Studie stellt HPV-Impfung in Zweifel

Hohe Kosten

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Studie stellt HPV-Impfung in Zweifel

Für einen Knalleffekt sorgt die Analyse von Kosten und Nutzen der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs durch eine Autorin des Ludwig-Boltzmann-Institutes. Schon im Vorwort der Untersuchung lässt Autorin Ingrid Zechmeister aufhorchen: „Die Impfung ersetzt jedoch das Zervixkarzinomscreening (durch Pap-Abstriche, Anm. der Red.) nicht, da Zervixkarzinome auch durch andere HP-Viren verursacht werden können und über die langfristige Wirkung der Impfung noch keine Daten vorliegen."

Millionenkosten
Noch kritischer wird die Studie nach einer Überprüfung von Kosten und Nutzen anhand eines mathematischen, in Norwegen bereits erprobten Modells für die nächsten 52 Jahre: Demnach würde sich eine österreichweite Durchimpfung aller Mädchen im Alter von 12 Jahren mit jährlich (!) bis zu 16,8 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Geringe Reduktion
Dabei würde sich die Zahl der Gebärmutterhalskrebs-Neuerkrankungen aller Frauen vom 15. bis zum 74. Lebensjahr zum Jahr 2060 um etwa 11 bis höchstens 13 Prozent reduzieren. Und das sei deutlich unter der vielfach erwarteten 70-prozentigen ­Reduktion.

Burschen impfen?
Selbst in dem Fall, dass man auch alle 12-jährigen Buben impft (Männer erkranken nicht, können aber die krebs­erregenden HV-Viren übertragen), reduziert sich der Anstieg an Zervixkarzinomen bis 2060 nur um 14 bis 15 Prozent, was genau so deutlich unter den erhofften 70 Prozent liegt.

Unberechenbar
Die Gründe für die auseinanderklaffenden Zahlen sind die „Dynamik der Virusübertragung“ und „die Schwierigkeit der Eliminierung von sexuell übertragbaren Viren im Versorgungsalltag“.

Schlussfolgerung
In der Conclusio wird den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik empfohlen, das Pap-Screening zu optimieren – damit könne die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle minimiert werden. Zur Durchimpfung heißt es nur: "Hoher Unsicherheitsfaktor und hohe Kosten."

Entscheidung
Als Option drei wird angeführt, bei einer Durchimpfung wenigstens den Preis zu drücken. In Norwegen kosten drei Dosen nur 270, in Österreich derzeit aber 600 Euro. Noch einmal wörtlich: „Bei einer Entscheidung für die Finanzierung eines Impfprogramms unter den angeführten Unsicherheiten bleibt für die öffentlichen Kostenträger das Risiko bestehen, dass die Effekte nicht im gewünschten Ausmaß oder nur zu höheren Kosten eintreten.“

Unter Verschluss
Abgeschlossen ist die Untersuchung bereits seit Dezember des Vorjahres, doch bis jetzt wurde sie scheinbar unter Verschluss gehalten. Nach dem Todesfall einer 19-Jährigen drei Wochen nach der HPV-Impfung und 16 weiterer bedenklicher Reaktionen von jungen Frauen und Mädchen auf die Vorsorge-Aktion, brach – von ÖSTERREICH initiiert – jedenfalls eine breite Diskussion über den gentechnisch hergestellten Impfstoff aus.

Kdolsky
In der heutigen Sitzung der Bundesgesundheitskommission, zu der­ ­Ministerin Andrea Kdolsky geladen hat, geht es unter ­anderem darum, ob (so wie in Niederösterreich) die Dreier-Impfung für alle Mädchen mit Steuergeldern gefördert werden soll.

Wie Insider wissen, war Kdolsky von Anfang an skeptisch – diese Untersuchung, die ÖSTERREICH exklusiv im Wortlaut vorliegt, scheint die kritische Position der Ministerin zu bestätigen.

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