Flammen-Inferno war Selbstmord Flammen-Inferno war Selbstmord

Zwei Tote

© TT.com/Jan Hetfleisch

 

Flammen-Inferno war Selbstmord

Es hätte ein fürchterliches Massaker werden können. Vermutlich wollte der 24-jährige Eric E. das auch: Dienstagnachmittag rast er mit seinem BMW auf der Brennerautobahn in Richtung Italien. Auf Höhe von Matrei am Brenner reißt er seinen schweren Wagen plötzlich nach rechts, schießt zuerst auf die Zufahrt einer Agip-Tankstelle zu. Anstatt die Geschwindigkeit zu verringern, gibt der junge Mann aber weiter Vollgas. Donnert mit jaulendem Motor direkt auf die Zapfsäulen-Reihen zu, an der gerade drei japanische Touristen tanken und vor ihrem Mietwagen stehen.

Selbstmord-Attentat
Eric E., der zuletzt in Saalbach in Salzburg gewohnt und gelegentlich als Kellner in in einer Snowboard-Akademie gejobbt hat, will das Inferno. Er hat mit dem Leben längst abgeschlossen, sucht den spektakulären Selbstmord in der Nähe der Europabrücke. In seiner ohnmächtigen Verzweiflung will er vermutlich auch andere mitnehmen.

Der junge Schwede kam vor Jahren nach Österreich. Seine Leidenschaft ist das Snowboarden. Eric gilt als offen, lustig, kommunikativ. Er jobbt als Kellner, manchmal auch als Snowboard-Lehrer, lebt größtenteils von einer kleinen Erbschaft. Er raucht Cannabis. Gilt in Saalbach „als durchgeknallter Schwede“, verliebt sich in eine Tirolerin aus dem Wipptal.

Seit Jahren krank
Was die wenigsten wissen. Seit 1999 laboriert er an einer chronischen Rückenmarksentzündung. Außerdem leidet Eric seit längerer Zeit an schwersten Depressionen, ist drogenkrank: „Er war auch wegen psychischer Probleme in der Salzburger Doppler-Klinik in stationärer Behandlung“, sagt Oberst Gerhard Holzknecht, Sprecher der Landesverkehrsabteilung Tirol zu ÖSTERREICH: „Eric E. raste in eindeutiger Selbstmordabsicht auf die Tankstelle zu“, sagt der Polizei-Oberst.

Bis vor dreieinhalb Wochen war der 24-Jährige als Patient in der Nervenklinik in Salzburg. Professor Christoph Stuppäck hat ihn behandelt (siehe Interview unten). Eingeliefert wurde der Schwede wegen eines völlig absurden Delikts: Er fuhr Ende Mai kilometerweit im Rückwärtsgang über die Pinzgauer Bundesstraße. Dabei warf er Steine aus dem Fenster, sang lauthals. Andere Autofahrer riefen die Polizei. Der Amtsarzt schickte ihn in die Psychiatrie: „Ich habe ihn behandelt, er machte einen netten, aufgeräumten Eindruck auf mich“, sagt Psychi­ater Stuppäck: „Die Autofahrt erklärte er als verrückte Spontanhandlung.“ Nie hätte der Arzt damit gerechnet, dass Eric E. eine tickende Zeitbombe ist: „Er hatte keine Aggression gegen sich oder andere“, sagt der Arzt.

Auto als Waffe.
Der Mediziner hat sich getäuscht. Dienstagnachmittag rast der mutmaßliche Selbstmörder mit seinem Wagen direkt auf die tankenden Touristen an der Agip-Tankstelle zu. Der BMW wird zur zerstörerischen Waffe. Mit voller Wucht werden die Japaner und ihr Wagen gerammt. Ein 54-Jähriger wird getötet, seine zwei Miturlauber schwer verletzt. Der BMW rasiert Zapfsäulen ab, schlittert auf dem Dach in den Verkaufsraum, explodiert und geht in Flammen auf. Eric E. verbrennt im Wrack.

Psychiater Christoph Stuppäck hat Eric E. kurz vor dem Selbstmord behandelt und aus der Nervenklinik entlassen. Hier das Interview:

ÖSTERREICH: Warum war Eric E. in Behandlung?
CHRISTOPH Stuppäck: Weil er Ende Mai mit seinem Auto auf der Pinzgauer Bundesstraße langsam im Rückwärtsgang gefahren ist und kleine Steine aus dem Fenster geworfen hat. Der Amtsarzt schickte ihn zu uns.
ÖSTERREICH: Wie hat er diese Fahrt erklärt?
Stuppäck: Als verrückten Einfall, als lustiges Erlebnis. Eric war ein offener, lustiger, gewinnender Mensch. Es war keine Selbstmordtendenz feststellbar, auch keine Aggression nach außen. Er hatte ein Drogenproblem, rauchte Cannabis. Er litt nicht an Schizophrenie.
ÖSTERREICH: Wann wurde er entlassen?
Erlacher: Vor dreieinhalb Wochen, auf eigenen Wunsch. Er sagte, er wolle sich an der Neurologie in Innsbruck weiterbehandeln lassen. Ich kann mir überhaupt nicht erklären, weshalb es nun zu dieser Handlung gekommen ist.

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