Größte Handymesse der Welt gestartet

MWC 2010

© Samsung

Größte Handymesse der Welt gestartet

Wie berichtet trifft sich die Mobilfunkindustrie ab heute (Montag 15. Februar) inmitten einer kräftigen Erholung zu ihrem wichtigsten Branchentreffen, dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Nach dem Absatzrückgang in der Wirtschaftskrise können die Handy-Hersteller seit Ende 2009 wieder einen deutlich anziehenden Absatz vermelden. Im Mittelpunkt der viertägigen Konferenz stehen das mobile Internet, Geschäftsmodelle mit Software-Anwendungen und die neuesten High-Tech-Telefone. Unter anderem Microsoft-Chef Steve Ballmer und Google-Chef Eric Schmidt werden in Barcelona auftreten.

Windows Mobile 7
Eine erste Neuigkeit sickerte bereits vor Beginn der Konferenz durch. Laut US-Medienberichten will Microsoft sein seit langem erwartetes neues Handy-Betriebssystem Windows Mobile 7 in Barcelona vorstellen. Der weltgrößte Softwarekonzern, der mit Windows den PC-Markt dominiert, kam in den vergangenen Jahren im Mobilfunk kaum von der Stelle. Der Marktanteil von Windows Mobile stockt bei etwa zehn Prozent, während Rivalen wie Apple mit seinem iPhone oder der E-Mail-Dienst Blackberry vorbeizogen. Auch Google mit seiner Plattform Android gewinnt schnell an Gewicht.

In einer Abkehr von früheren Versionen von Windows Mobile solle die Bedienung der neuen Software an die von Microsofts Multimedia-Player Zune angelehnt sein, schrieb das "Wall Street Journal" am Wochenende unter Berufung auf informierte Personen. Microsoft habe diesmal auch versucht, den Herstellern der Geräte striktere Vorgaben zu machen, damit die Software auf den Telefonen besser läuft. Der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge will Microsoft von der Windows-Dominanz in der PC-Welt profitieren und das Synchronisieren von Inhalten zwischen verschiedenen Geräten erleichtern.

Außerdem arbeite Microsoft an einem mobilen Gerät mit dem Arbeitsnamen "Pink", das vor allem auf junge Nutzer ausgerichtet sein werde, berichtete die Zeitung weiter. Dieses Gerät solle jedoch noch nicht in Barcelona gezeigt werden.

Samsung Wave S8500
Der Branchenzweite Samsung präsentierte am Sonntag sein neues Flaggschiff S8500 "Wave" (Bild oben), das über eine neue Touchscreen-Technik (TouchWiz UI 3.0) verfügt und mit dem Betriebssystem Bada arbeitet. Das Unternehmen kündigte an, in diesem Jahr fünf bis sieben neue Modelle mit dem Bada-Betriebssystem anzubieten. In der TouchWiz-Version 3.0 kann ist der Home Screen individuell konfigurierbar. Selbst die Schnellzugriffs-Funktion für seine Lieblings-Apps sind völlig frie gestaltbar. Social Network-Apps für Facebook oder Twitter sind bereits vorinstalliert.

Das S8500 besitzt ein 3,3 Zoll großes AMOLED-Display (800 x 480 Px), welches über die Samsung Bildoptimierungstechnologie DNIe (Digial Natural Image engine) verfügt. Diese kam bisher nur bei den Flat-TVs von Samsung zum Einsatz. Dadurch sollen selbst die HD-Videos, welche man mit der internen 5 MP-Kamera (inkl. Blitz und Autofokus) drehen kann, in beeindruckender Qualität dargestellt werden. Von Multitouch war leider auf der Pressekonferenz nichts zu hören.

Zu den weiteren Highlights zählen Internetstandards wie HSPA und n-WLAN. Als erstes Smartphone überhaupt unterstützt das Wave sogar Bluetooth 3.0. Damit alle Funktionen problemlos laufen und auch Multitasking (mehrere Programme laufen gleichzeitig) möglich ist, rüstet Samsung das Smartphone mit einem leistungsstarken 1-GHz-Prozessor aus. Der interne Speicher ist je nach Ausführung 2 oder 8GB groß und via microSD-Karten auf bis zu 32 GB erweitert werden. Ein A-GPS-Empfänger ist natülich ebenfalls mit dabei.

Weitere Neuheiten folgen
Sony Ericsson, der Vierte im Markt, stellte drei neue Smartphonemodelle vor, die mit dem Betriebssystem Google Android beziehungsweise Symbian von Nokia arbeiten. Sony Ericsson hat sieben Quartale in Folge Verluste geschrieben und will so schnell wie möglich in die Gewinnzone zurückkehren.

Gute Aussichten, aber nicht überall
Der Absatz von Mobiltelefonen legte im letzten Vierteljahr 2009 laut Marktforschern um etwa acht Prozent zu - nach fünf Minus-Quartalen in Folge. Für das gesamte Jahr 2009 ergab sich daraus ein Rückgang von rund fünf Prozent - es war das erste Mal, dass der sonst stark wachsende Handy-Markt geschrumpft ist. Für dieses Jahr erwarten Experten wieder eine kräftige Erholung von rund zehn Prozent. Der Absatz von Smartphones - Handys mit Computerfunktionen - wuchsen auch in der Krise weiter. Inzwischen ist etwa jedes siebte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone.

Allerdings läuft das Geschäft in verschiedenen Bereichen der Mobilfunk-Industrie höchst unterschiedlich. Die Mobilfunk-Betreiber, auf die ein Großteil der Branchenerlöse entfällt, haben größere Sorgen als die Gerätebauer. Ihnen machen Preiskämpfe und der Druck der Regulierungsbehörden bei ihrer wichtigsten Einnahmequelle, den Gesprächsminuten, zu schaffen. Außerdem müssen sie ein immer höheres Datenvolumen schultern - während die Einnahmen durch Flatrate-Tarife nicht entsprechend steigen.

Die Ausrüster von Mobilfunk-Netzen wie Ericsson oder Nokia Siemens Networks hoffen auf ein gutes Geschäft bei der technischen Aufrüstung für die nächste Datenfunk-Generation LTE - stecken zunächst einmal aber in einem harten Preiswettbewerb mit aufstrebenden chinesischen Konkurrenten fest. Schließlich entstand in den vergangenen Jahren eine neue Schicht der Entwickler von Software für Mobiltelefone, sogenannter Apps, die immer bedeutender wird.

Ein wichtiger Player der Mobilfunkbranche fehlt in Barcelona auch in diesem Jahr: Der US-Konzern Apple, der mit seinem iPhone die Entwicklung der Branche massiv beeinflusste, bleibt Branchenveranstaltungen grundsätzlich fern.

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