Mordversuch:

Prozess in Wels

Mordversuch: "Habe nur an meine Ex gedacht"

Ein 25-jähriger Portugiese muss sich seit Mittwoch wegen versuchten Mordes an einer Studentin vor einem Schwurgericht im Landesgericht Wels verantworten. Er soll die Frau im Juni 2016 mit acht Messerstichen, auch in den Bauch, lebensgefährlich verletzt haben. Ihm drohen bis zu 20 Jahre oder lebenslange Haft. Ein Urteil wird für Freitag erwartet.

Die Staatsanwältin plädiert auf versuchten Mord, Verteidiger Andreas Mauhart sieht lediglich eine absichtlich schwere Körperverletzung. Der Beschuldigte sei tatsachengeständig, so die Staatsanwältin, das Motiv sei Kerngegenstand des Verfahrens. Das Verbrechen und die Aufklärung hätten eine Sicherheitsdebatte in Wels ausgelöst, wegen der Videoaufnahmen, die dazu beigetragen hätten, dass der Fall aufgeklärt wurde. In dem Verfahren waren 18 Zeugen geplant.

Am WC auf Opfer eingestochen

Der Beschuldigte kam 2013 nach Österreich, er spricht gut deutsch. Er folgte seiner ehemaligen Lebensgefährtin und der gemeinsamen Tochter. Die Beziehung lebte wieder auf, ging aber nach zwei Jahren abermals in die Brüche. Die Frau zog im März 2016 mit dem Mädchen nach Hamburg. Das habe ihn sehr mitgenommen, sagte der Angeklagte, der seit seiner Verhaftung zwei Tage nach der Tat in U-Haft sitzt.

Am Vorabend der Tat arbeitete er bis 22.30 Uhr und ging dann in Wels aus. Er konsumierte Bier, Whisky und auch Joints. Zu späterer Stunde habe er von einem Dealer am Stadtplatz eine ihm unbekannte weiße Substanz erhalten, die er im WC eines Lokals konsumiert habe. Dann verließ er den Laden. Kurz darauf ging der Beschuldigte gegen 4.00 Uhr Früh wieder in das Lokal, in das Damen-WC im ersten Stock, und stach auf das Opfer ein. Die Frau versuchte vergeblich, zu flüchten. Das Messer habe er auf dem Stadtplatz gefunden und es mitgenommen, sagte er. Die 19-Jährige, die ihre bestandene Matura gefeiert hatte, erlitt Stichwunden am Rücken, am Oberschenkel, Unterarm, an der Schulter und am Bauch. An den Fingern wies sie Abwehrverletzungen auf.

Opfer notoperiert

Der Angeklagte verließ das Lokal, warf am Kaiser-Franz-Josef-Platz Jacke und Messer weg und fuhr mit einem Taxi nach Hause. Das Opfer ging noch selbst zur Stiege nach unten. Ein anwesender Medizinstudent und die schnelle Erstversorgung durch die Rettung waren ihr Schutzengel. Sie wurde notoperiert und lag über zwei Wochen im Krankenhaus. Die Staatsanwältin wies darauf hin, dass eine posttraumatische Belastungsstörung wie eine schwere Körperverletzung zu sehen sei. "Der schönste Sommer in ihrem Leben ist zu einer Katastrophe geworden", verdeutlichte der Privatbeteiligtenvertreter.

"Ich habe sie zweimal mit dem Messer in den Bauch gestochen, an mehr kann ich mich nicht erinnern", sagte der Angeklagte. "Ich habe nur an meine Ex gedacht, sie sollte spüren, was mir in letzter Zeit passiert ist", wollte er in der Verhandlung seine private Situation, die Trennung und den Umstand, dass seine Ex das alleinige Sorgerecht für das Kind wolle, für die Tat verantwortlich machen. Der Vertreter des Opfers wies daraufhin, dass der 25-Jährige einen Monat vor der Tat zwei Wochen mit seiner Tochter in Portugal verbracht hatte und er nicht sehe, was an der Situation so tragisch sei. Darauf konnte der Portugiese nichts erwidern. An Mord habe er jedenfalls bei der Tat nicht gedacht.

Wut auf andere Person projiziert

Sein Verteidiger erläuterte den Geschworenen rechtliche Grundlagen und meinte: "Entscheidend ist: Was hat er gewusst, was hat er gewollt und was hat er sich dabei gedacht?" Er habe die Wut und den Frust auf seine Exfreundin auf eine andere Person projiziert.

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