Österreich im Blickpunkt

Wien ist Schalt-Zentrale für Syrien-Frieden

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Chance auf Einigung: Wien bleibt die Schaltzentrale im Kampf um Syrien-Frieden.

Zum Ende der ersten Syrien-Konferenz in Wien zitierte Russlands Außenminister Sergei Lawrow „Terminator“ Arnold Schwarzenegger: „We’ll be back.“ Damit bestätigte er, dass Wien im Ringen um Frieden in Syrien zur zentralen Schaltstelle wird. Innerhalb der kommenden zwei Wochen soll abermals im Ringstraßenhotel Imperial darüber diskutiert werden, wie der blutige Konflikt in Syrien, der bisher 250.000 Tote gefordert und mindestens 11 Millionen in die Flucht getrieben hat, endlich beendet und die Terrormiliz ISIS zerrieben werden könnte.

18 Außenminister und kein Streit über Syrien-Frage18 Außenminister saßen in Wien am Tisch: neben Washingtons John Kerry und Russlands Lawrow auch die Chefdiplomaten aus Saudi-Arabien und dem Iran. Sieben Stunden lang wurde ohne große Differenzen diskutiert. Am Ende einigte man sich auf einen Mehr-Punkte-Plan zur Beendigung des blutigen Kriegs:

  • Ein von der UNO überwachter landesweiter Waffenstillstand muss her.
  • Der humanitäre Zugang zu den Kriegsregionen soll in ganz Syrien möglich sein.
  • Ziel des Prozesses sollen international überwachte freie Wahlen sein.

Keine Einigung über 
Syriens Diktator Assad

Drei zentrale Fragen blieben offen:

  • Die Zukunft von Syriens Assad ist umstritten. Die USA drängen auf Entmachtung, Russland und der Iran wollen das Schicksal Assads dem syrischen Volk überlassen.
  • Keine Einigung in der Frage, welche Gruppen als Terroristen einzustufen sind, wer als moderate Opposition gilt.

In einem Punkt herrscht aber Übereinstimmung: Der Krieg muss beendet werden. Mit militärischen Mitteln. Parallel zur Wien-Konferenz gaben die USA die Entsendung von Elite-Soldaten nach Syrien bekannt. Der Beginn einer Kooperation zwischen Moskau und Washington im Syrien-Krieg. Karl Wendl

 

Reportage: Es ist wie in Berlin nach dem 2. Weltkrieg

Hunderttausende220.000 Tote, vier Millionen ins Ausland geflohen, neun Millionen innerhalb Syriens auf der Flucht, das Land gedrittelt – das ist die- Bilanz nach fast fünf Jahren Krieg in Syrien. ISIS kontrolliert etwa die Hälfte des Landes. Die Hauptstadt und elf der 13 Provinzhauptstädte stehen unter der Kontrolle syrischer Regierungstruppen. Den Rest teilen sich sechs Rebellengruppen.

Reporter in Homs: Ruinen, eine Geisterstadt

Surreal. Jetzt ist der Krieg in eine neue Phase getreten. Russische Jets bombardieren. Ich bin in Homs, drittgrößte Stadt des Landes. Ein Ruinenfeld: zerbombte Häuserzüge, mit Schutt übersäte Straßen, geisterhafte Landschaft. Ich treffe Talal Barazi, Gouverneur der Provinz: „Im Grunde ist es wie in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Einiges von Homs wird wieder aufgebaut werden können, das Meiste muss aber abgerissen werden“, sagt er.“, sagt er.

Zwei Millionen lebten vor dem Krieg in diesem Gebiet. Fasst alle sind weg. Geflohen. Ein ganzer Landstrich entvölkert. Während in Damaskus und in den von der Regierung kontrollierten Zonen das Leben scheinbar normal funk­tioniert, leben die wenigen Menschen auf der entvölkerten anderen Seite wie in Geisterzonen. Ein surrealer Ort der Gegensätze.

WhatsApp und jeden Tag Gespräche via Skype als Kontakt zur Außenwelt mit Verwandten

 

Soziale Netzwerke. Elia Samman aus Homs erzählt: „Jeden Abend verbringen wir mindestens eine Stunde auf WhatsApp“, erzählt er. Von neun Familien aus seiner Nachbarschaft sind nur drei in Syrien geblieben. Der Rest ist auf der ganzen Welt verstreut: Schweden, Deutschland, Ägypten, am Golf.

Handy-App. Täglich wird mit den Verwandten via ­Skype gesprochen. Facebook und WhatsApp sind die letzte Hoffnung , dass der Kontakt nicht völlig abreißt. Es gibt sogar eine eigene Handy-App, sagt Elia, die am Display anzeigt, wo auf der Welt seine Verwandten gerade sind. Einer seiner Freunde, ein erfolgreicher Ingenieur, lebt jetzt in Belgien: „Er hat ein Traumhaus in Homs gebaut, lebte gerade 20 Tage darin. Dann brach der Krieg aus.“. Jetzt hausen in dem Traum -Haus Rebellen.

Radikale. Ähnlich wie in Homs die Situation in Aleppo, der frühreren Zwei-Millionen-Stadt. Die Altstadt ein Labyrinth aus verkohlten Schaufenstern, zerbombten Häusern, Dutzenden Frontlinien. Die Hälfte ist in der Hand islamistischer Rebellen. Nur ganz wenige Familien blieben hier, meist ultrakonservative. Einer davon ist Mahmoud Badawi: „Warum soll ich gehen? Aleppo ist mein Zuhause“, sagt er, während kontinuierlich Mörsergranaten und Raketen einschlagen.

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