Zweitägiger Mord-Prozess in Wr. Neustadt

"Erschieß' mich ..."

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Zweitägiger Mord-Prozess in Wr. Neustadt

In einem zweitägigen Prozess muss sich eine 55-jährige Niederösterreicherin am Landesgericht Wiener Neustadt wegen Mordes an ihrem Ehemann verantworten. Laut Anklage hatte sie den um ein Jahr älteren Mann am 5. Februar im gemeinsamen Haus in Ebreichsdorf (Bezirk Baden) durch einen Schuss in die Brust getötet. Sie bekannte sich am Montag, dem ersten Prozesstag, nicht schuldig. Die Verhandlung wird am Mittwoch mit den Gutachten fortgesetzt.

Depressionen
Jahrelange schwere Depressionen des nach dem Verlust seines Bankjobs Arbeitslosen haben zu dessen übermäßigem Alkoholkonsum und daraus resultierenden Streitigkeiten geführt, meinten Ankläger und Verteidiger übereinstimmend. Während Staatsanwalt Johann Fuchs aber erklärte, dass vorsätzliche Tötung auch bedeute, den Tod des Opfers in Kauf zu nehmen und für Tötung auf Verlangen kein ernsthafter Wille des mit 3,7 Promille volltrunkenen Mannes vorgelegen sei, meinte Rechtsanwalt Roland Friis, seine Mandantin habe den Worten ihres Mannes vertraut, dass die Waffe ungeladen war.

"Erschieß' mich..."
Richterin Alexandra Baumann hielt der - vom Geschehen sichtlich gezeichneten - Angeklagten divergierende Aussagen vor. So sei die aktuelle Version erst bei der Tatrekonstruktion Anfang März unterbreitet worden. Zuvor habe die Frau angegeben, ihr Mann hätte ihr mit den Worten "erschieß' mich, ich bin ein Versager" die Waffe in die Hand gedrückt.

1,5 Promille
Das Paar war 30 Jahre verheiratet. Nach der ersten Kündigung habe ihr Mann Antidepressiva genommen, sich dann mit Eifer in einem neuen Job eingebracht, den er aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Bank verloren habe. Danach sei er "abgestürzt", Therapien lehnte er ab, seine Probleme ertränkte er mit Alkohol. "Ich kann trinken wie ein Fass ohne Boden", habe er gemeint - täglich ein bis zwei Flaschen Wein. Selbstmorddrohungen habe sie nicht wirklich ernst genommen. Im Herbst 2009 kaufte der Mann einen Revolver. Diesen habe er ihr an jenem Abend gezeigt, weil er "so eine Freude" dran habe - und sie habe die Waffe auf seine Aufforderung hin in der Annahme, sie sei ungeladen, genommen, um ihm einen Gefallen zu tun. Die Frau hatte zum Tatzeitpunkt selbst 1,5 Promille. Nachbarn sagten aus, sie habe danach hysterisch und völlig aufgelöst auf der Straße um Hilfe geschrien.

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