige US-Politiker hat sich Obama nie in erster Linie als Vorkämpfer gegen die Diskriminierung und für die Rechte der Afroamerikaner verstanden. "Er betont seine gemischte Herkunft, hat aber niemals laut für den Anspruch von Afroamerikanern auf gleichberechtigte Behandlung in dieser Gesellschaft getrommelt", sagt der Politikprofessor Ron Walters von der Universität von Maryland. Für die mehrheitlich weißen Wähler wird Obama dadurch freilich besonders attraktiv, weil sie ihn nicht als Ein-Themen-Politiker ansehen.

Umjubelte Tour durch New Hampshire
Der Senator hat keine Probleme, in mehrheitlich weißen Landstrichen scharenweise Anhänger zu seinen Veranstaltungen zu locken. Manchmal sieht es dabei fast so aus, als sei Obama dabei der einzige Dunkelhäutige im Saal - so etwa bei seiner umjubelten Tour durch den Neuenglandstaat New Hampshire im Dezember. "Von den Schwarzen bekommt er weniger enthusiastische Unterstützung als von den Weißen", sagt der afroamerikanische Radiotalkshow-Moderator George Wilson. "Viele haben das Gefühl: Wenn er so gut bei den Weißen ankommt, dann kann er nicht gut für uns sein."

Von den meisten anderen schwarzen Politikern in der Demokratischen Partei unterscheidet Obama, dass er keine Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung hat. Der bittere, letztlich aber erfolgreiche Kampf gegen die Rassendiskriminierung in den 50er und 60er Jahren ist für Demokraten wie den Bürgerrechtsveteranen Jesse Jackson immer noch einer der wichtigsten Bezugspunkte ihrer Politik. Jackson hatte sich 1984 und 1988 vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bemüht. Anders als Obama hatte Jackson betont, vor allem den schwarzen US-Bürgern Gehör verschaffen zu wollen.

Biografie eines Aufsteigers
Obama zählt sich zu der Generation, die vom Engagement der Bürgerrechtler aus vergangenen Jahrzehnten profitieren. "Ich verdanke ihm so viel", sagte er kürzlich über Jesse Jackson. Der Lebenslauf des Senators hat dementsprechend nicht viel mit seiner Hautfarbe zu tun. Es ist die Biografie eines Aufsteigers: erfolgreiches Jura-Studium an der Elite-Uni Harvard, dann eine eigene Professur, 2004 schließlich die Wahl in den US-Senat, und nun die Aussicht auf die Präsidentschaftskandidatur. "Er mag einige leichtere Formen rassistischer Vorurteile erlebt haben", schreibt Kolumnist Crouch in der "New York Daily Mail". "Aber das Leben eines schwarzen Amerikaners hat er nicht gelebt."

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