Cain (3): Die Straf-Akte seines 
Killers

Behörden-Skandal

© privat, SID

Cain (3): Die Straf-Akte seines 
Killers

Er kam bei der Flucht gerade einmal 60 Kilometer weit – bis nach Herisau in der Schweiz, wo Österreichs meistgesuchter Täter jetzt in Haft sitzt. Während die heimischen Ermittler mit einer Auslieferung binnen einer Woche rechnen, könnte Miloslav Maletic (es gilt die Unschuldsvermutung) die Überstellung durch Einsprüche maximal drei Monate verzögern.

Fakt ist: Der hagere Serbe hat mit Polizei und Jugendamt schon des Öfteren einschlägige Bekanntschaft gemacht. Und: Die Behörden mussten gestern erstmals Fehler eingestehen.

Vorstrafen
Die Polizei musste zugeben, dass der Mann, der Cain erschlagen haben soll, eine Vorstrafe wegen Gewaltdelikten und Suchgiftkonsums hat.

Polizeibekannt
Im Internet tauchten Fotos auf, die den mutmaßlichen Mörder mit Polizisten am Balkon zeigen – im August 2010. Noch vor zwei Tagen wollten die Behörden erst nach dem Mord erstmals in der Tatwohnung gewesen sein.

In Psychoklinik
Eine Bekannte berichtet, dass „Mile“ oder „Miki“ (wie Miloslav auch genannt wird) in Meiningen in Deutschland in einer psychiatrischen Anstalt saß und auf Entzug war: „Der war immer schon auf Drogen. Schon seine Stimme verriet alles.“

Waffenverbot
Nach wüsten Drohungen gegen seine Mutter wurde gegen den Mann ein Betretungsverbot für sein Elternhaus ausgesprochen. Zudem galt für ihn ein Waffenverbot.

Mysteriöser Unfall
Von ÖSTERREICH enthüllt: Maletic hatte in Serbien einen schweren Autounfall. Zwei Insassen starben, er saß am Steuer, hat seitdem keinen Führerschein mehr – trotzdem fuhr er jedes Wochenende in die Schweiz in die Disco.

Frührentner
Auch der Pensionsversicherung tanzte er auf der Nase herum. Seit dem Unfall trägt Maletic Narben im Gesicht – unser Sozialsystem konnte er daraufhin von seiner Arbeitsunfähigkeit überzeugen. Offizielle Begründung: Depressionen. Tatsächlich fand sich ein Beamter, der ihn mit knapp über 20 zum Frühpensionisten „adelte“.

Kinder weinten bei Oma
Vor einem halben Jahr trat Maletic ins Leben von Aleksandra N. und ihren Kindern. Bald nach dem Kennenlernen flüchtete Emilian (6) vor dem prügelnden „Stiefvater“ aufs Dach. Die Polizei wird alarmiert – man unterhält sich mit dem Schläger am Balkon (da entstanden die Fotos). Unternommen wird nichts. Die Oma sagt: „Wenn Cain und Emilian bei uns waren und zurückmussten, weinten sie.“ Sie hatten Todesangst.

Keiner reagierte
Als Freundinnen von Aleksandra im August das Jugendamt wiederholt auf die Gefährlichkeit des neuen Lovers aufmerksam machen, unternimmt keiner etwas. Werner Grabher von der Jugendwohlfahrt: „Kann sein, dass wir früher aktiv werden hätten sollen …“

Onkel will Rache für toten Cain

Der brutale Mord am kleinen Cain: Auf Facebook mischt sich in die Trauer unüberhörbare Wut – auch der Familie des Opfers.

User aus ganz Europa trauern im Internet über den Tod des Buben in Bregenz. Hunderte sind auf Facebook der Gruppe „In Gedenken an den kleinen Cain“ beigetreten. „Wenn Engel einsam sind“, steht da zu lesen, oder „Cain, du hattest nie eine Chance, glücklich zu sein“. Schon am Dienstag gab es eine zwei Stunden lange „Schweigeminute“ für den Buben.

Enge Freunde, Onkel und Tanten, aber auch Unbeteiligte haben über die Internetplattform eine Mahnwache organisiert: Schon mehr als 300 haben zugesagt, morgen, Freitag, auf der Mole im Hafen in Bregenz Kerzen zu entzünden und gemeinsam um Cain zu trauern.

Harte Strafen
Doch nicht alle gedenken – viele sind aufgebracht, wollen Rache, fordern Vergeltung: Auf Facebook haben sich Dutzende Gruppen gebildet, die auf der Pinnwand härter als die Justiz mit dem mutmaßlichen Täter ins Gericht gehen. Massive Schimpfworte sind zu lesen, auch unverhohlene Drohungen mit Mord.

Auch die weitverzweigte Familie schwört Rache. Ein Onkel von Cain deutet an: „Lasst mich zu ihm in die Zelle …“ Andere schreiben von Steinigung, Aufknüpfen. Und, dass lebenslang in diesem Fall einmal wirklich lebenslang bedeuten muss – und nicht 20 Jahre, die nur zu Hälfte abgebüßt werden.

Aber auch Mutter Aleksandra wird nicht in Schutz genommen. Sie ließ Cain beim brutalen Stiefvater, ging in die Disco nach Dornbirn als Kellnerin arbeiten – obwohl sie von den Misshandlungen gewusst haben muss.

Sie wurde gestern erstmals von der Polizei befragt. Ihr drohen zehn Jahre Haft wegen Verletzung der Obsorgepflicht. Das Internet hat das Urteil schon gefällt.

Autor: (kor, prj)
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