HIV-krankes Baby aus Klinik entlassen

Zwangsbehandelt

© sxc, Symbolbild

HIV-krankes Baby aus Klinik entlassen

Das elf Monate alte Baby, das seit Ende Dezember an der Grazer Kinderklinik - gegen den Willen ihrer Eltern - mit antiretroviralen Medikamenten und gegen eine Lungenentzündung behandelt wurde, ist am Mittwoch entlassen worden. Wie es seitens des Bezirkshauptmannes hieß, wurde das Kind in die Obsorge einer Jugendwohlfahrtseinrichtung übergeben.

"Die Unterbringung auf einem Pflegeplatz ist nicht als kurzfristige Maßnahme gedacht", heißt es in der Stellungnahme des Bezirkshauptmannes. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass es "im Interesse des Wohles des Mädchens (sei), insbesondere um die erforderlichen Therapien zu gewährleisten und zu verhindern, dass ihre Gesundheit durch Unterbleiben der dringend gebotenen therapeutischen Maßnahmen erneut gefährdet wird (...)." Weiters wurde um Verständnis dafür ersucht, dass keine weiteren Auskünfte erteilt würden, "da das Mädchen und ihre drei Geschwister wie andere Kinder auch das Recht haben, gerade in dieser sensiblen Situation unbelastet und außerhalb des Fokus medialer Berichterstattung in einer geschützten Privatsphäre heranzuwachsen".

Gegen den Willen der Eltern behandelt
Das Baby wurde Ende September auf Anweisung der besorgten Bezirkshauptmannschaft bei seinen - HIV-positiven Eltern - abgeholt und auf die Kinderklinik des LKH Graz gebracht. Seither wurde es gegen den Willen seiner Eltern behandelt, worauf sich der Gesundheitszustand des Mädchens laut Angaben der Ärzte stabilisiert hat.

Die Obsorge über die medizinische Betreuung des Kindes, dessen Eltern der Therapie nicht zustimmten, liegt bereits seit dem Sommer des Vorjahres bei der BH, ebenso das Recht, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen. Es müsse auf alle Fälle sichergestellt sein, dass das Mädchen seine Therapie erhält, so der Bezirkshauptmann: "Wenn das Kind seine Medikamente nicht regelmäßig bekommt, stirbt es", präzisierte der Beamte in der Zeit des Spitalsaufenthalts den Ernst der Situation.

Aids eine "Lüge"
Seitdem das Kind in die Kinderklinik eingeliefert wurde, stand daher die Frage im Raum, wie die Betreuung des Kindes nach der Entlassung aussehen könnte. Die Eltern des Babys sind der Meinung, dass ihre Tochter grundlos gegen eine HIV-Infektion behandelt werde und halten die Krankheit selbst für eine "Lüge". Erst die Medikamente gegen den HI-Virus hätten das Mädchen krank gemacht, so die Ansicht der Eltern.

Bei der Staatsanwaltschaft liegt vonseiten der Kinderschutzgruppe des LKH Graz eine bereits im September eingebrachte Anzeige gegen die Eltern wegen Verdacht auf "schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen" und "vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheit" auf. Ein ärztliches Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Im Gegenzug zeigten die Eltern die Ärzte der Kinderklinik, die BH und das Gericht wegen Nötigung, Betrugs, grober Fahrlässigkeit und Beihilfe zum versuchten Totschlag an.

In die Causa hat sich auch der selbst ernannte Krebsheil-Praktiker Ryke Geerd Hamer eingeklinkt. Der deutsche "Wunderheiler" sorgte bereits 1995 in Österreich für Schlagzeilen, als er den Eltern der damals sechsjährigen krebskranken Niederösterreicherin Olivia von einer schulmedizinischen Behandlung ihrer Tochter abgeraten hatte.

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