Schwiegervater vor Gericht

Schwiegervater vor Gericht

Braut starb in Hochzeits-Nacht

Der schönste Tag ihres Lebens war ihr letzter. Bei einem Unfall in der Hochzeitsnacht starb die Braut. Dienstag stand der Lenker vor Gericht.

Martina (22) war wunderschön, jung, verliebt und mit ihrem Traummann Filip (26) verheiratet. Doch das Glück der Salzburgerin währte nur kurz, denn wenige Stunden nach ihrem Ja-Wort riss das Schicksal sie auf unfassbar tragische Weise aus dem Leben. Ein Unfall in der Hochzeitsnacht, ein kurzer Sekundenschlaf ihres Schwiegervaters, der das Auto lenkte, genügte. Von der rauschenden Nacht im Pinzgau blieben nur Trauer, Entsetzen und ein für sein Leben geschockter junger Mann, der vom Bräutigam zum Witwer wurde.

Gebrochener Mann
Am Dienstag stand Branko J. (46) in Salzburg vor Gericht, um sich für diese fünf Sekunden Schlaf, die seiner Schwiegertochter das Leben raubten, zu verantworten. Er kam als gebrochener Mann in den Verhandlungssaal des Landesgerichtes und es schien, als hätte er das Urteil über sich ohnehin schon lange gesprochen. Schuld zu sein daran, dass er am Steuer eingeschlafen war und dass seine Schwiegertochter starb. Dabei hatte er extra während der Feierlichkeiten nichts getrunken, um in der Nacht das Paar nach Hause nach Saalbach bringen zu können. Ein Alkotest zeigte: 0,0 Promille. „Ich war doch so glücklich, dass mein Sohn Hochzeit hatte, ich hab sogar tagsüber eine Stunde geschlafen, um fit zu bleiben“, so der Mann zu Richterin Gabriele Glatz.

Tödlich endete der Zusammenstoß zwischen seinem Mazda und einem Mercedes Van kurz vor Viehhofen am 9. Mai 2010 aber nur für die Braut. Bräutigam, Schwiegervater und Schwiegermutter, die ebenfalls im Wagen saßen, kamen mit teils leichten Verletzungen davon.

Ein Jahr bedingt
Selbst Staatsanwalt Georg Kasinger tat sich mit seiner Anklage schwer: „Das Ganze ist eine absolute Familientragödie, wir haben auf alle Rechtsmittel verzichtet und wollten den Prozess möglichst schnell hinter uns bringen.“

Das milde Urteil: Ein Jahr bedingt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Gutachter Kronreif war Sachverständiger des Hochzeits-Crashs:

„Sekundenschlaf ist wie Vollrausch“

ÖSTERREICH: Das Auto mit dem Schwiegervater am Steuer raste ungebremst in den Gegenverkehr.
Gerhard Kronreif: Er war mit über 80 statt mit den erlaubten 50 km/h unterwegs, schwerwiegender war aber die Übermüdung.

ÖSTERREICH: Sie haben einmal gesagt, dass Sekundenschlaf wie Alkohol wirkt.
Kronreif: Die Reaktion ist wie bei einem Vollrausch. Wenn jemand sekundenlang wegnickt, hat er null Reaktionszeit. Wenn in Deutschland jemand übermüdet nur einen Sachschaden baut, ist der Führerschein auf Monate weg.

ÖSTERREICH: Sollen die Gesetze da auch in Österreich verschärft werden?
Kronreif: Die Gerichte urteilen ohnehin schon härter. Der gegenständliche Fall ist aber wirklich eine besondere Tragödie; fatalerweise wurden die Reste von der Hochzeitstorte und dem Essen aus dem Kofferraum nach vorne genau auf die Braut gedrückt.

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