Wirbel um russischen Kandidaten

Interpol-Präsidenten-Wahl

Wirbel um russischen Kandidaten

US-Senatoren warnten vor russischem Kandidaten Prokoptschuk. 

Kurz vor der Wahl eines neuen Leiters der internationalen Polizeiorganisation Interpol gibt es Streit um einen russischen Kandidaten. Moskau warf den Vereinigten Staaten am Dienstag vor, die Abstimmung beeinflussen zu wollen. "Die USA versuchen hier, sich in einen Wahlprozess einzumischen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. "Wie soll man das sonst nennen?"

'USA mischt sich in die Wahl ein'

Zuvor hatten mehrere US-Senatoren vor einer Wahl des russischen Kandidaten Alexander Prokoptschuk gewarnt. Sollte der 57-jährige Polizeigeneral an die Spitze des Exekutivkomitees treten, werde er die Organisation zugunsten der Kreml-Politik missbrauchen, hieß es in einem Brief an US-Präsident Donald Trump und die Interpol-Mitglieder. Prokoptschuk ist seit 2016 Vize-Präsident der Interpol.

Bisheriger Präsident in seiner Heimat festgenommen

Am Mittwoch wählen die Vertreter der Interpol-Mitgliedsländer bei ihrer Generalversammlung in Dubai ihren neuen Leiter. Der bisherige Präsident, der Chinese Meng Hongwei, wurde im September in seiner Heimat festgenommen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts ermittelt, "Bestechungsgelder angenommen" zu haben und in illegale Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Für den vakanten Chefposten steht auch ein Kandidat aus Südkorea zur Wahl.

Ukrainischer Innenminister: 'Ein Russe als Interpol-Leiter absurd'

Die russische Personalie hat auch in anderen Ländern Kritik ausgelöst. Die Ukraine drohte damit, die "Stilllegung ihrer Mitgliedschaft" in Betracht ziehen. Innenminister Arsen Awakow bezeichnete eine mögliche Leitung der Organisation durch einen Russen als absurd. Sie widerspräche "Geist und Zielen der Organisation".

Litauen's Parlament: Russe wäre schädlich

Auch Litauens Parlament nannte dessen mögliche Wahl "einen enormen Schaden für den Ruf der Organisation und das Vertrauen in deren rechtliche Neutralität". Die Abgeordneten drohten mit einem Austritt aus der 194 Staaten zählenden Polizeibehörde mit Sitz in Lyon.

Russisches Innenministerium spricht von Diskreditierungs-Kampagne der USA

Das russische Innenministerium nannte das Vorgehen der USA eine Kampagne, mit der nicht nur der Kandidat aus Moskau diskreditiert werde: "Darüber hinaus wird Interpol politisiert. Das ist unzulässig", sagte die Behördensprecherin Irina Wolk der Agentur Interfax.

73 Länder nehmen teil

Die Interpol-Mitglieder tagen seit Sonntag in dem Golfemirat Dubai. Dabei wurde unter anderem die Bewerbung des von Serbien abgespaltenen Kosovos um eine Mitgliedschaft abgewiesen. Sie verfehlte die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, wie die Organisation am Dienstag auf ihrer Internetseite bekannt gab. An der 87. Generalversammlung Interpols nehmen der Organisation zufolge knapp 1.000 Delegierte aus 173 Ländern teil.


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