Nach Lawinen-Drama

Zwei Österreicher festgenommen

Staatsanwalt will Zulassung prüfen - Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung.

Nach dem Lawinenunglück in den französischen Alpen mit drei Toten sind am Donnerstag zwei Österreicher festgenommen worden. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft in Gap hatten sich die beiden Männer als Bergführer bezeichnet. Es soll nun überprüft werden, ob sie nach der Gesetzeslage als solche tätig sein durften. Ermittelt wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

"Gängige Prozedur"
Der Präsident des Österreichischen Alpenvereins, Andreas Ermacora, meinte gegenüber der APA, es sei in Frankreich eine "gängige Prozedur", dass Personen bei einem Verdacht auf fahrlässige Tötung vorübergehend in Gewahrsam genommen werden können. Dies sei ihm auch von der Vertrauensanwältin der österreichischen Botschaft in Paris bestätigt worden.

Die beiden Bergführer - laut Alpenverein ein Tiroler und ein Steirer - würden derzeit noch vernommen. Die vorübergehende Festnahme dürfe nicht länger als 48 Stunden andauern. Dann müsse ein Richter im Falle des Falles über die Verhängung der U-Haft entscheiden, erklärte Ermacora. Er glaube aber nicht, dass diese verhängt werde, da sich der Verdacht auf ein Fahrlässigkeitsdelikt beziehe, so der im Zivilberuf als Rechtsanwalt tätige Alpenvereins-Präsident.

Den beiden Österreichern seien bereits Donnerstag früh zwei französische Rechtsanwälte zur Seite gestellt worden. Ermacora betonte, dass es sich bei den beiden Österreichern um erfahrene, staatlich geprüfte Berg- und Skiführer handle. Generalsekretär Robert Renzler sagte der APA, dass man sich vom Bergführerverband auch noch einmal die aufrechte Mitgliedschaft der beiden bestätigen lassen werde.

Unter den bei einem Lawinenunglück in den französischen Alpen getöteten Alpinisten befinden sich laut Angaben des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) ein Wiener, ein Salzburger und ein Südtiroler. Bei dem Schwerverletzten, der in einem Krankenhaus in Grenoble behandelt wurde, handelt es sich um einen Tiroler. Sein Zustand sei "sehr kritisch". Die anderen Mitglieder der elfköpfigen Gruppe, sechs Österreicher und ein Deutscher, kamen bei dem Abgang im Ecrins-Massiv mit dem Schrecken davon.



Österreicher im Krankenhaus
Starker Wind führte dazu, dass die Bergung der unverletzten Mitglieder der Skitouren-Gruppe aufgeschoben werden musste, erläuterte der Außenamtssprecher. Ein Mitarbeiter der österreichischen Botschaft in Paris machte sich auf den Weg ins Unglücksgebiet, um den Opfern beizustehen und die Rückführung zu koordinieren. Der schwer verletzte Österreicher wurde in Grenoble im Krankenhaus behandelt. Nähere Angaben zur Identität der Gruppenmitglieder lagen zunächst nicht vor.

Die Rettungskräfte hatten zunächst nach möglichen weiteren Opfern gesucht, zuvor war auch von drei Toten Österreicher berichtet worden. Die Rettungsarbeiten der Hochgebirgspolizei gestalteten sich insgesamt schwierig, weil der Wind am Unglücksort mit mehr als 80 km/h blies.

"Gute Verhältnisse"
Zum Unglückszeitpunkt haben laut Informationen des ÖAV "gute Verhältnisse" geherrscht. Das Wetter sei relativ schön und die Sichtverhältnisse seien gut gewesen, erklärte ÖAV-Präsident Andreas Ermacora.

Die Gruppe umfasste neun junge Alpinisten im Alter zwischen 20 und 25 Jahren sowie zwei staatlich geprüfte Bergführer aus Österreich. Sie nahmen an dem Alpenvereins-Projekt "Junge Alpinisten" teil. Im Zuge der mehrtägigen Tour sei geplant gewesen, das Ecrins-Massiv zu durchqueren. Die Gruppe war seit vergangenem Samstag unterwegs und hätte die Tour nach zwei weiteren Tagen abschließen sollen.

Unglück auf 3.350 Metern Höhe
"Gestern gegen 14.30 Uhr kam es zu dem schrecklichen Unglück", erklärte Ermacora unter Tränen. Auf rund 3.350 Metern Höhe nahe der Ecrins-Hütte am Col Emile Pic löste sich ein rund 80 Meter breites und 250 Meter langes Schneebrett und riss alle elf Gruppenmitglieder mit in die Tiefe. Sechs Teilnehmer wurden komplett, fünf teil verschüttet, schilderte der ÖAV-Präsident: "Teilweise konnten sich die Teilverschütteten selbst befreien, teils wurde ihnen von anderen Alpinisten geholfen, die sich in diesem Bereich befunden hatten". Hinter der Gruppe aus Österreich sei nämlich eine Gruppe aus Deutschland und eine aus Tschechien gewesen. "Und kurz zuvor ist eine deutsche Gruppe abgefahren, ohne dass etwas passiert ist", so Ermacora.

Die drei jungen Alpinisten verstarben noch an Ort und Stelle. Der schwerverletzte Tiroler wurde in die Klinik nach Grenoble geflogen. "Er lebt, sein Zustand ist aber sehr kritisch", sagte Ermacora. Die restlichen Gruppenmitglieder hatten die Nacht in der Ecris-Hütte verbracht und wurden Donnerstagvormittag mit Rettungshubschraubern nach Briancon ausgeflogen. "Sie werden jetzt von den Behörden einvernommen", erklärte Ermacora.





 



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