Fall Julia Kührer

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"Verdächtige" kritisieren SoKo

Verhaftungen, Razzien, „dringender Tatverdacht“: Groß war die Hoffnung, als sich am 10. Mai im Vermisstenfall Julia Kührer endlich „etwas bewegte“. Und groß war das Spektakel, als Polizisten einen Hund erschossen und im Beisein von Reportern drei Verdächtige abführten. „Beihilfe zur Freiheitsentziehung“, lautete der Vorwurf der Soko Cold Case gegen Tamara K. (27), ihren Bruder Martin (21) sowie ihren Ex-Freund Martin H. (26). „Mordverdacht“ dichtete eine Zeitung hinzu.

14 Tage später: Die jungen Waldviertler sind längst auf freiem Fuß – doch „gebrandmarkt fürs ganze Leben“. Das sagt die Mutter des Geschwisterpaares, Silvia K. „Die haben unser Leben zerstört“, klagt die Frau – und jeder, der am Land lebt, kann diese Aussage nachvollziehen: Trotz Entlastung brodelt die Gerüchteküche. „Die Leute denken, irgendwas wird schon dran sein.“

„Es wurde schleißig ermittelt“
Ist es aber nicht: Das Einzige, was gegen das Trio vorgebracht wurde, waren vier Jahre alte Telefondaten. Etwa sei das Handy von Martin K. bei einem Sender nahe dem Ort von Julias Verschwinden „eingeloggt“ gewesen. Was nicht stimmt: Es war das seines Vaters, Martin war in der Schule. Zweites „Indiz“: Kührers Telefon war nahe dem Haus der Großeltern (!) von Martin H. eingeloggt. Das waren viele Handys: Das Haus steht in der Bahnhofstraße von Horn.

Die Anwälte der Kurzzeit-Verdächtigen bringen es auf den Punkt: „Es wurde schleißig ermittelt“, so Normann Hofstätter und Marcus Januschke. Nachsatz: „Wir werden auf Einstellung des Verfahrens drängen und Wiedergutmachungsansprüche prüfen.“ Die Chancen darauf stehen gut: Laut Hans Zeger (ArgeDaten) können die Kosten der Razzien beim Telekomanbieter eingeklagt werden, der den Behörden die angeblich belastenden Rufdaten gab. Denn die hätten gar nicht so lange gespeichert werden dürfen.

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