Das Südbahn-Debakel

Schwierige Bergung

Das Südbahn-Debakel

NÖ/Stmk. Dienstag, Punkt 8.45 Uhr schiebt sich der ­Güterzug mit der Nummer 42322 mit zahlreichen Waggons zwischen Breitenstein und Klamm-Schottwien am Semmering in Richtung Steiermark bergaufwärts. Um die Last der vielen Waggons zu bewältigen, wird er vorne von einer Lok gezogen, hinten von einer Lok geschoben.

2. Zug. Im Blockabstand fährt hinter ihm noch ein Güterzug (Nummer 43601), der von einer Lok gezogen wird. Dann der folgenschwere ­Zwischenfall. ÖBB-Sprecher Christopher Seif (siehe Interview): „Beim vorderen Zug kam es zu einer Zugtrennung.“ Automatisch wurde eine Zwangsbremsung ein­geleitet. Der Lokführer des hinteren Zugs stoppt seinen Gütertransport ebenfalls.

Zweiter Güterzug machte sich plötzlich selbständig

Damit Einsatzkräfte zum vorderen Zug gelangen können, muss der hintere Zug aus dem Gefahrenbereich geschafft werden. Dazu wird eine weitere Lok aus dem Bahnhof Breitenstein angefordert. Ein Lokführer macht sich sofort auf den Weg. Doch plötzlich macht sich der hintere Güterzug aus unbekannter Ursache selbstständig, rollt 1,1 Kilometer bergab, schießt im Polleroswandtunnel mit voller Wucht die entgegenkommende Lok ab.

Böser Verdacht: Ursache sollte vertuscht werden

Beide Lokführer werden nur leicht verletzt, erleiden aber einen schweren Schock, können bislang nicht einvernommen werden. Im Tunnel selbst herrscht Chaos. Waggons liegen kreuz und quer herum, Gleise und Oberleitungen sind zerstört. Gerüchte tauchen auf, dass das eigentliche Ausmaß der Katastrophe verschwiegen werden soll. Seif: „Es wäre unseriös gewesen, hier mehr bekannt zu geben. Wir konnten das Ausmaß zu dem Zeitpunkt nicht abschätzen.“ Die Aufräumarbeiten selbst sind eine Herausforderung, liegt die Unfallstelle im Tunnel genau zwischen zwei hohen Viadukten, wo keine Zufahrt möglich ist.

Der Schaden beträgt 
wohl 5 Millionen Euro

Drei Wochen lang ist die Südbahn gesperrt, der Schaden kann noch nicht genau beziffert werden, könnte aber mehrere Millionen Euro betragen. Zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag fahren nun Busse, ebenso für den Nahverkehr zwischen Payerbach-Reichenau und dem Semmering.

ÖSTERREICH: Wie hat es zu dem Unglück kommen können?

christopher SEIF: Wir sind selbst noch beim Abklären. Eine Zugtrennung kann vorkommen, wird im Regelfall auch schnell behoben. Warum sich der zweite Güterzug selbstständig machte, wissen wir derzeit noch nicht. Aber wir können von Glück reden, dass es sich um keine Personenzüge gehandelt hat. Ein Sachschaden kann ersetzt werden.

ÖSTERREICH: Es tauchten Gerüchte auf, dass das Ausmaß verschwiegen werden sollte.

SEIF: Davon habe ich gehört. Es ist komplett haltlos. Wir wollten uns erst ein genaueres Bild machen, bevor wir darüber sprechen. Alles andere wäre Spekulation gewesen.

ÖSTERREICH: Kann es sein, dass der Lokführer des hinteren Güterzugs selbst bergab gefahren ist und so das Unglück ausgelöst hat?

SEIF: Davon ist nicht auszugehen. Doch er steht unter Schock, konnte noch nicht einvernommen werden.

ÖSTERREICH: Drei Wochen Südbahn-Sperre, Schienen­ersatzverkehr, Chaos im Tunnel. Ein Millionenschaden?

Seif: Mit Sicherheit. Aber wie hoch, können wir noch nicht beziffern.

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