Inzest hinterlässt schwere Spuren

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Inzest hinterlässt schwere Spuren

Depressionen, Angststörungen, schwere Traumatisierungen bis hin zu psychotischen Störungen seien mögliche Folgen, erklärte Verhaltenstherapeutin Ingeborg Pucher-Matzner vom Berufsverband der österreichischen Psychologen (BÖP). "Da ist wirklich alles dabei."

Folgen für die ganze Familie
Psychische Folgen gebe es für die gesamte Familie, vor allem die Kinder. Die Tochter der Familie, sei allerdings jene, die gefangen gehalten wurde und so das am schlimmsten betroffene Opfer. Sie habe über Jahrzehnte hinweg eine chronische Traumatisierung erlebt, so Pucher-Matzner. "Das hinterlässt sicher schwerste Spuren, ob da eine normale Lebensführung möglich ist, ist schwer vorstellbar." Wichtig sei dabei allerdings die Frage, wie es ihr vor dem Martyrium gegangen sei - War sie psychische gesund und gesellschaftlich integriert?

"Absolutes Tabu"
Das gesamte Szenario drehe sich rund um einen Inzest-Verdacht, also eine schwere sexuelle Abweichung. "Das ist wirklich ein absolutes Tabu, dass mit Gewalt vertreten wird", beschrieb Pucher-Matzer Grundzüge der möglichen Situation in der Familie. "Da darf man nicht dran rüttelnd, sonst gibt es Konsequenzen." Denn bei Inzest gehe generell eine wichtige Schranke zwischen Eltern und Kindern verloren.

Beziehung untereiner entscheidend
Insofern seien auch die Kinder in der Familie extrem belastet, betonte die Psychologin. Dabei stelle sich wiederum die Frage, was die Minderjährigen erleben musste, ob es zu Gewalt oder ebenfalls zu Inzest gekommen sei. Ausschlaggebend sei auch die Beziehung zu den Familienmitgliedern, alle voran den Großeltern. Bei der Großmutter stelle sich die Frage inwiefern sie zum Opfer wurde oder als Täterin involviert gewesen sei. In dem Zusammenhang müssten dann auch die psychischen Folgen für die Frau gesehen werden.

"Ein spezieller Fall"
Auch wenn noch wenig über die von ihrem Vater gefangen gehaltene Frau aus Niederösterreich bekannt ist, sprach Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverband der österreichischen Psychologen schon von einem "speziellen Fall". Für den Experten ist die Überlagerung von mehreren Faktoren erschreckend. Es dürfte sich hier nicht nur um einen Missbrauch im eigenen Umfeld am eigenen Kind über längere Zeit handeln, sondern auch das zusätzliche Einsperren des Opfers. "Das ist sehr auffällig", sagte Binder-Krieglstein.

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