Bub erschlagen - Deshalb musste Cain sterben

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Bub erschlagen - Deshalb musste Cain sterben

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Der 25-jährige konnte in Herisau in der Schweiz festgenommen werden.

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Die Staatsanwaltschaft Feldkirch hat am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen die Mutter des zu Tode geprügelten Dreijährigen eingeleitet. "Aufgrund des Obduktionsergebnisses besteht der Verdacht, dass die Mutter ihre Fürsorge- und Obhutpflichten gröblich vernachlässigt hat", erklärte Behördensprecher Heinz Rusch. Die Erhebungen werden vom Landeskriminalamt geführt, bisher war die Frau aber nicht vernehmungsfähig.

Kinderarzt untersuchte Cain im Dezember
Wie die Erhebungen der Kriminalpolizei ergaben, hatten die Mutter des getöteten Buben und der 25-Jährige seit rund zwei Monaten eine Lebensgemeinschaft. Über welchen Zeitraum hinweg der Dreijährige und sein sechsjähriger Bruder Schläge ertragen mussten, lasse sich aber nicht genau eingrenzen, so Schwendinger. Nach Angaben von Primar Christian Huemer vom LKH Bregenz wurde der Dreijährige noch im Dezember von einem Kinderarzt untersucht. Dabei sei nichts Auffälliges entdeckt worden.

Totgeprügelt

Der Dreijährige war am Samstagabend in Bregenz tot aufgefunden worden, nachdem der mutmaßliche Täter gegen 19.20 Uhr den Notruf verständigt hatte. Rettungssanitäter versuchten vergeblich, das Kind zu reanimieren. Wie die Obduktion ergab, ist der Bub zu Tode geprügelt worden. Die Mutter war zur Tatzeit außer Haus. Der Jugendwohlfahrt war die Familie bekannt, allerdings in erster Linie wegen Unterhaltsangelegenheiten. Einen Hinweis auf eine Misshandlung hat es laut der Behörde nicht gegeben.

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Der kleine Cain ist tot. Erschlagen vom Freund der Mutter. Er wurde nur drei Jahre alt.

Die Obduktion gestern ergab: Tod durch "sehr massive stumpfmechanische Gewalteinwirkung". "Wir gehen davon aus, dass ein Gegenstand verwendet wurde", sagt Chefermittler Norbert Schwendinger. "Das Kind wurde durch Schläge schwerst misshandelt und ist an diesen Verletzungen verstorben." Auch sein sechsjähriger Bruder, der ebenfalls untersucht wurde, musste Torturen über sich ergehen lassen.

Und wieder fragen sich alle: Wie kann so etwas passieren? Und: Warum haben wieder alle weggesehen?

Keiner will schuld sein
Jugendamt, Kindergarten und Polizei – keiner will schuld sein. "Wir hatten keine Hinweise auf Misshandlung", sagt Werner Grabher von der Jugendwohlfahrt Bregenz. Aber: Seit 2005 hatten die Behörden nach Hinweisen auf Gewalt mehrfach Kontakt zur Familie.

Das erinnert an den "Fall Luca". Der Bub starb 2007 als Einjähriger nach Misshandlungen. Auch damals schoben einander die Behörden den Schwarzen Peter zu.

Bis er tot war … Fest steht: Der 25-jährige mutmaßliche Kindsmörders Miloslav Maletic (es gilt die Unschuldsvermutung) hat seine Freundin Aleksandra (25) und Emilian (6) und Cain (3) regelmäßig verprügelt. Samstag schlug er so lange auf Cain ein, bis er tot war.

Jugendamt hatte mehrere Male Kontakt zur Familie
Das Protokoll: Um 19.20 Uhr meldet sich ein Mann bei der Rettungsleitstelle Bregenz: "Ein Kind ist über die Stiegen gestürzt", sagt er. "Er atmet nicht mehr." Später stellte sich heraus: Maletic selbst war am Apparat.

Sanitäter und Polizei eilen zur Wohnung. Verschreckt öffnet Emilian dem Sanitäter die Tür, Cain liegt regungslos am Boden: tot. Der Täter spricht kurz mit dem Sanitäter, flüchtet dann mit dem blauen Honda-Geländewagen der Freundin – ohne Führerschein. Die Polizei vermutet ihn in der Schweiz. Da hat er Freunde.

Fakt ist: Die Behörden wussten von Problemen – und das schon seit Jahren:

  • 2005 äußern Nachbarn erstmals den Verdacht auf Gewalt. Der Mutter (lebte da noch in einer anderen Beziehung) wird ambulante Unterstützung angeboten. Nichts passiert.
  • 2007: Der Ex-Mann zahlt Mutter Aleksandra keine Alimente. Die Behörden vertreten die Mutter, es gibt regelmäßige Telefonate.
  • Juli 2010: Zwei Nachbarn zeigen die Familie an (Aleksandra ist nun mit Maletic liiert): Verletzung der Aufsichtspflicht. Emilian klettert vom Balkon aufs Dach (zehn Meter über der Erde). Wieder geschieht nichts.
  • August 2010: Nachbarn melden den Behörden: Aleksandra ist mit einem Mann aus der Drogenszene zusammen. Maletic prahlt sogar mit der Gewalt an den Kindern (s. re.). Wieder nichts.

Aus dem Bregenzer Kindergarten, den Emilian besucht, heißt es: "Der Bub hat nie über Schläge geklagt." Seltsam, zumal die Obduktion gestern ergab: Es gibt auch viele alte Verletzungen. Bei Cain und Emilian.

Die Polizei: "Der Täter ist vorbestraft und als Schläger bekannt, es gab nie Hinweise auf häusliche Gewalt."

Erst jetzt taucht die Behörde erstmals bei Cains Familie auf – um den toten Buben aus der Wohnung zu tragen.

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