Servicepauschalen schlecht für Preistransparenz

Viel Kritik

Servicepauschalen schlecht für Preistransparenz

Jährliche Entgelte mit Namen wie "Internetservicepauschale" oder "SIM-Pauschale" in der Höhe von 15 bis 20 Euro verärgern immer mehr heimische Internet- und Mobilfunk-Kunden. Diese Gebühren sind rechtlich zulässig, stoßen aber der Telekom-Regulierungsbehörde RTR und der Arbeiterkammer (AK) in Aussendungen sauer auf. "Die Preistransparenz leidet darunter", so RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy. "Es gibt kaum Alternativen. Das sieht nach Preisabsprachen aus", sagt Manfred Neubauer von der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ).

Tarife immer komplexer
"Die Kunden werden dadurch mit immer komplexeren Tarifmodellen konfrontiert, ein Vergleich der Angebote wird immer schwieriger", so Serentschy. Der Betreiber müsse aber den Kunden jedenfalls "aktiv" informieren, eine Verschleierung im Kleingedruckten sei rechtlich nicht in Ordnung. "Wenn der Kunde die Pauschale nicht akzeptiert, raten wir, das Kündigungsrecht wahrzunehmen und zu einem Betreiber zu wechseln, der dieses Entgelt nicht einhebt", so Serentschy.

Es gibt kaum mehr Alternativen
Für die AK ist mit einer Kündigung das Problem der Internet-Bezieher aber nicht vorbei. "Dem Kunden bleiben mittlerweile kaum Alternativen übrig, ihren Anbieter zu wechseln", so Neubauer. Es sei bemerkenswert, dass die Anbieter die Internetpauschale nahezu zeitgleich und in ähnlicher Höhe einführen. "Das sieht nach Preisabsprachen aus. Das sollte die Bundeswettbewerbsbehörde unter die Lupe nehmen", so der Konsumentenschützer.

"Branchentrend"
"Wir folgen mit der Einführung einer Servicepauschale einem allgemeinen Branchentrend", so "3"-Unternehmenssprecherin Marietheres Paul zur APA. Die neue Gebühr werde nur bei Neukunden oder im Falle einer Vertragsverlängerung schlagend. Seit zwei Tagen gelte sie für diverse Handy- und Internettarife und werde transparent ausgewiesen. Diese Kunden hätten entgegen diversen Medienberichten "kein außerordentliches Kündigungsrecht", so Paul weiter.

Vonseiten der Provider wird die neue Gebühr als pauschale Abgeltung von Netzausbau und bis dato zahlungspflichtigen Services vermarktet. Leistungen wie eine Technik-Hotline, eine Wunschrufnummer, der Ersatz einer kaputten oder verlorenen SIM-Karte oder mehr E-Mail-Speicherplatz seien damit abgegolten.

Die AK kritisiert dieses Vorgehen: "Das sind meist einmalige Kosten. Die Servicepauschale wird aber jährlich fällig", so Neubauer.

Weitere Anbieter werden folgen
Auch Orange, eine Tochter der France Telekom, spielt mit dem Gedanken, eine "Servicepauschale" einzuführen. Den Verdacht, es könnte diesbezügliche Absprachen zwischen den österreichischen Mobilfunkbetreibern geben, weist Orange-Chef Michael Krammer vehement zurück. Man beobachte lediglich den Markt und reagiere auf die Mitbewerber. Als die Branche jahrelang und kontinuierlich die Preise gesenkt habe, habe niemand das Wort Absprachen in den Mund genommen, so Krammer. "Wir sind die einzige Branche, die in den letzten Jahren gnadenlosen Wettbewerb gelebt hat", sagte Krammer im Gespräch mit der APA. Die Mobilfunkpreise seien in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 8,6 Prozent pro Jahr gesunken. Gleichzeitig seien die Leistungen erweitert worden bzw. komplexer geworden. "Vor fünf Jahren gab es das Thema Smartphone noch nicht." Damals habe ein Kundenanruf etwa 2 Minuten gedauert, heute seien die technischen Fragen komplexer und ein Anruf dauere durchschnittlich fast vier Minuten.

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