Berührender Brief des Vergewaltigungs-Opfers

Wien-Praterstern

Berührender Brief des Vergewaltigungs-Opfers

Die 21-jährige Studentin hat im Ermittlungsverfahren kontradiktorisch ausgesagt. Die davon angefertigte DVD wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gerichtssaal abgespielt. Das Opfer der inkriminierten mehrfachen Vergewaltigung musste damit nicht mehr persönlich erscheinen und als Zeugin gegen ihre Peiniger aussagen. Sie ist mittlerweile wieder in ihre türkische Heimat zurückgekehrt.

Um ihr dennoch Präsenz zu verleihen, verlas ihre Rechtsvertreterin Sonja Aziz einen längeren Brief, den die junge Frau für die Verhandlung vorbereitet und ihr übermittelt hatte. "Manchmal gibt es Momente, wo ich gar nicht spüre, dass ich noch lebe", heißt es darin. Die 21-Jährige offenbart, nach wie vor "große Wut und Hass", vor allem aber "Ekel" zu verspüren: "Drei Monate konnte ich nicht in den Spiegel schauen. Ich fühle mich wie Restmüll. Ich erinnere mich an die Blicke dieser Männer."

"Ich habe niemandem etwas getan. Warum werde ich bestraft?", fragt sich die 21-Jährige. Weiters stellt sie fest: "Meine Lebensfreude ist dahin. Ich bin um Jahre gealtert." Zur Tat selbst hält die Betroffene fest: "Ich habe die Sekunden gezählt, bis es vorbei ist. Ich dachte, ich sterbe dort."

"Furchtbare Tat"

Verteidiger Marin Mahrer, der den 17 Jahre alten Angeklagten vertritt, sprach von einer "furchtbaren Tat" und entschuldigte sich namens seines Mandanten beim Opfer. In diesem Fall, "wo ganz klar die Schuld der Angeklagten vorliegt", bestehe seine Funktion darin, das rechtsstaatliche Verfahren zu sichern. Robert Pohle, der Rechtsbeistand der beiden anderen Angeklagten, bezeichnete den Brief der 21-Jährigen als "sehr berührend". Er sei "eine wichtige Botschaft. Sinnvoll wird diese Botschaft, wenn sie bei den Angeklagten ankommt."

Diese Anregung griff Richter Norbert Gerstberger umgehend auf. Er ließ die eineinhalb Seiten, die die 21-Jährige zu Papier gebracht hatte, von der Dolmetscherin auf Farsi übersetzen. Die afghanischen Asylwerber, die 2015 nach Österreich gekommen waren - einer von ihnen war von seiner Mutter mangels wirtschaftlicher Perspektiven nach Europa geschickt worden, um hier um Asyl anzusuchen und später eine Familienzusammenführung zu bewirken - verharrten stumm auf der Anklagebank, als sie in ihrer Muttersprache zu hören bekamen, was ihr Opfer zu sagen hatte.

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